Den Anfang hatten Börsianer an der New Yorker Wall Street gemacht, als sie vor gut zehn Jahren Suppen als schnelles und gesundes Essen für die Mittagspause entdeckten. Ob in Lübeck, Frankfurt am Main, Nürnberg oder Berlin – inzwischen nehmen Imbisse namens „Suppentopf“, „Souper“ und „Souptopia“ auch in Deutschlands Städten einen festen Platz ein. Sogar bei McDonald's stehen jetzt schon Gulasch- und Tomatensuppe auf dem Speiseplan. In 60 ihrer 500 McCafé-Filialen testet die Fastfood-Kette, wie Suppen bei den Gästen ankommen.

„Soupkultur“ heißen die drei Filialen eines Berliner Imbisses, mit denen die Suppeneuphorie aus den USA in die deutsche Hauptstadt schwappte. Seit Eröffnung ihrer ersten Suppenbar im Jahr 1999 seien die Ansprüche der Deutschen an ihre Ernährung gestiegen, hat „Soupkultur"-Inhaberin Katharina Körner beobachtet. Diese Entwicklung sei dem Absatz von Suppen zugute gekommen, die verglichen mit Pizza oder Pommes deutlich gesünder seien.

Klassiker am beliebtesten


Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten seien Eintöpfe und Brühen zudem effizient, erläutert die Betriebswirtin. „Suppen können zentral in einer Küche und in großen Mengen zubereitet werden.“ Selbst einen möglichen Nachteil der Suppe deutet Körner in einen Pluspunkt um: Im Sommer verbuche sie in ihren Imbissen kaum Einbußen, schließlich tue ein warmes Essen dem Körper gerade bei Hitze gut.

In ihrer Nürnberger Suppenbar „Souptopia“ setzt Katerina Jühe-Skorka auf Kaltschalen wie etwa Gazpacho, um die Kundschaft auch in der heißen Jahreszeit anzulocken. Im Jahr 2001 wechselten die gelernte Buchhändlerin und ihr Mann die Berufe und machten eine Suppenbar in der Nürnberger Altstadt auf. Seitdem sei ihre Datenbank auf „ein paar Tausend Rezepte“ angewachsen, sagt Jühe-Skorka. Suppen seien „wahnsinnig variantenreich“, doch am besten verkauften sich die Klassiker: Gulasch, Chili con Carne oder Suppen nach thailändischer Art.

Auch McDonald's verkauft jetzt Suppen

Keine 600 Meter von „Souptopia“ entfernt bietet im Nürnberger Hauptbahnhof seit einiger Zeit auch das Fastfood-Restaurant McDonald's diese Klassiker an. „Tomato Mio“, „Thai Veggie“ und „Gulasch Gourmet“ heißen die Suppen, zwischen denen Gäste von deutschlandweit 60 McCafé-Filialen zunächst bis Jahresende wählen dürfen. Dann soll entschieden werden, ob Suppen künftig dauerhaft auf der Speisekarte stehen, sagt eine Sprecherin von McDonald's Deutschland.

Etwa 100 Teller Suppe löffelt jeder Deutsche im Jahresdurchschnitt, hat das Deutsche Suppen-Institut im Verband der Suppenindustrie ausgerechnet. Etwa die Hälfte davon komme aus der Tüte oder Dose, sagt Verbandssprecher Dirk Radermacher. Als reines Fastfood will er Suppen aber nicht verstehen: „Man braucht Zeit für die Suppe, sonst landet sie beim Essen schnell auf dem Schlips.“

Nicht nur fürs Essen, sondern auch beim Kochen nehme eine gute Suppe viel Zeit in Anspruch, sagt „Soupkultur“-Gründerin Körner. Deshalb halte sie auch nichts von industriell hergestellten Suppen. „Denn da steht niemand am Herd und kocht.“ Bei ihr seien die Speisen hausgemacht, sagt Körner, die das Geheimnis einer guten Suppe verrät: Sie sollte Kartoffeln enthalten – wegen der Stärke. „Man möchte schließlich satt werden, und das zu verträglichen Preisen.“

Vier Euro für eine Portion mit 400 Millilitern Suppe seien in Berlin teuer, findet Körner. Denn eine Suppe bleibe trotz des Trends der vergangenen Jahre eine einfache Speise. Vielleicht ist das der Grund, weshalb in New York inzwischen wieder einige Suppenbars geschlossen haben. Dort standen zum Teil Luxusmahlzeiten wie Hummerschwanzsüppchen auf dem Speiseplan. Und die können sich in der krisengeplagten amerikanischen Metropole derzeit bekanntlich immer weniger Menschen leisten.

dpa