Möbel Höffner

Berliner Unternehmer Krieger plädiert für Reichenabgabe

Der Eigentümer von Möbel Höffner spricht sich im Interview mit Morgenpost Online für eine Vermögensabgabe aus.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Kurt Krieger sitzt im Untergeschoss seines Möbel-Höffner-Stammhauses an der Pankstraße in Wedding. Hier hat er 1967 den ersten Markt eröffnet. „Wenig später war ich fast pleite“, sagt Krieger. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute ist Krieger einer der reichsten Berliner und auf dem deutschen Möbelhaus-Markt die Nummer zwei hinter Ikea. In Berlin plant er zwei große Immobilienprojekte. Krieger hat für einen Unternehmer seiner Gewichtsklasse durchaus ungewöhnliche Ansichten. Hans Evert sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost: Herr Krieger, wir sitzen in Ihrem umgebauten Stammhaus. Warum die Geldausgabe? Eigentlich wollten Sie es doch zugunsten neuer Märkte in Pankow oder Grunewald schließen?

Kurt Krieger: Ich habe schon befürchtet, dass diese Frage kommt. Im Einzelhandel müssen Sie langfristig planen. Das Haus hier ist 42 Jahre alt. Es war mal an der Zeit, etwas zu tun. Man muss sich um seine Immobilien kümmern – ganz unabhängig davon, wie sich irgendwelche neuen Projekte entwickeln.

Trotzdem bleibt die Frage nach Ihren neuen Standorten. Wann ist es denn soweit in Pankow und Grunewald?

Die Entwicklung des Güterbahnhofs Grunewald braucht sicherlich noch Zeit. Und zum Pankower Tor kann ich aktuell wenig sagen.

Das ist aber ungewöhnlich für Sie.

Es gibt einen Vertrag zwischen dem Land, dem Bezirk und mir. Der sieht vor: Ungefähr bis Weihnachten läuft das Werkstattverfahren, bei dem alle Beteiligten auf Veranstaltungen gehört werden. So lange verlangen Senat und Bezirk von mir, sich jeglichen Kommentars zu enthalten. Die wussten schon, warum sie das machen. Nächstes Jahr hoffe ich, dass Senat, Bezirk und wir dann ein Ergebnis präsentieren können.

Sie haben in ganz Deutschland Großprojekte, hadern oft mit Behörden. Mutmaßlich sind Sie kein Freund des Planungsrechts?

Es kommt immer auf den Erwartungshorizont an. Wenn Sie meinen, in drei Jahren fertig zu sein, dann ist es furchtbar. Gehen Sie – so wie ich – von vornherein von fünf bis zehn Jahren aus, dann klappt es ganz gut. Allerdings ob das Planungsrecht nun für den Bau neuer Stromtrassen geeignet ist, bezweifle ich. Aber für den Einzelhandel passt das schon. In Hamburg haben wir für einen Möbelmarkt ein Biotop verlagert. In Nürnberg bauen wir für 30 Millionen Euro den Autobahnanschluss zu unserem Markt. Wenn Sie als Unternehmer etwas wollen, fragen die Gemeinde oder Stadt immer nach einem Nutzungszugewinn. Irgendwie klappt das dann.

Sie sind jetzt 64 Jahre alt. Glauben Sie, Sie erleben die Eröffnung in Pankow und Grunewald noch als aktiver Unternehmer?

Doch, doch, da bin ich optimistisch. Außerdem wird das Geschäft doch in erster Linie von meiner Tochter gemacht, und die ist erst 33. Ich bin mehr eine Art Assistent der Geschäftsführung.

Nun ja, Sie sind Eigentümer von Höffner und Besitzer der zahlreichen Immobilien.

Ja, das stimmt schon. Aber das ist mehr Verpflichtung. Wir entnehmen höchstens ein Prozent im Jahr aus dem Unternehmen. Handel ist ein verdammt hartes Geschäft. Karstadt, Quelle, Schlecker, Woolworth: Überlegen Sie mal, wer in den vergangenen Jahren und Monaten alles Pleite gegangen ist. Man muss als Einzelhändler schon sehr hinter her sein und die Schotten dicht machen. Sonst funktioniert das nicht, vor allem, wenn man in Deutschland seine Steuern zahlt.

Herr Krieger, jetzt bitte nicht das Klagelied über die hohe Steuerbelastung.

Keine Angst, das werden Sie von mir nicht hören. So bin ich nicht gestrickt. Erst unlängst traf ich Finanzminister zweier Bundesländer. Ich habe sie gefragt: ‚Na, habt Ihr mal geguckt ob mein Name auf den Steuer-CDs drauf ist?’. ‚Ja’ sagten die, ‚wir haben geguckt aber sie sind nicht dabei.’ Ich zahle hier in Deutschland meine Steuer. Aber ich erlaube mir den Hinweis, dass unser lieber Konkurrent Ikea in Holland pauschal nur acht Prozent Steuern entrichtet. Das ist für uns ein Wettbewerbsnachteil. Mir ist schon klar: Wer soll denn die Steuern zahlen, wenn nicht deutsche Unternehmer? Und wenn es zur Sanierung der öffentlichen Haushalte etwas mehr sein sollte, dann bin ich auch dabei.

Sie würden mehr Steuern zahlen, damit der Staatshaushalt in Ordnung kommt?

Natürlich, so wie wir alle in Deutschland für die Einheit mit dem Soli belastet werden. Wenn für die Sanierung der Haushalte eine weitere Abgabe erforderlich ist – warum nicht? Wir haben eine Situation, in der man Schulter an Schulter stehen muss. Und da müssen die, die mehr haben, auch mehr in den Topf geben. So einfach ist das.

Was schwebt Ihnen vor? So eine Art Lastenausgleich wie nach dem Krieg, eine einmalige Abgabe verteilt auf mehrere Jahre?

So etwas wäre denkbar. Ein Beitrag, verteilt auf drei Jahre. Was nicht geht, ist eine Vermögenssteuer. Das führt nur zu Kapitalflucht. Kapital müssen Sie im Land halten, das dürfen Sie nicht verjagen. Aber wenn es um Solidarität geht, müssen alle zusammenstehen.

Unter Wohlhabenden ist Ihre Ansicht mutmaßlich nicht populär.

Ich bin im Wedding zur Schule gegangen und habe dort Abitur gemacht. Das legen Sie nicht einfach ab, auch wenn Sie später als Unternehmer zu Wohlstand gelangen. Eine Bundesregierung sollte zwei Sachen im Kopf haben: Erstens: Die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und Unternehmern muss auf Dauer erhalten werden. Gleichzeitig sollten all diejenigen, die wohlhabend sind, ermutigt werden, Solidarität zu zeigen. Das würde auch jene ermuntern, die nichts oder wenig haben. Die würden sehen: ‚Aha, es sind nicht nur wir, die Opfer bringen müssen.’

Was halten Sie denn von Leuten, die ihr Geld außer Landes, etwa in die Schweiz schaffen, um dem Fiskus zu entgehen?

Der Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum hat gesagt, wir müssten dieses Geld rankriegen. Also dafür würde ich glatt auf die Barrikaden steigen, mit der großen Fahne vorne weg. Im Ernst: Man geht doch von 340 Milliarden Euro deutschem Schwarzgeld in der Schweiz aus. Da können Sie sich vorstellen, dass all diejenigen, die in Deutschland ihre Steuern zahlen, das nicht so toll finden.

Wie viel Steuern haben Sie denn vergangenes Jahr gezahlt?

Das ist ein Geheimnis, das sage ich Ihnen nicht. Aber es ist eine ganze Menge, ein zweistelliger Millionenbetrag. Ich zahle das voller Überzeugung. Steuern sind nicht zum Sparen da.

Angesichts ehrgeiziger Pläne wird Ihre Möbelgruppe wohl ein noch größerer Steuerzahler. Wollen Sie wirklich Ikea überholen?

Nein, das habe ich auch nie gesagt. Das ist mir mal von einem Journalisten in den Mund gelegt worden. Ikea ist zu weit weg. Wenn man nur den Gewinn sieht: Wir machen vielleicht zwei bis drei Prozent Profit, Ikea vielleicht 20 Prozent. Wir sind zwar in Deutschland die Nummer zwei. Aber es liegen Welten zwischen Höffner und Ikea mit seinem weltweiten Geschäft.

Sie wollen neue Märkte eröffnen, Ikea will es und die Lutz-Gruppe auch. Aber Deutschland mangelt es schon jetzt nicht an Möbelmärkten. Wer soll in all diesen neuen Häusern einkaufen?

Sehen Sie mal in andere Einzelhandelssegmente: Bei Baumärkten gibt es noch fünf oder sechs relevante Anbieter, bei Drogeriemärkten nach der Schleckerpleite noch drei. Ein ähnlicher Prozess läuft auch bei Möbelhäusern. Es findet eine Marktauslese statt und unser Ziel ist ganz einfach: Wir wollen zu den letzten gehören, die am Ende übrig bleiben.

Wollen Sie dafür weitere Firmen kaufen?

Meist wird diese Frage von anderen an uns herangetragen. Wir gehen nicht aktiv auf Konkurrenten zu. Vorstellbar ist es grundsätzlich. Aber es ist auch immer eine Kärrnerarbeit. Meist bedeutet es eine äußerst harte Sanierung – und das macht wirklich keinen Spaß.

Den Möbelhandel hat das Internet ja noch nicht aufgemischt, andere Branchen schon. Höffner agiert im Netz sehr konservativ. Keine Angst, dass sich das rächen könnte?

Wir hatten eine Firma namens Ikarus für das Onlinegeschäft. Die trug ihren Namen zu recht (lacht). Dem Geschäftsführer haben wir noch Geld gegeben und ihn dann ziehen lassen. Das Problem ist doch grundsätzlicher Natur: Eine neue Küche, die planen Sie und da informieren Sie sich ganz genau, gucken sich die Teile an. Das ist zu komplex für das Internet.

Aber ein neues Sofa? Farbe, Material, Maße – und dann per Klick gekauft.

Klingt einleuchtend, ist trotzdem falsch. Sie wollen doch wenigstens einmal mit Ihrem Hintern probe sitzen. Dieses Gefühl kriegen Sie nicht über das Internet. So ist das mit vielen Möbeln, vor allem mit planungsintensivem Kram. Außerdem vergessen Sie nicht: Für viele Leute ist heute Einkaufen ein Erlebnis, anders als früher, wo es um reine Bedürfnisbefriedigung ging. Die einen wollen in beschaulichen Läden wandeln, für die anderen muss es groß sein und krachen. Beides müssen Einkaufsgebiete in den Städten bieten. Andererseits: Ich kann natürlich nicht in die Zukunft gucken. Aber so sehe ich es derzeit.

Wenn Deutschlands Bevölkerung schrumpft: Woher sollen künftig Kunden kommen?

Es ist ganz simpel: Natürlich gehen viele Geschäfte, die man kennt, Pleite. Und wir versuchen uns so aufzustellen, dass es Höffi nicht erwischt. Wir hoffen, wie gesagt, zu den Letzten zu gehören. Bei den Möbelhändlern ist sicherlich nur Ikea gesetzt. Der Rest, auch wir, muss sich anstrengen.

Wie lange wollen Sie noch mitmischen. Sie werden ja bald 65?

20 Jahre wären schon schön. Geführt werden die Geschäfte von meiner Tochter Sonja. Aber wir vertragen uns gut. Für mich ist es ein Glücksfall, dass es mit der Nachfolge so gut geklappt hat. Meine Tochter und ich sind ein Dreamteam.

Wenn Sie noch 20 Jahre arbeiten wollen, könnten Sie auch noch den Jüngsten ins Unternehmen einführen.

Klar, möglich wäre das. Ich habe ja quasi in zweiter Ehe meinen eigenen Enkel gezeugt (lacht). Mein Sohn ist jetzt zehn Jahre alt. Mal sehen, wie sich alles entwickelt.