Statistiken sind bekanntlich mit Vorsicht zu genießen und zeigen oft nur eine Momentaufnahme. So ist es auch mit den neuesten Daten zur Entwicklung der Gewaltkriminalität am Alexanderplatz. Aber immerhin: Wenn der Trend der ersten fünf Monate dieses Jahres anhält, wird der Alex sicherer. Die Zahl der Gewalttaten ist, hochgerechnet auf das Gesamtjahr und je nach Deliktfeld, um bis zu 25 Prozent zurückgegangen. Der Alexanderplatz bleibt Kriminalitätsschwerpunkt. Es gibt aber Anlass zur Hoffnung.
Und der Tourist aus Israel, der an der Klosterruine unweit des Alex Anfang April zum Opfer eines tödlichen Angriffs wurde? Und der 20 Jahre alte Mann, der an einer Haltestelle am Alex niedergestochen und dabei schwer verletzt wurde? Ja, diese Taten waren grausam, und den Opfern und ihren Angehörigen ist mit einem Hinweis auf die Statistik nicht geholfen. Dennoch: Wer am Alexanderplatz jeden Tag umsteigt, dort gelegentlich einkauft oder abends ausgeht, sollte sich bewusst machen, dass es sich um Einzelfälle handelt. Spektakulär – aber eben nicht repräsentativ für die tatsächliche Entwicklung der Gewalt.
Die gefühlte Sicherheit – das ist die erste Erkenntnis aus den neuen Zahlen – ist mit der tatsächlichen also nicht identisch. Das gilt umso mehr, wenn man berücksichtigt, dass der Alex der meist frequentierte Platz des östlichen Berliner Zentrums ist. Wo viele Menschen sind, gibt es mehr Gewalt. Das Risiko, selbst zum Opfer zu werden, muss deswegen nicht höher sein als anderswo.
Die zweite Erkenntnis: Mehr Polizeipräsenz zahlt sich aus. Seit der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K. im Oktober 2012 steht ein Kontaktmobil auf dem Alexanderplatz, und es gibt regelmäßige Polizeistreifen. So sollte es auf absehbare Zeit bleiben – auch wenn die Gewalt weiter zurückgehen sollte. Denn die Politik sollte zwar keine Panik verbreiten. Sie muss das subjektive (Un-)Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aber wahrnehmen, selbst wenn es sich mit der Statistik nicht hundertprozentig deckt. Das hat nichts mit Überwachungsstaat zu tun, sondern mit einem Staat, der sich um die Sicherheit kümmert und die Ängste der Bürger ernst nimmt.




