Sogar das Mobiliar tanzt. Das natürlich nur abstrakt, aber der Gedanke dahinter ist trotzdem sofort zu erkennen. Bei „Hacke & Spitze“ an der Zossener Straße in Kreuzberg stehen die Tanzschuhe in und auf einer Art tanzendem Schuhständer. Mit Fantasie erkennt man Arme und Beine und fühlt sich ein wenig an den tänzelnden Außerirdischen E.T. erinnert. „Das ist extra angefertigt“, sagt Daniela Wasseveld. Sie sitzt auf einem kleinen Hocker im Hochparterre des Geschäfts. Unten, vor den bodentiefen Fenstern, fahren die Autos vorbei. Neben ihr sitzt Jutta Peixoto Cordeiro. Die beiden führen gemeinsam „Hacke & Spitze“. Und allein an der Art, der Haltung, mit der sie auf den Hockern sitzen, erkennt man, dass die beiden Tänzerinnen sind.

„Man sollte Tänzer sein, um so ein Geschäft auch richtig führen zu können“, sagt Daniela Wasseveld, und ihre Geschäftspartnerin nickt. „Nur so hat man die Erfahrung, um die Schuhe richtig zu testen. Im Zweifel fliegen Schuhe, die nicht perfekt sitzen, gleich wieder aus dem Sortiment. Gerade ein Spitzenschuh ist ja sehr speziell.“ Wer noch nie einen trug, wird kaum wissen, wo der Schuh meist drückt.

„Wir legen besonderen Wert darauf, dass Schuhe eine gute Passform haben“, sagt Jutta Peixoto Cordeiro und streicht sich das lange Haar hinters Ohr. „Nur gut aussehend reicht uns nicht!“

Anders als Charlottenburg

Die beiden Frauen lernten sich 2003 kennen. Da hatten sie in einem Charlottenburger Tanzladen gearbeitet, zwei ehemalige professionelle Tänzerinnen, die ihre Leidenschaft für die Bewegung auf diese Art weitergeben wollten. Die 54-jährige Jutta Peixoto Cordeiro machte eine Ausbildung in modernem Tanz, Daniela Wasseveld war Musicaldarstellerin mit dem Schwerpunkt Tanz. Aber ob nun klassisches Ballett, Spitzentanz, Modern oder Paartänze wie Tango oder Swing: „Wir haben alles ausprobiert und vieles über Jahre hinweg auf der Bühne getanzt“.

Irgendwann gab es dann diese Anzeige in einer Zeitung: Tanzladen in Schöneberg zu verkaufen. „Wir wollten das Geschäft kaufen, hatten schon einen Businessplan erarbeitet und bereits viel Arbeit hineingesteckt. Leider scheiterte das dann aber“, sagt Daniela Wasseveld.

2010 gab es die Aussicht auf den jetztigen Laden an der Zossener Straße. Und diesmal klappte alles. Gut vorbereitet, so einen Laden zu führen, waren sie sowieso: „Jutta hat 17 Jahre in dem Charlottenburger Geschäft für Tanz-Ausrüstung gearbeitet. Daher hatte sie ein enormes Warenwissen. Einarbeitung war nicht nötig. Sie wusste einfach, was gut ist und was schlecht“, sagt Daniela Wasseveld.

Dennoch gab es Einiges zu lernen: „Wir merkten schnell, dass das Kreuzberger Publikum sehr anders ist als die Charlottenburger“, sagt Jutta Peixoto Cordeiro. Was das genau bedeutet? „Sagen wir so: Wir haben hier wesentlich weniger Glitzer und Tüll im Sortiment. Dafür hören wir hier oft die Frage: Ist das denn auch aus Bio-Baumwolle?“

Die Zahl der Trikots bei „Hacke & Spitze“ ist groß. Die elastischen Stücke gibt es in außergewöhnlichen Modellen und Farben. „Wir wollen keine 08/15-Auswahl“, sagt Daniela Wasseveld. Zusätzlich gibt es allerlei Passendes für Yoga und Pilates.

Neben den Outfits sind natürlich beim Tanzen die Schuhe das Wichtigste. Das Entscheidende. Rund 40 verschiedene Tanzschuhmodelle gibt es im Laden. Darunter etwa zwölf Tango-Schuhmodelle, handgearbeitet und zumeist direkt aus Argentinien. „Auf solche exklusive Ware warten wir dann auch gern mal vier Wochens“, so Wasseveld.

Und das läuft nicht immer reibungslos: „Vor allem mit der Reklamation ist es schwer. Wenn wir etwas zu beanstanden haben, hören wir als Antwort nur: Wir machen doch hochqualitative Schuhe“, sagt Jutta Peixoto Cordeiro. Zudem hat sich der Einkaufspreis innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt. Zwischen 150 und 190 Euro zahlt man bei „Hacke & Spitze“ für Tangoschuhe. Dafür ist das Paar dann aber auch ein Unikat.

„Unsere Tangoschuhe sind das Teuerste, was wir führen. Das Speziellste dagegen sind unsere Spitzenschuhe“, sagt Jutta Peixoto Cordeiro. Diese gibt es ab 49 Euro.

Akupunktur im Hinterhaus

Die Beratung beim Kauf von Spitzenschuhen ist natürlich wichtig. Daniela Wasseveld kann eine weitere Form von Service für ihre Kunden bieten. Im Hinterhaus von „Hacke & Spitze“ betreibt sie ihre eigene Naturheilpraxis. Wenn beim Tanz-Zipperlein also die Zehenschoner, Einlagen, Silikonpads und Blasenpflaster aus dem Geschäft vorn nicht mehr helfen oder reichen, bietet die ausgebildete Heilpraktikerin Akupunktur und Fußreflexzonenmassagen. „Die medizinische und therapeutische Arbeit wiederum hilft mir bei der Beratung im Laden“, sagt Daniela Wasseveld. Noch ein Erfahrungsschatz, den Amateurtänzer, Ballettkinder und Profis bei „Hacke & Spitze“ gern nutzen.

Hacke & Spitze Zossener Straße 32, Kreuzberg, Tel. 61 62 63 00, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 11 bis 20 Uhr, Sonnabend 11 bis 18 Uhr, www.hackeundspitze.de