Das bekannte Schloss Petzow in Werder an der Havel im Land Brandenburg ist verkauft. Neuer Eigentümer sind zwei Potsdamer Immobilienentwickler: die G+G Bauträger GmbH will das denkmalgeschützte, lange ungenutzte Anwesen sanieren. Wie deren Geschäftsführer Alexander Gottschald der Berliner Morgenpost bestätigte, sollen in dem seit Jahren leer stehenden Herrenhaus für fünf Millionen Euro bis zu rund 30 hochwertige Eigentumswohnungen entstehen.
„Wir sind mit der Denkmalpflege in enger Abstimmung“, so Gottschald. Man sei erst am Anfang der Planungen. Fest stehe: „Das Äußere wird originalgetreu restauriert.“ Mit seinem Geschäftspartner und bauleitenden Architekten Michael Gartemann hat er das sanierungsbedürftige Anwesen am Schwielowsee von der Schloss Petzow Betriebs- und Besitz GmbH nun erworben. Das marode Herrenhaus gehörte zum Imperium von Axel Hilpert.
Vorbesitzer Hilpert wegen Steuerhinterziehung verurteilt
Der schillernde Hotelier war im Juni 2012 vom Landgericht Potsdam wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung zu fünf Jahren Haft und acht Monaten verurteilt worden. Er hat dagegen Revision eingelegt und befindet sich seit dem Urteil nach mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft auf freiem Fuß. Nach einem Prozess mit 31 Zeugen und 309 Urkunden zur Beweisaufnahme war die 4. Große Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Andreas Dielitz zu der Überzeugung gelangt, dass Axel Hilpert die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) beim Bau seines Luxusresorts am Schwielowsee jahrelang getäuscht und dadurch zu Unrecht die 9,2 Millionen Euro Fördermittel für den Bau der Hotelanlage kassiert hat.
Das Gericht kam zur Überzeugung, dass Hilpert die Baukosten von 24 Millionen Euro für das Resort künstlich auf 38 Millionen Euro in die Höhe getrieben und damit die öffentliche Förderung von fast zehn Millionen Euro erschlichen hat. Mitgesellschafter ist auch der Medienmanager Hans-Hermann Tiedje. Die Staatsanwaltschaft ermittelte jedoch nicht gegen Tiedje. Er ist auch als Gesellschafter an der Schloss Petzow Betriebs- und Besitz GmbH beteiligt.
Zehntausende Euro an Fördermitteln für Schloss Petzow
Die Landesinvestitionsbank ILB fordert von der Betreiberfirma des Luxusresorts am Schwielowsee nun die komplette Fördersumme von 9,2 Millionen Euro zurück, wogegen Hilperts Anwälte wohl Widerspruch einlegen werden. Sie wiesen die Betrugsvorwürfe zurück und hatten auf Freispruch in dem Verfahren plädiert. Auch für das Schloss Petzow waren öffentliche Fördermittel von mehreren zehntausend Euro geflossen. Ob sie nach dem Verkauf zurückgezahlt werden müssen, ist offen. Der erzielte Kaufpreis für das sanierungsbedürftige Schloss Petzow soll nach Informationen der Berliner Morgenpost rund zwei Millionen Euro betragen haben. Bei Immobilienscout war das Schloss mit 2,3 Millionen Euro angeboten worden.
Der neue Eigentümer, die Firma G+G Bauträgergesellschaft, ist spezialisiert auf die Sanierung von Denkmälern in Potsdams Innenstadt, vor allem in der Yorck- und Wilhelm-Staab-Straße. Der Kaufvertrag ist vor einigen Tagen unterschrieben worden, doch war die Zustimmung von Hilperts Hausbank, die DKB, erforderlich. Die bisherigen Besitzer wollten das Herrenhaus ursprünglich zu einem Luxushotel umbauen. Jahrelang hatten sich Hilpert und Tiedje darum bemüht, doch der Plan scheiterte an der Finanzierung. Axel Hilpert hatte das Anwesen von einem bayerischen Investor gekauft. Auch dieser hatte seine Pläne für das Herrenhaus nicht verwirklichen können.
Bunter Mix von maurischem Kastell- und englischem Tudorstil
Der Schinkelbau wird seit Jahren nicht mehr genutzt. Erbauen ließ das Herrenhaus die Familie von Kaehne. Der Gutsbesitzer und Amtsrat Friedrich August Kaehne war seinerzeit der wohlhabendste Mann Petzows. Er ließ 1825 nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel ein repräsentatives Herrenhaus errichten – ein pittoreskes Bauwerk in einem bunten Mix von maurischem Kastell- und englischem Tudorstil. Nach der Enteignung 1946 war das Haus den DDR-Gewerkschaften übergeben worden. Sie nutzten es als Schulungs- und Erholungsheim. Nach 1990 wurde Petzow bis 2003 als Hotel und Restaurant genutzt. Das Haus war schließlich in den vergangenen Jahren nur noch für Filmaufnahmen genutzt worden. Das ZDF drehte dort 2004/2005 die Serie „Bianca – Wege zum Glück“. Auch als Altenheim diente das Schloss in der ZDF-Komödie „Lotta und die großen Erwartungen“. 2011 war der 15 Hektar große Schlosspark Kulisse für den deutschen Märchenfilm Jorinde und Joringel von Bodo Fürneisen.
Den Park hatte 1838 Peter Joseph Lenné gestaltet. Seit dem Jahr 2001 steht auf einer Anhöhe wieder der kurz nach Kriegsende verscharrte Obelisk. Er war 1837 zum 200. Jubiläum der Ankunft der aus Böhmen geflohenen Familie von Kaehne errichtet worden. Im Dorf erzählt man sich, der Obelisk sei damals vergraben worden, um angesichts der einrückenden Rotarmisten Spuren der „Junker“-Familie zu beseitigen. Ganz in der Nähe liegt die Gruft der einstigen Gutsherren.
Historischer Teil der Schlossanlage unter Denkmalschutz
Der historische Teil der heute vorhandenen Schlossanlage steht unter Denkmalschutz. Ein bestehender Seitenflügel wurde zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt. „Das gesamte Anwesen weist umfangreiche Entwicklungsmöglichkeiten auf“, heißt es in einem Exposé, mit dem das Schloss zuletzt im Internet angepriesen worden war. Dies beziehe auch die Möglichkeit der Errichtung von Neubauten ein.
Zwar wird Schloss Petzow – wie von der Stadt Werder und dem Ortsbeirat Petzow lange erhofft – nicht öffentlich zugänglich sein. Der von Peter Joseph Lenné gestaltete Schlosspark allerdings schon. Er gehört der Stadt Werder. Im einstigen Schlossgarten soll aber ein öffentlicher Obst- und Ziergarten entstehen, der sich teilweise am historischen Vorbild orientiert. Auch ein Garten-Café ist geplant.



