Zu den wenigen Lebensmitteln, die eine eigene Ecke in meinem Kühlschrank haben, gehört schon Frischkäse. Einfach auf ein dunkles Brot gestrichen und mit ein paar Tomatenscheiben und Zwiebelringen belegt, hat man eine sehr schmackhafte kleine Mahlzeit. Auch die Variante mit geräucherter Forelle und Schnittlauchröllchen ist sehr lecker und gehört seit Jahren zu meinen Favoriten. Frischkäse gibt es im Supermarkt in vielen Kräuter-Varianten, mit Meerrettich- und Chili-Geschmack und seit neuestem auch mit Schokolade.

Mein Ehrgeiz, mich selbst an die Zubereitung des Massenprodukts zu machen, wurde geweckt, als eine Erzieherin erzählte, dass sie häufig mit ihrer Kindergartengruppe Frischkäse selbst hergestellt hatte. Die Produktion musste also sprichwörtlich kinderleicht sein. Das versicherte mir auch eine befreundete Köchin.

Der erste Versuch ging schief

Alles, was man braucht, hatte ich bereits zu Hause: Einen großen Topf, Milch, Zitronensaft und ein Küchenhandtuch. Also legte ich los: Ich ließ die Milch ein wenig vor sich hin blubbern und fügte Zitronensaft hinzu, was dazu führte, dass die weiße Flüssigkeit sich schlagartig in gräuliche Molke verwandelte, in der weiße Flöckchen schwammen. So weit lief alles nach Plan. Ich schüttete die Masse in ein Sieb, in dem bereits das Handtuch lag. Nun sollte die Masse nur noch abtropfen und auskühlen. Um es kurz zu machen: Mein erster Frischkäse war eine schwabbelige, körnige Masse. Später erfuhr ich, dass ich wohl zu schnell gerührt hatte und der Käse deshalb nicht fest werden konnte. Beim zweiten Versuch wurde es besser, beim dritten noch besser.

Zu Kartoffeln schmeckte mir mein selbst gemachter Käse großartig, als Brotaufstrich war er mir zu säuerlich und zu weich. Das Geheimnis liegt im Fettgehalt. Die Sorten im Supermarkt sind doppelte Rahmstufe, zu Hause bekommt man nur die einfache Rahmstufe hin. Die Fertigsorten mit niedrigem Fettgehalt stecken voller Bindemittel und Aromastoffe. Will man den selbstgemachten Frischkäse fester haben, kann man Gelatine hinzugeben.

Hilfsmittel Sieb

Mittlerweile habe ich mich an den herberen Geschmack meines Eigenproduktes gewöhnt. Das Hantieren mit Handtüchern und Sieb macht Kindern sicherlich viel Spaß, mir wurde es schnell lästig. Deshalb habe ich mir einen „Frischkäsezubereiter“ zugelegt (von Cuisipro, 22 Euro). In dem speziellen, W-förmigen Sieb kann die Masse langsam abtropfen, während ich Kartoffeln koche und Kräuter schnipple. Als Dessert gibt es den Frischkäse verrührt mit pürierten Erdbeeren, Erdbeerstückchen und etwas Puderzucker. Oder man kann Teigstreifen einmal mit Lachs, einmal mit Frischkäse bestreichen, aufrollen und mit Schnittlauch, Beeren und Paprika daraus eine hinreißende, kleine Raupe basteln...