Von wegen: And the winner is ... Diese Wahl war schon verloren, bevor sie begonnen hatte. Peking oder Almaty, Teufel oder Satan – es war klar, dass sofort weltweite Kritik ausbrechen würde in dem Moment, in dem IOC-Präsident Thomas Bach den Ausrichter der Olympischen Winterspiele von 2022 verkündete. China und Kasachstan werden von Regierungen geführt, zu deren Werten Demokratie und Menschenrechte jedenfalls nicht gehören.

Nun also das Reich der Mitte, das bisher kaum als Wintersportnation in Erscheinung getreten ist. Und wo es Kunstschnee-Spiele geben wird; Schneeflöckchen, Weißröckchen hat es nicht so mit Peking. Warum vergibt das IOC seine Topveranstaltung 14 Jahre nach den Sommerspielen wieder dorthin?

Zyniker werden anmerken, dass alle berechtigten Vorwürfe gegen das Regime zum Beispiel deutsche Unternehmen ja auch nicht davon abhalten, dort Milliardenumsätze zu generieren. Warum soll sich der Sport da zieren, wo doch ein unberührter Markt lockt, dem jetzt Millionen von Skianzügen, Eishockeyschlägern, vielleicht sogar Germknödeln schmackhaft gemacht werden können?

Die ganze olympische Bewegung hat ein Problem

Das ist aber nur ein Grund. Die ganze olympische Bewegung hat ein Problem. Es gab schlicht keinen Bewerber mehr, der die hohen moralischen Ansprüche erfüllte. Dass München, Oslo oder Stockholm zurückzogen, hatte verschiedene Gründe. Zu hohe Kosten, zu wenig Zustimmung in der Bevölkerung, auch Misstrauen gegenüber dem IOC und seinen Funktionären.

Diese Abneigung, die Spiele auszurichten, scheint gerade im Trend zu liegen. Bach hat mit seiner Reformagenda den ersten Schritt getan, Olympia wieder günstiger, umweltverträglicher, transparenter, attraktiver zu machen. Spätestens bei der Vergabe der Sommerspiele 2024 mit dem Bewerber Hamburg (falls der nicht auch noch abspringt) wird sich zeigen, ob weitere folgen müssen.