Trotz einer schmerzhaften Zehenverletzung hat Patrick Hausding dem deutschen Wassersprungteam bei der Schwimm-WM in Kasan den ersten Olympia-Quotenplatz beschert. Der Rekordeuropameister aus Berlin zog im Halbfinale vom 3-m-Brett mit 472,80 Punkten als Achter in den Endkampf am Freitag ein, obwohl er sich beim Einspringen zwei Zehennägel abgerissen hatte und unter starken Schmerzen an den Start gegangen war.

„Als Bundeswehrsoldat musste ich da mal die Zähne zusammenbeißen“, sagte der 26-Jährige und zeigte auf den blutgetränkten linken Socken. Hausding war beim Einspringen vom Brett weggerutscht. „Das war ein Schock, und die Muskulatur hat auch etwas abbekommen“, sagte der Ex-Weltmeister. Vor allem vor den Anläufen habe er „ein bisschen mehr Schiss als sonst“ gehabt.

„Man sieht pures Fleisch, das ist schon hart“, sagte Bundestrainer Lutz Buschkow und lobte einmal mehr die Nehmerqualitäten seines „Kampfschweins“, wie er Hausding gerne bezeichnet.

Buschkow war zuvor vom Gold-Rennen des Freiwasserteams in die Kasaner Sprunghalle geeilt. „Mit der Erfolgseuphorie der Goldmedaille komme ich hier her – und dann das“, sagte der DSV-Leistungssportdirektor: „Wir haben schon alle schwarz gesehen, da geht einem der Schock durch den Körper.“

Gold für das Freiwasser-Team

Aber die Jubelstimmung ließ er sich nicht vermiesen. Schließlich hatte die deutsche Mannschaft ihre erste Goldmedaille bei dieser WM gewonnen. Das Freiwasser-Team verteidigte auch ohne den zurückgetretenen Rekordweltmeister Thomas Lurz seinen Titel. Isabelle Härle, Christian Reichert und Rob Muffels holten sich im Fünf-Kilometer-Zeitrennen den Sieg. „Wir haben schon mit einer Medaille spekuliert. Dass es Gold wird, ist ein Hammer-Ding. Sie haben das Ding optimal gerockt“, sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz.

„Ich hatte Angst, nach der ersten schnellen Runde das Tempo nicht halten zu können. Aber es ging dann doch weiter“, sagte Härle, die als Frau das Tempo vorgeben musste. Das deutsche Trio lag im Kampf gegen die Uhr nach 55:14,4 Minuten 16,8 Sekunden vor den zeitgleichen Teams aus Brasilien und den Niederlanden. Minutenlang herrschte Unklarheit über das Endergebnis dieser nicht-olympischen Freiwasser-Disziplin, da beim brasilianischen Team die Zeitnahme zunächst ausgefallen war. „Wir hatten zwar mitgestoppt, aber fünf Minuten waren wir schon etwas hibbelig“, sagte Stefan Lurz.

BM