An manchen Tagen zweifelt sie noch. Hält alles für ein Missverständnis, das sich irgendwann aufklären wird.
Franziska Müller ist ein international gefragtes Model. Innerhalb eines Jahres nur wurde die 20 Jahre alte Berlinerin in Paris, New York und Mailand gebucht. Sie präsentierte Kreationen von Prada, Yves Saint Laurent und Calvin Klein, in der „Vogue“ zierte sie eine Modestrecke. Und keiner ist darüber mehr verwundert als sie selbst.
Schließlich träumte sie nicht von einer Karriere in jener Welt, die für viele Mädchen so reizvoll erscheint. Sie hat sich nie vor einer Kamera posierend gesehen. Trotz der vielen Angebote, die ihr bereits seit mehreren Jahren immer wieder gemacht wurden.
Fotografen steckten ihr auf der Straße Visitenkarten zu, Agenturbetreiber fragten nach Probeaufnahmen. Sogar Eltern und Freunde drängten sie. „Probiere es halt einfach mal“, hieß es von allen Seiten. Nur – Franziska Müller mochte nicht.
„Ich habe mich nicht getraut“, sagt sie heute. Sie fand sich zu dünn, zu markant. Zu unfotogen. Erst nach dem Abitur im vergangenen Jahr wagte sie dann einen Anlauf. Drei Bilder schickte sie an die Berliner Agentur Seeds Management. Inhaber Pascal Kluttig zögerte keine Sekunde. Sie bringe alles mit, sagte er.
Ein Urteil, dem sich andere anschlossen. Die renommierte Modelagentur „IMG“ wurde auf die Neuentdeckung aufmerksam. Große Namen wie Model Gisele Bündchen sind dort unter Vertrag. Und daneben nun Franzi Mueller, wie sie sich dort nennt. Die New Yorker Fashion Week im Februar machte sie schließlich in der Branche bekannt – Calvin Klein ließ sie seine Show eröffnen. Ein Ritterschlag.
Es folgt eine stressige Zeit mit wenig Schlaf und unzähligen Castings. Die Welt der Mode ist schnell getaktet, Franziska Müller weiß, wie wertvoll jeder neue Auftrag ist. Aber auch, dass es eben nur ein Job ist. Bodenhaftung, sagt sie, sei wichtig, sonst drohe man sich zu verlieren – irgendwo zwischen Laufsteg und Luxus. Bald stehen die Modewochen des Sommers an, Franziska Müller möchte an ihre erfolgreiche Saison anknüpfen. Falls es nicht klappt? Sie lächelt. Dann ist es eben doch eines gewesen – ein Missverständnis.









