Tanz trifft Design, Begeisterung Fantasie: Das Mava Lóu, Atelier und Boutique des gleichnamigen Labels für Tango- und Salsamode, ist ein Ort der Inspiration. „Wir sind der einzige Berliner Laden für südamerikanische Tanz-Mode mit integrierter Werkstatt“, sagt Christiane Bär, Inhaberin und kreativer Kopf dieser verträumt-verspielten Oase.

„Liebe auf den ersten Blick“ sei dieses Geschäft gewesen – mit seiner schönen Fassade und dem Erker, mitten im bunten, lebhaften Kreuzberger Kiez zwischen Bergmannstraße, Gleisdreieck und Admiralbrücke, wo viel getanzt werde. „Dieser Teil von Berlin pulsiert und ich genieße ihn“, sagt Bär.

Schuhe werden aus Buenos Aires geordert

Mit den zu etwa 80 Prozent selbst entworfenen Kollektionen aus der Berliner Produktion schließt das Label „die Lücke zwischen herkömmlicher Trainingsbekleidung und den schillernden Outfits für den professionellen Show- und Turniertanz“. Schuhe zum Preis von 159 Euro werden aus Buenos Aires und Italien geordert.

Vier Mitarbeiter unterstützen die Designerin bei Produktion, Verkauf und Versand, 50 Prozent des Umsatzes macht der Online-Vertrieb aus. Für die wachsende internationale Fangemeinde ist dies seit dem ersten Juni nun auch via englischsprachigem Online-Shop möglich. Kleinst-Kollektionen und Unikate sind aber nur direkt vor Ort zu erhalten.

Raffiniertes Spiel mit Details

Im Sortiment dominieren die Tango-Kollektionen. Denn anders als beim Salsa sei da die spezielle Mode wichtiger, stelle andere Anforderungen: ein raffiniertes Spiel mit Details beispielsweise. Die schwungvollen Bewegungen – in engen Jeans undenkbar beim Tango, der die Tradition strikt einhält. Da fordert ausschließlich der Mann die Frau zum Tanz auf. Da überlegen sich die Tänzerinnen ganz genau, wie sie sich präsentieren

. Egal ob Kiez-Kundschaft oder Touristen aus den Niederlanden und Skandinavien: Für sie alle ist der in Buenos Aires erfundene Tanz eine „tolle Erfahrung“. Ganz viele Paare seien total gefangen davon, beobachtet Bär. „Die das betreiben, tun das nicht nur so nebenbei, sondern intensiv“, sagt die 41-Jährige, wissend, wie sehr der südamerikanische Tanz Berlin im Griff hat.

Workshops an Berliner Tango-Schulen

Christiane Bär erklärt das so: „Weil sehr viele sehr gute Tango-Lehrer hierher kommen. Lehrer-Paare reisen für eine gesamte Saison aus Buenos Aires an, um an Tango-Schulen Kurse zu leiten oder Workshops. Im Gegenzug reisen Berliner Lehrerpaare nach Buenos Aires. Zudem sei die Szene in Berlin so aktiv wie kaum anderswo.

Tagelange Tango-Veranstaltungen, so genannte Milongas oder Festivals locken Tänzer aus dem gesamten Land an. Viele kommen aus Gegenden, wo es keine entsprechenden Läden gibt und schauen im Mava Lóu vorbei – meist Frauen zwischen 30 und 50 in männlicher Begleitung, die sich ihrerseits aktiv an der Kleiderauswahl beteiligt.

Die Designerin ist selbst eher Tango-Fan

Schließlich ist Tangotanzen auch ein Stück gemeinsamer Passion. Der Zugang aber unterschiedlich: bei Männern meist über die Musik, bei Frauen über die Bewegung. Die studierte Modedesignerin, selbst eher Salsa-Fan, ist „über das Designen zum Tanz“ gekommen. Da konnte sie schon auf zehn Jahre Branchenerfahrung zurückblicken.

Outfits für den professionellen Show- und Turniertanz:  Schuhe zum Preis von 159 Euro werden von Mava Lóu aus Buenos Aires und Italien geordert.
Outfits für den professionellen Show- und Turniertanz: Schuhe zum Preis von 159 Euro werden von Mava Lóu aus Buenos Aires und Italien geordert.© Ricarda Spiegel

Am Anfang war da diese Tüte voller Stoffe, das kurz zuvor erworbene Designer-Diplom, eine Studienkollegin als Geschäftspartnerin und der felsenfeste Wille, es in Berlin zu wagen, mit einem eigenen Label für Schwangerschaftsmode, später Brautmode für Schwangere.

2010 dann der Wunsch nach Veränderung. Nach dem Besuch einiger Tango-Veranstaltungen war klar: „Das war es, etwas zu erschaffen, was einem bestimmten Zweck dient und authentisch ist.“ Denn Tango-Mode in Deutschland unterscheidet sich von jener in Buenos Aires – schon wegen des Wetters. Und weil deutsche Tänzerinnen anders ticken als Frauen in Südamerika.

Größere Konfektionsmaße sind erlaubt

„Hier entwickeln viele erst mit 30 ein echtes Körperbewusstsein“, weiß die Insiderin und auch, dass die Kleidermodelle hierzulande nicht so gewagt geschnitten, Ärmel und größere Konfektionsmaße erlaubt sind. Bei Mava Lóu sind sie bis Größe 44 zu haben – vom traditionellen Kleid um die 160 Euro bis zu den zurzeit angesagten weiten Hosen und Hosenröcken ab 145 Euro.

Im Trend sind asymmetrische Röcke in allen möglichen Farbkombinationen, mit einer Riesenauswahl an Tops ab 35 Euro perfekt kombinierbar. Das meiste ist aus elastischen Stoffen, die sich gut anfühlen. „Am liebsten mögen die Kundinnen Jersey-Stoffe, weil sie sich dem Körper anpassen“, sagt Mitarbeiterin Kerstin Ruhrig, eine Maßschneiderin, die von Anfang an dabei ist. Sie steht am Bügelbrett im Atelier, wo die Kreationen entworfen und produziert werden – einem für Kunden unzugänglichen Raum voller Nähmaschinen und Stoffregalen.

Die feminine Seite entdecken

Immer wieder beobachtet Bär, dass Frauen, die im Alltag eher sportlich gekleidet sind, beim Tango ihre feminine Seite entdecken. Mittlerweile beliefert Mava Lóu Boutiquen in München, Düsseldorf, Zürich, Konstanz und Innsbruck mit Kollektionen, die ihrerseits nach Städten benannt sind: Wien, Madrid, Malmö oder Brasilia beispielsweise.

Das passt zu einer Erfinderin, die gern mit Worten spielt und so den Phantasienamen „Mava Lóu“ schuf. Die passionierte Gestalterin trifft immer wieder den Nerv der Tango-Fans. Dazu gehört auch Freiheit der Auswahl. Eine Lebensphilosophie, die Christiane Bär ihren Kunden mit auf den Weg gibt: „Wichtig ist vor allem, sich und seinem Stil treu zu bleiben. „Denn nur wer sich in der Kleidung wohl fühlt, hat Erfolg.“

Mava Lóu, Gneisenaustraße 81, Kreuzberg, Tel. 60 03 17 34, Mo.–Fr., 13-19 Uhr, Sbd., 11-16 Uhr