Waren die Deutschen nicht gerade eben noch strahlendes Vorbild für die Welt? Dieses fleißige, zuverlässige Volk mit der krisenfesten Ökonomie und einer Kanzlerin, die sich geduldig für Friedensverhandlungen einsetzte, wo andere längst Schnellschüsse forderten. Und die sagte: „Wir schaffen das!“, wo andernorts in Europa angesichts der vielen Flüchtlinge neue Mauern gebaut wurden. Beides hat Deutschland viel Respekt, sogar Bewunderung gebracht.

Dann kam VW. Made in Germany, nichts als Etikettenschwindel. Und jetzt kommt, wenn die Berichte stimmen, die Fußball-WM 2006. Auch das noch, ausgerechnet das Ereignis, das Deutschland weit über den Sport hinaus eine neue Identität gegeben hat. Die Gäste aus aller Herren Länder stellten vor neun Jahren – manche halb verwundert – fest, dass hier ein Ort ist, wo Menschen verschiedener Nationen gemeinsam fröhlich feiern können. Dass Deutsche auch ganz gut verlieren können. Es war so etwas wie die Geburt Berlins als Touristenmagnet, was seither Unmengen an Geld in die Kassen spülte.

Die Wahrheit kommt meist in Tropfenform

Nun steht die Behauptung im Raum, dass zunächst Millionen in schwarze Kassen und von dort weiter zum Stimmenkauf an bestechliche Fifa-Funktionäre fließen mussten, damit die WM überhaupt nach Deutschland kam. Schon wieder Betrug. Unglaublich? Vorsicht, die Erfahrung zeigt eher, dass die Wahrheit jetzt in Tropfenform herauskommt. VW und die WM, das waren zwei Säulen, die dem deutschen Selbstverständnis gut taten. Doch es sieht so aus, als würden beide weggerissen. Der Gedanke ist schmerzhaft, dass alles nur ein Sommermärchen war.

Vielleicht wird wenigstens ein Trend gestoppt, der zuletzt etwas überhand nahm: Deutschland als moralische In­stanz. Das zahlt sich nicht aus. Man muss nicht nur an Uli Hoeneß denken dabei. Auch manche Politiker finden es offenbar schick, überall in der Welt zu verkünden, was da und dort falsch läuft. In welchen Ländern dies oder das unter moralischen Aspekten gar nicht stattfinden dürfe. Die Kritik ist oft richtig, aber bitte eines nicht vergessen: Die meiste Reinigungskompetenz besteht immer noch vor der eigenen Haustür. Und da gibt es gerade eine Menge zu tun.