Man könnte meinen, der Verantwortliche für die Mercedes Benz Fashion Week Berlin müsste ein absoluter Trendsetter und Modefreak sein. Und dann trifft man auf den Australier Jarrad Clark zum Interview in der Sponsoren Lounge des Erika-Heß-Stadions in Wedding und er trägt ein schlichtes Hemd, dunkle Jeans - und ein zurückhaltendes Lächeln. Unauffällig und gar nicht so, wie man sich einen Manager im Modebusiness vorstellt.

Seit 22 Jahren ist der Manager, der die Titel Global Creative Director und Vice President beim IMG trägt, im internationalen Modebusiness unterwegs. Angefangen hat der Australier als so genannter Dresser, war also bei den Modenschauen verantwortlich für den Ablauf hinter den Kulissen.

„Ich liebe Berlin und freue mich jedes mal wieder herzukommen - in diese wunderbar kreative Stadt“, sagt der 42-Jährige und lächelt. „Manchmal fühlt es sich wie ein zweites Zuhause an, wenn ich in der heißen Phase vor den Veranstaltungen nach Berlin komme.“

Rund drei Monate pro Jahr verbringt er mittlerweile in der deutschen Hauptstadt - und das schon seit 2007. Nachdem 2006 die Mercedes Benz Fashion Week zum ersten Mal in Berlin stattgefunden hatte, übernahm er ein Jahr später die kreative Leitung - damals noch mit elf Designern im Programm. Und obwohl die Bedeutung der Veranstaltung in Berlin seitdem massiv gewachsen ist, möchte Clark sie nicht mit anderen Modewochen, zum Beispiel in Paris, London oder New York, nicht vergleichen. „Jede Stadt, jeder Ort hat seinen eigenen Charakter“, so Clark. „Zahlreiche Talente, national und international, sind durch die Fashionweek in Berlin international beachtet worden - darauf sind wir stolz.“

„Kleines Fashion-Dorf“ Eissporthalle

Und genau deshalb, weil Berlin seinen eigenen Charakter besitze, möchte er die negative Bewertung des neuen Standortes im Wedding nicht gelten lassen. „Berlin ist eine Stadt des Wandels, und wir sind hier in einem Stadtteil, der sich auch stetig verändert“, erklärt Jarrad Clark überzeugt. „Und deshalb ist es vollkommen in Ordnung, auch mal umzuziehen. Vielleicht bedarf es auch nur mal einen Blick von außen, denn man ist extrem schnell in Mitte und gut angebunden. Dieser Ort ist der Veranstaltung genau so angemessen, wie der alte Standort am Brandenburger Tor.“

Das neue Areal um die Eissporthalle beschreibt Clark als ein „kleines Fashion-Dorf“, in dem man sich die Woche über wohlfühlen kann. Er selbst bemühe sich, so viele Shows wie möglich anzuschauen - und war bislang besonders von der Kollektion des Berliners Kilian Kerner begeistert. „Er macht schon sehr abgefahrene Designs, aber das gehört dazu“, sagt Clark. „Einige Sachen kann ich mir sehr gut an mir vorstellen. Aber nicht ein komplettes Outfit, dazu bin ich zu alt.“ In seinem Kleiderschrank befänden sich nicht nur Kleidungsstücke aus den neusten Kollektionen, sondern er sei durchaus auch ein Freund des Schlussverkaufs, gibt er zu. „Ich muss nicht mehr jedem Trend hinterher laufen.“