Berliner Morgenpost: Frau Klenner, ihre wievielte Fashion Week war das dieses Jahr?
Cosima Klenner: Ich bin schon im Geschäft, seit ich 13 bin. Und da ich bald 19 werde, ist das dieses Jahr meine sechste Fashion Week in Berlin.
Sechs Jahre. Da haben Sie schon viel von der Fashion Week gesehen, viele Aufträge für verschiedene Label gehabt. Welche Art von Einsätzen hatten Sie dieses Jahr?
Dieses Jahr habe ich auf der Bread & Butter gearbeitet und habe mir selber die Shows auf der Fashion Week nur angeguckt. Ich finde das selber mal ganz spannend, sich die anderen Mädchen anzuschauen, was wird nächstes Jahr Trend sein und was vielleicht lieber auch nicht. Und ein bisschen lästern, ja das macht schon Spaß (lacht).
Was haben Sie bei der Bread & Butter gemacht?
Da habe ich für eine kleine Firma gemodelt, die aus London kommt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich mag die Bread & Butter sehr gerne. Den Fashion-Week-Trubel mit dem Catwalk konnte ich die letzten zwei Jahre nicht mehr miterleben, da ich nicht mehr so super skinny bin. Aber auf der Bread & Butter werden halt immer noch Mädchen gesucht, die gesund und natürlich aussehen und deshalb war ich dort dieses Jahr im Einsatz.
Wie halten Sie sich denn topfit?
Ich halte mich topfit, indem ich fünf bis sechs mal die Woche ins Gym gehe. Ich schaffe das gar nicht, weniger zu gehen, weil ich früher auf einer Sportschule war und sehr viel Sport gemacht, immer hart am Limit trainiert habe. Jetzt ist fünf, sechsmal die Woche sehr entspannt. Deswegen bin ich auch jetzt noch sehr sportlich und muskulös.
Von einer Leistungssportlerin zum Model. Wie sind Sie zum Modeln gekommen? Gibt es dazu eine Geschichte?
Ja, dazu gibt es eine ganz süße Geschichte. Meine Freundin war schon Model, ein sehr sehr hübsches Mädchen. Und die hat mich dann mit zu einem Casting genommen. Ich wollte sie eigentlich nur begleiten, weil wir danach zusammen wegfahren wollten. Ich saß dann da und dann wurde ich gefragt, ob ich nicht auch Fotos machen will. Da meinte ich dann, warum nicht. Letztendlich habe ich dann den Job für den Otto-Katalog bekommen und das Mädchen, mit dem ich das Fotoshooting hatte, hat mich dann mit zu ihrer Agentur genommen und so hat das Ganze dann seinen Lauf genommen.
Viele Mädchen haben den Traum, über eine Castingshow Model zu werden. Wie beurteilen Sie eine Sendung wie „Germany’s Next Topmodel“? Wie realistisch ist es für ein junges, aufstrebendes Model, das gerade auf der Fashion Week gelaufen ist, wirklich ganz nach oben zu kommen?
Ich denke, Germany’s Next Topmodel bringt nicht wirklich etwas. Das ist sicherlich eine gute Möglichkeit, sich einen Namen zu machen, aufzufallen wie zum Beispiel Micaela Schäfer oder Gina-Lisa. Aber das sind ja nun auch eher negativ behaftete Beispiele, denn die sind ja in die Erotikbranche gegangen (lacht). Aber ansonsten bleiben die Mädchen einem nicht gerade im Kopf. Lena Gercke hat es geschafft als Model, aber ich denke, dass Germany’s Next Topmodel nicht wirklich ein Sprungbrett ins Model-Business ist - sondern eher eine Gefahr, in Verruf zu geraten.
Und beim Modeln generell - Was ist Ihr Antrieb, warum machen Sie weiter? Oder wollen Sie überhaupt weitermachen?
Also, ich bin ja jetzt quasi schon eine Model-Mutti mit fast 19 Jahren und auch schon sehr lange mit dabei. Deshalb sehe ich das alles auch schon sehr realistisch, da es für mich seit zwei Jahren eher lau läuft. Ich bin nicht dick (lacht), aber sehr sportlich und mache jetzt nicht mehr so viel. Trotzdem ist natürlich der Reiz da, schnell gutes Geld zu verdienen. Aber auch fotografiert zu werden, geschminkt zu werden und gut angezogen zu werden für Fotoshootings macht Spaß. Catwalk mache ich jetzt nicht mehr, aber das war schon immer ein Kick, wenn man dann rausgegangen ist und die Leute einen betrachten, bewundern oder auch lästern (lacht). Aber es macht schon Spaß, Model zu sein. Ich würde es auch gerne weiter machen und bin auf der Suche nach einer neuen Agentur.
Sie haben ja gerade erwähnt, dass Sie bald 19 werden. Also haben Sie dieses Jahr Ihr Abitur gemacht und neben der Schule gemodelt. Modeln und Schule, bekommt man das unter einen Hut?
(lacht) Ja, das kriegt man unter einen Hut. Viele Fotoshootings finden ja auch am Wochenende statt oder in den Ferien. Es waren wirklich nur absolute Notfälle, wenn ich mich dann in der Schule krankgemeldet habe. Ich habe dann mit meinen Lehrern gesprochen, ihnen gesagt, dass ein großer Job ansteht und ob ich da nicht möglicherweise frei bekommen könnte.
Die Fotoshootings werden ja über Ihre Agentur organisiert. Ist es denn schwierig, in eine Agentur zu kommen? Was mussten Sie machen, um in der Kartei zu landen?
In eine Kartei reinzukommen ist in Berlin mittlerweile gar nicht mehr schwierig. Es gibt ja Tausende Model-, Hostess- und Promoagenturen. Ich habe quasi das Gefühl, dass selbst die Nachbarin meiner Oma auch noch Model sein könnte, weil es für jede Sparte jetzt eine Agentur gibt. Ich denke, da muss man wirklich aufpassen, in welche Art von Agentur man dann geht. Und was muss man dafür machen? Sich bei der Agentur vorstellen, die gewissen Maße und Voraussetzungen mitbringen. Ich weiß gar nicht mehr, was jetzt die Voraussetzungen sind außer verdammt dünn sein. Man braucht halt ein Charaktergesicht, man muss seine Stärken hervorheben können. Nicht nur auf Fotos gut aussehen, sondern sich auch in Videos präsentieren können ist wichtig. Von daher denke ich: gewisse Maße mitbringen und locker-luftig durch das Leben gehen (lacht).
Was ist charakteristisch für Berliner Mode? Was sagen Sie zur Berliner Mode-Szene?
Berlin ist für mich ziemlich urban, sehr weltbürgerlich. Es sind so viele Nationalitäten hier, es ist so offen. Man findet hier alles, weil aus ganz Deutschland Menschen und Dinge zusammenkommen. München ist eher schick, so wie Düsseldorf und Köln, Hamburg ist schön, wegen der Alster und dem ganzen Wasser. Und in Berlin kommt dann irgendwie alles zusammen. Hier kann man an der Spree auch am Wasser sitzen. Am Kudamm fühlt man sich ein wenig wie in München. Und im Prenzlauer Berg kriegt man viele Kinder (lacht). Ich denke, die Menschen, die nach Berlin kommen, fühlen sich einfach superwohl. Deshalb bleiben auch wahrscheinlich so viele Designer in Berlin, weil die sich denken: Hey, hier kann ich gut arbeiten, sehr kreativ sein und auch so sein wie ich bin, denn ich bin in Berlin (lacht).
Haben Sie einen Berliner Lieblingsdesigner?
(zögert) Oh, schwierig. Ich finde LaLa Berlin ganz gut, die haben sehr schöne Schals mit tollen Farben. Die sollen auch eine tolle Show bei der Fashion Week gehabt haben, obwohl ich die leider nicht gesehen habe.
Vom Designer zur Kleidung. Welcher Kleidungstyp sind Sie denn? Eher leger oder eher schick?
Gestern habe ich mir den Spaß gemacht, ein schickes Kleid zusammen mit einem Paar Sportsneaker anzuziehen. Ich fand das ziemlich cool und hatte auch viel Spaß dabei. Die Leute haben mich dann angeguckt von wegen: schickes Kleid, schicke Schuhe, aber zusammen? Und ich hab mir nur gedacht: Ist doch total entspannt und sieht auch noch gut aus (lacht). Ich bin eigentlich durchweg eher sportlich gekleidet und kümmere mich nicht drum, was gerade Trend ist. Ich ziehe an, was mir gefällt, und wenn das gerade Trend ist: schön, wenn nicht: Shit Happens.
Und der nächste Modelauftrag steht schon bevor?
Möglicherweise schon. Ich habe gestern mit meinen Auftraggebern für die Bread & Butter geredet und dort wird es bald wieder eine Messe geben mit Fotoshooting, wo ich vielleicht dabei bin. Ich wäre sehr froh, wenn das klappen würde.
Könnten Sie vom Modeln leben? Oder würden Sie das gar nicht wollen?
Ich denke, ich könnte davon nicht leben. Dafür braucht man viele Kontakte. Ich sehe mich auch eher in der Werbeszene und nicht mehr bei den skinny Models der High Fashion. Aber es ist ein guter Nebenverdienst. Man sollte aber definitiv noch was anderes machen, denn irgendwann hört das mit dem Schönsein auf und dann braucht man noch ein zweites Standbein.




