Kommentar

Alarm beim Notruf - Berlin braucht schnell Hilfe

Berlin wächst und wird immer älter. Darauf muss sich die Feuerwehr einstellen, sagt Gilbert Schomaker. Ohne Personal geht das nicht.

Erst der Notstand in der Notrufzentrale der Polizei, jetzt der Alarm in der Telefonzentrale der Feuerwehr: Wer in Berlin schnell Hilfe braucht und zum Telefon greift, muss häufig lange warten oder kommt gar nicht durch. Erschreckende Zahlen fördert jetzt eine Anfrage des Innenexperten der Grünen, Benedikt Lux, zutage: 52.000 Anrufe wurden bei der Feuerwehr im dritten Quartal 2015 erst gar nicht entgegengenommen.

Jetzt gibt es sicherlich viele Anrufe, die nicht in eine Notrufzentrale gehören. Wer sich den Fuß vertritt und ins Krankenhaus muss, muss nicht notwendigerweise von der Feuerwehr versorgt werden. Er könnte auch von privaten Krankentransportunternehmen ins Krankenhaus gebracht werden. Hier könnte eine eigene Leitstelle helfen. Der Notruf ginge dann immer noch bei der Feuerwehr ein, die aber anhand eines Fragebogens schnell erkennt, dass es sich nicht um einen Notfall handelt. Wenn der Fall dann aufgenommen ist, müsste er von privaten Krankenfahrdiensten zügig übernommen werden. Das wäre eine Lösung, um die Feuerwehr im Außendienst zu entlasten. Aber in der Notrufzentrale führt das noch nicht zu einer durchgreifenden Erleichterung. Kurzfristig muss die Zahl der Annahmeplätze für den Notruf erhöht werden. Nur sieben Mitarbeiter – das sind offensichtlich zu wenige.

Langfristig erhofft sich Innensenator Frank Henkel (CDU) eine Entlastung sowohl bei der Polizei als auch bei der Feuerwehr durch eine gemeinsame Leitstelle. Gerade bei Großlagen wie einem schweren Gewitter könnten die Einsätze besser koordiniert werden. Doch diese neue Leitstelle wird nicht vor 2020 in Betrieb gehen.

Polizei und Feuerwehr müssen sich aber jetzt schon auf zwei neue Herausforderungen einstellen. Einerseits wächst Berlin. Die Einwohnerzahl wird in den nächsten zehn bis 15 Jahren um einige Hunderttausend Menschen steigen. Andererseits gibt es immer mehr ältere Menschen. Wenn der Senat über die wachsende Stadt nachdenkt, muss er auch an wichtigen Punkten nachjustieren. Wer Hilfe braucht, muss auch innerhalb kürzester Zeit in der Notrufzentrale durchkommen. Ohne mehr Personal wird das nicht gehen.

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