Fashion Week

Für Bread-&-Butter-Chef ist Berlin die heißeste Stadt

Die Modemesse Bread & Butter beginnt am Dienstag in den Hallen des Flughafens Tempelhof. Ihr Chef Karl-Heinz Müller erklärt den weltweiten Erfolg der Fashion Week und die Zukunft der Mode-Hauptstadt.

Foto: Buddy Bartelsen

Karl-Heinz Müller ist Chef der Modefachmesse Bread & Butter, die er 2001 in Köln gründete und 2003 nach Berlin verlegte. Zudem gehören ihm die beiden Modefachgeschäfte 14 oz. store an der Neuen Schönhauser Straße in Mitte und 14 oz. am Kurfürstendamm in Charlottenburg.

Von Dienstag bis Donnerstag findet die Bread & Butter im Rahmen der Fashion Week Berlin in den Hallen des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit rund 600 Ausstellern im Bereich der Street- und Urbanwear erneut statt.

Erst kurz vor seiner Opening Party am Montagabend ist er aus Paris zurückgekehrt. Barfuß und in Jeans sprach er mit der Berliner Morgenpost .

Berliner Morgenpost: Haben Sie aus Paris etwas Schönes mitgebracht?

Karl-Heinz Müller: Für meine Kinder habe ich eine große Box Macarons von Ladurée mitgebracht. Ich hatte einige Termine in Pariser Showroom und war auf der Capsule, einer kleinen Fashion- und Lifestyle-Messe.

Wie oft sind Sie in Paris?

Vier bis sechs Mal im Jahr.

Wie viel weiter ist die französische Hauptstadt in Sachen Mode im Vergleich zu Berlin?

Überhaupt nicht weiter. Paris ist nur anders. Die Stadt hat gegenüber Berlin keinen vergleichbaren Vorteil. Natürlich ist Paris eine tolle Stadt, hier ist die Haute Couture zu Hause. Berlin ist weniger Couture, weniger Prêt-à-Porter, Berlin ist Street & Urban, Berlin ist Lifestyle pur. Berlin und Paris kann man nicht vergleichen.

Alle Informationen rund um die Bread & Butter finden Sie HIER.

Was ist das einfach andere Berlin?

Berlin ist zur Zeit die heißeste Stadt in Europa, vielleicht sogar in der Welt. Alle Kreativen, ob Stilist, Designer, Produktmanager, Marketing-Leute, Einkäufer schätzen Berlin als enorme Inspirationsquelle. Die kontemporäre Mode ist in Berlin weit ausgeprägt. Als ich jetzt wieder in Paris war, habe ich gedacht: „Wie weit vorne ist Berlin“. Du spürst es, wenn Du Dir die Geschäfte im Marais anschaust oder beim Ausgehen. Berlin ist schon mega. Ich freue mich immer, wenn ich nach einer Geschäftsreise, ob aus Mailand, Paris, London oder New York, wieder nach Berlin zurückkomme. Die Messen und Schauen haben sich in Berlin enorm entwickelt. Das hat keine andere Stadt so schnell aus dem Nichts geschafft. Mittlerweile gibt es rund um die Fashion Week 16 mehr oder weniger große Messen, viele Schauen und zahlreiche Veranstaltungen, wie Empfänge, Presse Events etc. Mit diesem vielfältigen Angebot an zeitgemäßer Mode, konzentriert an einem Ort kann keine andere Modemetropole der Welt mithalten.

Obwohl große Marken wie Escada oder Boss dieses Mal gar nicht auf der Fashion Week vertreten sind…

So what! Es wäre doch Quatsch, ja sogar kompletter Blödsinn, von der momentanen Abstinenz dieser beiden Marken etwas abzuleiten. Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit unserem Finanzsenator Ulrich Nussbaum, der sich ebenfalls Sorgen macht, weil diese beiden Firmen diesmal nicht kommen. Ich sage: Ob mit oder ohne Boss, mit oder ohne Escada, Berlin wird seinen Weg gehen und zwar nach vorne, ganz nach vorne. Man kann ja Boss nicht gerade als modisch richtungsweisend bezeichnen. Boss ist eine kommerziell sehr erfolgreiche Marke, mit über zwei Milliarden Umsatz und mit Expansionsplänen in Richtung Fernost, also macht Boss diesmal seinen großen Auftritt in Shanghai. Das ist doch nachvollziehbar. Was Escada diese Saison macht, ob Show oder nicht und wenn wo, weiß ich nicht.

Was ist dann die große Mode, an der sich ein Erfolg der Fashion Week messen ließe?

In Berlin geht es nicht um die große Mode. Wenn wir von der Großen Mode sprechen, dann müssen wir von vielleicht zwei Dutzend großen Modeschöpfern sprechen, die wir auf der Welt in der jüngeren Vergangenheit hatten bzw. noch haben. In Berlin geht es um das, was auf der Straße passiert und entsteht. Vieles ist doch konstruiert . Was hier in Berlin passiert – das ist Lifestyle. Berlin selbst ist ein riesiger Life-Catwalk.

Es sind bis zu zweitausend Marken, mit mehreren tausend Kollektionen die während der Fashion Week in Berlin konzentriert zusammenkommen. Sie kommen von überall her, aus der ganzen Welt. ich möchte nochmals betonen, das ist einzigartig auf der Welt. In dieser Woche wird sich Berlin in einen riesigen internationalen Fashion-Hub verwandeln, die Hotels und die Restaurants werden voll sein, die Taxifahrer freuen sich, dass sie bis in die späte Nacht tolle, lustige Fahrgäste durch die Stadt fahren dürfen, die Modeläden werden sehr gute Umsätze haben. All das ist ein riesiger Erfolg. in Berlin wird in dieser Woche viel Geld verdient.

Auf wen freuen Sie sich denn dieses Mal besonders?

Ich freue mich auf alle, weil wir jede einzelne Marke ausgesucht haben, 600 Marken, auf die wir alle stolz sind. Aber am meisten freue ich mich natürlich auf die dazu gehörenden Menschen. Ich habe das Gefühl, es ist für alle wie ein Klassenausflug, auf den sich immer alle freuen. Allerdings sind wir damals nur einmal im Jahr auf Klassenreise gegangen. Die Modeleute dürfen zweimal im Jahr nach Berlin. Und heute Abend feiern wir erst einmal unser Opening auf unserem Veranstaltungsgelände, dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof. Cody Chestnutt kommt, das wird großartig.

Sie waren ja nicht durchgängig in Berlin. Von 2007 bis 2009 war die Bread & Butter vorübergehend in Barcelona.

Ja, das stimmt, wir waren zweieinhalb Jahre nicht in Berlin. Wir waren in Barcelona. Unser Problem war die geeignete Location. Die Hallen im ehemaligen Siemens Kabelwerk sind seinerzeit zu klein geworden und es gab keine Alternative. Und dann hatten wir riesiges Glück, dass der ehemalige Flughafen Berlin-Tempelhof frei wurde und wir ihn nutzen durften. Sonst hätten wir gar nicht wiederkommen können! Ich bin froh, dass wir damals, als wir in Berlin angefangen haben in 2003, die mutige Entscheidung getroffen haben, aus Köln/Düsseldorf wegzugehen. Aus der etablierten Gegend Rheinland zu dem bis dahin unbeschriebenen Blatt Berlin. Viele Mode-Profis haben uns prophezeit, dass Berlin nicht funktionieren würde. Wir haben immer an Berlin geglaubt und wir haben Recht behalten. Unser Mut zum Risiko wurde belohnt – wir sind bis heute sehr sehr glücklich in und mit Berlin. Und wir wollen Berlin im Lauf der nächsten Jahre zu einer echten, richtigen Modestadt zu machen. Da ist kein Ende in Sicht.

Das heißt, Sie bleiben? Es gibt keine Expansionspläne in andere Städte?

Es gibt immer wieder Versuchungen durch interessante Angebote aus anderen Städten. Bisher habe ich den Versuchungen aber widerstanden. Obwohl da oder dort sicher gute Umsätze zu erzielen wären.

Wie läuft denn Ihr vergangenes Jahr eröffneter Flagship-Store am Kudamm?

Ich bin sehr zufrieden. Wir sind gut dabei, das kann man so sagen. Ein Geschäft in dieser Größenordnung, mit doch durchweg anspruchsvoller Mode braucht aber eine gewisse Anlaufzeit, das weiß ich aus der Erfahrung mit meinem anderen Geschäft in Berlin-Mitte. 14 oz. ist ein nachhaltiges Konzept, mit einer eigenständigen Aussage. Ich folge niemals kurzfristigen Trends um Umsatz zu machen. Wir haben unseren Style, dem wir treu bleiben. Auf Sicht zahlt sich das immer aus. Wir freuen uns, dass wir nun auch am altehrwürdigen Kurfürstendamm sind.

Wie verschieden ist der Stil der Menschen in Mitte und Westberlin? Gibt es Kleidung, die nur im Westen oder nur im Osten gekauft wird?

Unsere Kunden in Mitte sind halt etwas freakiger, oft besser informiert. Der Designer aus London, der Kreative aus L.A. oder der Denim Artisan aus Tokio besucht eher Mitte, als den Ku'damm. Die richtigen Streetwear-Leute kommen schon eher ins 14 oz. in Mitte. Der Westen ist gewachsen, ist etabliert, hat eine andere Kultur. Vielleicht könnte man den Westen als wertkonservativ bezeichnen. Das ist aber kein Nachteil. Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden am Ku'damm nach dem Sommerurlaub ins Geschäft kommen, um sich seine Herbst- Winter Garderobe zuzulegen, obwohl es draußen noch 30° hat. das ist sehr angenehm. In Mitte kauft man sich gerne mal den warmen Parka, wenn der erste Schnee fällt. Unser Durchschnittsbon im Westen ist deutlich höher als in Mitte. Im Westen wollen unsere Kunden die Marken kennen, bevor sie sie kaufen. Sie glauben eher dadurch eine gewisse Sicherheit zu bekommen. In Mitte sind unsere Kunden experimentierfreudiger. Bestimmte Marken führen wir nur am Kurfürstendamm, andere nur in Berlin-Mitte.

Was werden die Besucher dieses Mal auf der Bread & Butter lieben?

Denim is Back. Alle werden Jeans lieben, Jeans für Damen und Herren wird das zentrale Modethema. Viele neue Marken und Label aus den USA, England, Schweden, Holland und Japan sind vertreten. Dark Indigo, eher zurückgenommene Waschungen dominieren. Dazu bunte Beach & Surfwear in floralen Mustern. Zudem bleiben maritime Themen wichtig.

Wo kann man Sie während der Messetage real erleben?

Ich habe da so meinen Fahrplan, zunächst die Opening Party am Montagabend auf dem Veranstaltungsgelände. Da wird es sicher spät.

Am Dienstagmorgen fällt der Startschuss um 10.00 Uhr. Die Eingangshalle, also das ehemalige Flughafenterminal wird voll von Menschen sein. Dann stehe ich oben auf der Empore, da wo die Uhr hängt. Das ist ein erhebender Moment, wenn unsere Gäste in Scharen kommen. Darauf freue ich mich sehr. Dann werde ich die ersten Aussteller in der Haupthalle begrüßen. Am frühen Mittag kommt dann Klaus Wowereit zum Messerundgang. Er bleibt immer mehrere Stunden und begrüßt möglichst viele Aussteller und Gäste unserer Veranstaltung. Abends gibt es verschiedene Veranstaltungen, die G-Star Show im Kater Holzig, der Empfang von Closed an der Potsdamer Straße. Später werde ich sicher noch mit einigen Freunden ins Borchardt gehen.

Innerhalb der drei Messetage schaue ich mir möglichst viele Kollektionen an, spreche mit unseren Ausstellern und Gästen. Zwischendurch gönne ich mir einen Besuch in unserem Business Club, den wir im ehemaligen Flughafenrestaurant eingerichtet haben. Es ist ein Top Restaurant, der Koch ist kein geringerer als Tim Raue, der Starkoch unserer Stadt Berlin.

Am Donnerstagabend feiern wir alle gemeinsam unsere Closingparty, vor allem alle Mitarbeiter von Bread & Butter. Dann werden wir wieder eine tolle Veranstaltung hinter uns gebracht haben.