Ein wenig scheint sich Marcus Kurz selbst darüber zu wundern, dass es in den weiten, weißen Räumen mit den orangefarbenen Hängelampen noch so ruhig ist. Am Mittwoch beginnt die vierte Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Und seine Firma Nowadays ist nicht nur für den Aufbau des 100 mal 50 Meter großen Zeltes mit dem 27 Meter langen Laufsteg am Bebelplatz zuständig. Sie betreut auch noch die Schauen von Michael Michalsky und Bernhard Willhelm sowie die der Marken Boss Black und Joop! – immerhin die Highlights der Modewoche, die an so ungewöhnlichen Orten wie Zionskirche, Postbahnhof, Tropenhaus und Hamburger Bahnhof stattfinden.
„Als wir 2007 die erste Mercedes-Benz Fashion Week, damals noch am Brandenburger Tor, umgesetzt haben, da herrschte eine Riesenaufregung“, so Kurz. „Nun sind die Teams eingespielt.“ Gehörig gewachsen sind sie in den vergangenen Jahren auch. 50 feste Mitarbeiter zählt Nowadays mittlerweile, angefangen hatte vor acht Jahren alles mit Marcus Kurz und nur einem Partner. Ein „Spaßprojekt“ sei es laut Kurz gewesen, der ursprünglich Produktdesign studiert hat und lange Jahre ein international gefragtes Model war.
Für eine große Zeitschrift hatte man zunächst eine Clubtour durch Berlins Nachtleben organisiert. Folgeaufträge kamen, das nötige Know-how unweigerlich auch. Schon bald darauf organisierten die beiden sogar eine 30-seitige Fotostrecke für die französische Vogue.
Den Ruf eines „Fashion-Profis“ hat sich das Team auch durch Kooperationen mit Vivienne Westwood während ihrer Zeiten an der Universität der Künste sowie mit den Modefachmessen Bread & Butter und Premium erworben. Heute zieht Nowadays die Fäden bei Fotoshootings für internationale Zeitschriften und Lifestyle-Marken – und organisiert große Events wie die Berliner Fashion Week. Tatsächlich hatte Kurz selbst die Vision von Berlin als Mode Metropole. Er ist stolz darauf, dass Fashion-Week-Veranstalter IMG schließlich seine Agentur damit beauftragte, ein Konzept für die damals erste Veranstaltung am Brandenburger Tor zu erarbeiten. Nun sind er und seine Mitarbeiter schon das vierte Mal dabei.
Gebäude soll zur Kollektion passen
Schon vor dem Aufbau des Laufstegzeltes, bei dem sechs Kilometer Kabel verlegt und rund 200 Lampen installiert werden mussten, stand bei Nowadays noch das Finden von möglichst außergewöhnlichen Räumlichkeiten für diejenigen auf dem Plan, die nicht am Bebelplatz zeigen wollen. Aufsehen erregend soll es sein, zur Kollektion passen soll es auch. Und dann gibt es natürlich noch zahlreiche Genehmigungen einzuholen.
Dabei wird es von Saison zu Saison schwieriger, das Publikum zu überraschen. In der Vergangenheit ließ Dirk Schönberger, Creative Director von Joop!, schon Models in einer Tiefgarage des Olympiastadions auftreten und Society-Liebling Michalsky inszenierte seine Kreationen in der Gemäldegalerie am Kulturforum genauso wie in einer Busreparaturhalle in Wedding.
Dass Boss Black diesmal im mehr als 100 Jahre alten Tropenhaus des Botanischen Gartens in Dahlem Mode zeigen kann, ist sogar einmalig für die nächsten Jahrzehnte. Ganz ausnahmsweise präsentiert sich nicht ein von üppiger Vegetation gefülltes Bauwerk, sondern ein aufgrund der aktuell stattfindenden Grundsanierung leerer Kuppelbau.
Kurz ist überzeugt von dem Potenzial seiner Stadt: „Berlin ist der einzige Standort, der die ehrgeizigen Ziele einlösen kann, gerade wenn es um die Ausrichtung nach Osten geht.“ Um Berlin noch stärker zu international zu positionieren, müsse der richtige Termin auf dem weltweiten Fashion-Kalender gewonnen werden. Eventuell müsse man sich mit London anlegen, so Kurz.
Für ihn gibt es nur eine denkbare Fokussierung: „Die deutsche Fashion Week sollte deutsche Brands und Designer zeigen. Dazu kommt noch die besondere Strahlkraft Berlins.“ Bekannte internationale Designer seien wichtig für Berlin, um weltweit Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber nur, wenn Berlin sie auch dazu bringen könne, ihre Kollektion zum ersten Mal exklusiv vorzuführen. In der Vergangenheit hätten Vivienne Westwood und Zac Posen zwar für ein großes Medienecho gesorgt, hätten dem Fachpublikum aber nichts Neues geboten.
Natürlich gehe es immer um die richtige Mischung, wenn sich die Öffentlichkeit für ein solches Event interessieren soll. Große Marken wie Boss und Joop!, die Anzeigen schalten, dazu noch Stars der Avantgarde wie Bernhard Willhelm und hippe Labels wie Lala Berlin oder Kaviar Gauche würden ein sehr hochwertiges Portfolio bilden. Das findet jedenfalls Marcus Kurz, und wie er sagt, auch andere große Marken, die allerdings noch nicht in Berlin vertreten sind. „Was hier fehlt, sind mehr Möglichkeiten, Kollektionen zu ordern, sprich Showrooms“, sagt Kurz. „Wir haben den Event, aber noch nicht genug Orderplattformen.“ Worauf es jetzt ankomme, sei der richtige Zusammenhalt aller beteiligten. „Wenn tatsächlich noch die Bread & Butter aus Barcelona zurückkäme, dann ist das eine echte Positionierung weltweit.“
Wenn am kommenden Sonntag der Trubel langsam wieder abebbt, dann müssen Marcus Kurz und seine Kollegen bereits an den Sommer denken. „Der wird gut, es gibt einen großen Zuspruch von vielen Marken“, sagt er optimistisch. „Ich habe keinen Masterplan, aber trotzdem denke ich, dass die Fashion Week bis zum Sommer 2010 ein international sehr relevantes Level erreicht haben kann“, so Kurz. Insgesamt wünscht er sich eine „etwas patriotischere Einstellung“ der landeseigenen Marken „Sie sollten als Brand vertreten sein, wenn wir an Deutschland als Modestandort glauben.“ Berlin sei die einzige Chance. Und vielleicht sogar die letzte, um Deutschland international zu positionieren.







