Auch wenn die Firma Apple gemeinhin für formschöne und benutzerfreundliche Produkte bekannt ist: Beim iPad handelt es sich im Grunde um einen Designunfall. In zwei Akten. Mit dem Launch des iPhones – und die Tablet-Surfmaschine ist im Grunde nichts anderes als ein aufgepumptes iPhone – wurde der Benutzer zum Beschmutzer. Wer die Glasfläche berührt, und genau das ist der Sinn einer berührungsempfindlichen Oberfläche, hinterlässt Spuren.

Unerwünschte Gebrauchsspuren, wie man hinzufügen will, denn mit Patina haben schmierige Fingertapser nichts zu tun.

Das hat nun, popkulturhistorisch interessant, bei den Benutzern von iPhones dazu geführt (und wird demnächst in verschärfter Form auch bei denen des iPads dazu führen), dass sie sich unweigerlich mit einem in der Bedeutungslosigkeit versunken geglaubten Spurenzeugnis auseinandersetzen müssen: Der Fingerabdruck ist zurück!

Seine große Ära, die in den Kindertagen der in den 80er-Jahren Aufgewachsenen mit den Detektivgeschichten von Wolfgang Ecke, den Hörspielen um die Abenteuer der „Drei Fragezeichen“, kulminierte, schien verlöschend mit dem Auftauchen des im Oxymoron des genetischen Fingerabdrucks bezeichneten Verfahrens zur Überführung von Kriminellen. Nicht länger mussten feine Metallspäne auf Glastische oder sonst wie verräterische Oberflächen aufgestreut werden, um die konzentrisch gekringelten Ovale dort haften gebliebenen Handflächenfetts dingfest zu machen. Von nun an wurden alle nur denkbaren Verbrechen vermittels in der Mundhöhle herumgeriebener Wattestäbchen überführt.

Das iPad wird, wie schon das vergleichsweise winzige iPhone, den Fingerabdruck zurückbringen aufs Tableau der alltäglichen Muster. Er gehört nun wieder in unsere Weltwahrnehmung, gesellt sich dort zu gescratchten U-Bahn-Scheiben, übereinandergekritzelten Tags, einem Starbucks-Emblem.

Streng genommen muss man bei der glatt-schwarzen Bedienoberfläche dieser Geräte also von einem Designfehler sprechen. Denn was ständig gewartet werden muss, harrt noch der Optimierung.

Wenigstens sieht es dabei gut aus – und man fasst es gerne an. Viele hegen zärtliche Gefühle für ihr iPhone. Auch wenn die metallgefasste Glasplatte robust ist, erliegt man dem Impuls, sie beim Transport zu schützen. Erst recht, wenn die Glasfläche derart großflächig geraten ist (was wesentlich zu dem von einigen Testern bemängelten Gewicht von über 700 Gramm geführt haben dürfte, das eine lässige Einhandbedienung des Surf-Bretts zum Ding der Unmöglichkeit macht.)

Doch anstelle von Balancehilfen oder etwa an den Tragegurten der Elektrogitarren orientierten Haltebändern für den mobilen Einsatz des gewichtigen Geräts steht für die Zubehörindustrie der Apple-Produkte vor allem der Erhalt der makellosen Oberfläche im Fokus. Unter den Luxusfirmen hat einzig Louis Vuitton bereits eine passende Hülle für das iPad im Programm. Allerdings wird großer Wert darauf gelegt, dass das limitierte Case keineswegs ein iPad-Etui sei. Es hat zufällig die gleichen Abmessungen. Und sieht, das muss man zugeben, noch beser aus als das Pad.

WS