Der Kamin bleibt aus, und die molligen Roten ruhen bis zum nächsten Winter im Keller. Die leichten spritzigen Sommerweine dagegen harren noch im Weinkühlschrank auf ihren Einsatz in lauen Sommernächten. Weinmäßig ist der Frühling weder Fisch noch Fleisch, macht es einem wahrlich nicht immer leicht. Zumal die Frühlingsküche mit ihren frischen Kräutern und Wildsalaten, mit Bärlauch und Chicorée, mit Rhabarber und Erdbeeren einige echte Geschmacksklippen bereit hält.
Zu dieser Jahreszeit sind Weine mit genügend Power gefragt, die mit der Aromenvielfalt der Frühjahrsküche mithalten können und zugleich den Winterblues vertreiben. „Die Weißweine sollten jetzt nicht zu leicht und eher etwas körperreich mit floralen Noten sein“, erläutert Guido Hube, Sommelier und Weinhändler. Hube empfiehlt etwa „The Ned“ (12,90 €, Jaques’ Wein-Depot, Hardenbergstr. 20, Charlottenburg): Ein eleganter Sauvignon Blanc aus Neuseeland, der, so der Sommelier, „ein Hammer zu Bärlauch“ sei. Mit den intensiven Stachelbeer-, Limonen- und Passionsfrucht-Aromen und der grünen grasigen Note kann er aber auch gut zu hellen Fleisch- sowie Fischgerichten genossen werden.
Spanischer Verdejo mit viel Frucht und Frische
Spaniens Antwort auf den neuseeländischen Sauvignon Blanc ist der Verdejo. Gute Vertreter aus dem Anbaugebiet Rueda wie etwa der 2013er 100% Verdejo Blanco der Bodego Sanz (9 €, Rioja-Weinspezialist, Akazienstr. 13, Schöneberg), den Rioja-Spezialist Nicolas Papadopoulos empfiehlt, gefallen mit viel Frucht und Frische. Der sortenreine, vollmundige Sanz ist ein intensiv-duftiger Weißwein mit Aromen von Jasmin und Akazienhonig, floralen und Grapefruitnoten sowie feinen mineralischen Akzenten. „Dieser Tropfen kann vor Kraft kaum laufen und passt ausgezeichnet zu österlichen Fisch- und Meeresfrüchte-Gerichten“, erklärt Papadopoulos. Sollte dennoch an den Feiertagen ein Lamm oder gar ein falscher Hase auf den Tisch kommen, kann man zu einem schlanken, eleganten Pinot Noir aus dem Burgund oder den kühleren Regionen der Neuen Welt greifen.
Scheurebe und Gewürztraminer
Auch dem Spargel ist der spanische Verdejo ein guter Begleiter. Doch nicht jeder Weinfreund experimentiert gern. „Zum Spargel habe ich Lust auf Sauce Hollandaise und dazu passt Silvaner, Silvaner, Silvaner“, gibt Guido Hube ein Glaubensbekenntnis ab. Doch der Silvaner ist nicht der einzig starke deutsche Frühlingswein. „Die eher unbekannte Scheurebe bringt wunderbar aromatische Weine für das Frühjahr hervor, und auch der Gewürztraminer passt hervorragend in die Jahreszeit“, weiß der Weinhändler. Gerade der Gewürztraminer mit seiner charakteristischen Rosennase feiert derzeit ein zaghaftes Comeback.
Bis vor wenigen Jahren wurde der Gewürztraminer in den Weinbergen noch gern herausgerissen und durch international modernere Rebsorten ersetzt. Dabei bringt die Traube, die ihren Namen vom Südtiroler Ort Tramin erhalten hat, weiche, volle Weine mit wenig Säure hervor, die solo funktionieren, aber auch als kraftvolle Speisebegleiter – und die gern auch ein paar Gramm Restsüße und einige Umdrehungen mehr haben dürfen. Denn noch verlangen die kühleren Frühjahrstemperaturen nicht unbedingt nach alkoholarmen Tropfen.



