Er zählt zu den wohlhabendsten Berlinern. Details bleiben sein Geheimnis. Das „Manager Magazin“ schätzte das Vermögen vor einiger Zeit auf 600 Millionen Euro. Etwa so viel, wie auch die Familie Thurn und Taxis ihr Eigen nennt.

Da gibt es allerdings einen gravierenden Unterschied: Kurt Krieger hat seinen Wohlstand selbst erarbeitet. Er verkauft Möbel und rangiert nach dem schwedischen Primus Ikea mit seinen Häusern Höffner, Walther, Kraft und Krieger mittlerweile auf Rang zwei der deutschen Einrichtungshäuser. An diesem Dienstag feiert Berlins Möbelkönig seinen 65. Geburtstag.

Geboren in Schöneberg

Krieger ist ein waschechter Berliner. In Schöneberg geboren, hat er mit gerade mal 20 Jahren an der Weddinger Pankstraße sein erstes Möbelhaus eröffnet. Dabei hatte er zunächst mit Sofas, Betten und Schränken wenig im Sinn. Am liebsten wäre er Musiker geworden, hat Krieger einmal erzählt.

Aber ehrlicherweise gleich auch, dass es dafür leider nicht gereicht habe. „Immer wenn ich vorspielen musste, gingen die Nerven mit mir durch oder ich konnte den Takt nicht halten.“

Er fügte sich dem Schicksal, nachdem auch die Berufswünsche Pastor und Physiker geplatzt waren, und trat in die Fußstapfen der Eltern. Die führten das Möbelgeschäft Krieger an der Genthiner Straße in Tiergarten und wollten es dem Sohn 1967 vererben. Doch der wollte sich nicht ins gemachte Bett legen. Wenn schon Möbel, dann ein eigenes Geschäft.

Er schlug das Erbe aus, kaufte eine insolvente Schokoladenfabrik an der Pankstraße, dann für 25.000 Mark den Namen Höffner und eröffnete seinen ersten Möbelmarkt auf dem Schoko-Gelände.

Clever wie Krieger schon in jungen Jahren war, sollte der gekaufte Name sein Geschäft voranbringen. Höffner mit Stammsitz im Ostteil der Stadt war vor dem Krieg Berlins größtes Möbelhaus und wurde dann von den Kommunisten enteignet. Der Name aber blieb auch für viele West-Berliner ein Begriff. Doch dass aller Anfang schwer ist, musste auch Krieger erfahren. 1969 und 1974 stand er jeweils kurz vor der Pleite. Er lernte aus den Fehlern, studierte nebenbei an der Technischen Universität Betriebswirtschaft und hatte Möbel Höffner 1989 endlich soweit, dass die Firma erstmals florierte.

Ungebremster Expansionsdrang

Genau zur richtigen Zeit. Im wiedervereinigten Deutschland bot sich die große Chance zur Expansion. Heute ist Möbel Höffner mit Häusern unter anderem in Rostock, Magdeburg, Erfurt, Dresden, Chemnitz und Leipzig die größte Möbelkette in Ost-Deutschland. Nach einem weiteren Expansionsdrang gen Norden mit Möbelmärkten in Hamburg und Hannover will Krieger jetzt auch im Westen Fuß fassen. Dabei stehen vorerst Köln und Duisburg im Fokus.

Doch längst herrscht Krieger über ein Möbel-Imperium, das mehr Namen vereint als nur Höffner. Möbel Walther, groß in Hessen, gehört ebenso dazu wie Möbel Kraft, das Familienunternehmen aus Bad Segeberg, das er vor dem Untergang rettete, und natürlich das einzige Einrichtungshaus, das unter eigenem Namen firmiert: Möbel Krieger an der Genthiner Straße, dem Stammsitz der Möbeldynastie Krieger.

Den Ehrgeiz, Branchenführer Ikea zu überholen, hat Krieger aber offensichtlich nicht. „Ikea ist zu weit weg. Es liegen Welten zwischen Höffner und Ikea mit seinem weltweiten Geschäft“, sagt er. Die Zahlen belegen es. Die Schweden setzen rund 3,5 Milliarden Euro um, Krieger, der keine Zahlen veröffentlicht, geschätzte rund zwei Milliarden Euro. Zum Gewinn sagte Krieger kürzlich der Berliner Morgenpost: „Wir machen vielleicht zwei bis drei Prozent Profit, Ikea vielleicht 20 Prozent.“

Ans Aufhören denkt der 65-Jährige noch lange nicht. Er bestreitet, ein harter Verhandler zu sein. Doch ist das eher Koketterie und seinem Spaß am Understatement geschuldet als seinem Ruf in der Branche. Dabei unterscheidet ihn noch etwas anderes von vielen Wirtschaftslenkern. Kurt Krieger hat Geduld, sehr viel Geduld. In Hamburg etwa dauerte es 17 Jahre von der Planung bis zur Eröffnung seines ersten Einrichtungshauses. Einen vergleichbar langen Atem wird er für seine beiden nächsten Großprojekte in Berlin brauchen. Krieger handelt nicht nur mit Möbeln, er kauft und entwickelt Immobilien. Eine ziemlich aktuelle und dazu strittige ist die Brache des ehemaligen Rangierbahnhofs in Pankow.

Streit in Pankow

Mit dem Bauvorhaben „Pankower Tor“ zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf will er auf 40 Hektar für 350 Millionen Euro ein neues Stadtquartier verbauen: ein weiteres Möbelhaus, aber daneben auch ein großes Einkaufscenter, eine Schule, Sportflächen, Wohnungen, Parkplätze und einen Park. In diesem Fall sind es mal nicht die Bezirksverordneten, die das Projekt ablehnen, sondern die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Der Stadtentwicklungssenator befürchtet, dass durch das neue Einkaufszentrum die alten angestammten Zentren der Umgebung veröden.

Hier sind sein Verhandlungsgeschick und seine Zähigkeit ebenso gefragt wie beim zweiten großen Immobiliengeschäft. Das sind Kriegers Pläne für den ehemaligen Güterbahnhof Grunewald. Dort möchte er ebenfalls ein Möbelhaus bauen, angereichert – der besseren Lage wegen – mit einen Golfplatz. Diesmal sind es die Bezirksverordneten und Anwohner, die das Projekt verhindern wollen, lieber Wohnungen und Ruhe haben möchten als den Anliegerverkehr von Möbelkäufern.

Aber als Optimist und einer, der am Ende fast immer kriegt, was er sich vorgenommen hat, glaubt Krieger, die Eröffnung sowohl in Pankow als auch in Grunewald noch als aktiver Unternehmer zu erleben. „Ja, das glaube ich. Außerdem wird das Geschäft doch in erster Linie von meiner Tochter gemacht, und die ist erst 33 Jahre alt“, sagt Krieger. „Ich bin mehr eine Art Assistent der Geschäftsführung.“