Kein Zweifel: Andrea Ypsilanti wird im Herbst mit den Stimmen der Linken zur neuen Ministerpräsidentin gewählt werden.

Die SPD-Hessin Ypsilanti hat ihre Strategie vom früheren Ministerpräsidenten Holger Börner entlehnt. Der wollte 1982 nicht mal mit Grünen aufs Foto, dann führte er mangels Mehrheit eine Weile machtlos die Geschäfte wie jetzt CDU-Mann Roland Koch. Schließlich gab es Neuwahlen, zwei Jahre Tolerierung, und 1985 endlich die erste rot-grüne Koalition. 25 Jahre später geht alles ein bisschen fixer.

In Wiesbaden werden derzeit die Linien gezogen, an denen sich die Republik neu orientiert – und zwar zurück. Denn ab sofort stimmt die alte Lagertheorie von Heiner Geissler wieder: Es gibt in Deutschland ein linkes und ein bürgerliches Lager, beide fast gleichstark, dazwischen ein tiefer Graben. Die neue Mitte war immer nur eine Fata Morgana.

Und Hessen – das Bundesland war und ist Deutschlands Labor der neuen Mehrheiten. Hier wird derzeit die einzige Option probiert, mit der die 20-Prozent-Partei SPD jenseits einer großen Koalition zurückkehren kann an die Macht: der rot-rot-grüne Dreibund. Man muss dieses Bündnis nicht mögen, aber man muss trotzdem zur Kenntnis nehmen, dass dieses Trio in weiten Teilen Deutschlands mehr als 50 Prozent der Wähler bedient: die SPD den tarifvertragsfixierten Facharbeiter, die Grünen den großstädtischen Barolo-Linken, die Linkspartei die maulenden Modernisierungsverlierer.

Vom Öko-Laden bis zur Gewerkschaft, von Hartz IV bis zum Eckrentner, von Steinbrück bis Lafontaine wird ein reformskeptisches linkskonservatives Lager weitestmöglich bedient. Die fast 50 Prozent, die Willy Brandt einst allein holte, verteilen sich heute eben auf drei Parteien.

Für den Wähler bringt Hessen immerhin größtmögliche Klarheit. Alle Abgrenzungsschwüre der SPD dürfen als Firlefanz betrachtet werden – die heutigen Äußerungen des Vorsitzenden Kurt Beck inklusive. Wer zweifelt denn noch ernsthaft, dass sich 2009 ein Sozialdemokrat mit den Stimmen der Linken auch zum Bundeskanzler wählen ließe?

Ab sofort wird Wählen wieder spannend. Die verstopfte Mitte wird geräumt, die Lager werden befestigt, die Positionen hoffentlich klar und eindeutig wieder an den Polen ausgerichtet. Atomausstieg? Kindergeld? Gesundheitsfonds? Wer bietet welche Politik, zumal in Zeiten neuer wirtschaftlicher Unsicherheiten? Endlich ist Schluss mit dem Gezauder und Verantwortungsgeschiebe, endlich gibt es Klarheiten und echte Alternativen.

Jetzt muss sich der Wähler bekennen.