"Eine gestandene, ältere Frau, die einen sehr jungen Liebhaber hat, die sich Gedanken darüber macht, wie die Beziehung sich entwickelt und wie sie enden wird. Natürlich geht es auch um den Gegensatz von Reife und Jugendlichkeit bei der Sexualität". Was sich anhört wie der Klappentext eines neuen Bestseller-Romans, ist in Wirklichkeit die Charakterisierung eines neuen Parfums. Wohlgemerkt: nicht irgendeines Parfums.
"Geste“ ist einer der sechs neuen Düfte aus dem Hause "Humiecki&Graef" . Hinter der Namensbezeichnung verbergen sich die beiden Kölner Designer Sebastian Fischenich und Tobias Müksch. Für die Gestalter ist "Geste" viel mehr als ein bloßes Duftwässerchen: "Für uns sind Düfte wie Gefühle“, sagt Fischenich.
Jedes der luxuriösen Parfums von Humiecki&Graef bringt seine eigene Geschichte, seine eigenen Bilder mit. "’Multiple Rouge’ soll zum Beispiel verkörpern, wie man sich fühlt, wenn man einen wunderbaren Moment erlebt und kurz davor ist, zu überdrehen und vielleicht ein bisschen traurig zu werden. Deshalb riecht er nach roten Beeren und hat gleichzeitig diese erdige Note“, sagt Fischenich.
Die Idee, "emotionale" Düfte zu erfinden, trugen die beiden lange Zeit mit sich herum. Sebastian Fischenich sammelte bereits in New York Erfahrung in der Duftbranche. Mit seinen Eigenkreationen wollte er Duftbotschaften vermitteln, Geschichten erzählen.
Realisieren ließ sich das ambitionierte Vorhaben aber erst mit Hilfe einer ganz besonderen Nase: Christophe Laudamiel. Der Franzose war die erste Wahl für Fischenich und Müksch. Er gilt als einer der großen Exzentriker der Parfumbranche und kreierte schon die Düfte für die Verfilmung des Patrick-Süskind-Romans "Das Parfüm".
"Ich habe ihm bei unserem ersten Treffen von der Idee erzählt, extreme Emotionen in einen Duft zu packen. Er war sofort begeistert“, erinnert sich der Designer.
Laudamiel nahm die erste Herausforderung an: einen Duft zu kreieren, der nach Männertränen riecht. "Ich musste mich vol
lständig von der Arbeit für kommerzielle Düfte lösen und ganz und gar in die Konzepte der beiden eintauchen. "Wir haben ihm Fotocollagen zu den Themen gezeigt, die wir in einem Parfüm zusammenfassen wollten“. So entstand "Skarb“, ein Duft für mutige Männer, die sich ihrer Tränen nicht schämen. Nach der ersten erfolgreichen Zusammenarbeit setzten Humiecki&Graef ihre Kooperation mit Laudamiel fort. So entstanden neben "Geste“, "Multiple Rouge“ und "Skarb“ noch zwei weitere Kreationen.
"Askew“ beschäftigt sich mit dem Thema Wut: Der Duft soll den Moment verkörpern, in dem ein Mensch in Rage gerät. Als Herrenduft angelegt, gehören zu seinen Ingredienzien Leder-, Ingwer- und Grapefruit-Aromen.
Ein besonders persönliches Parfum ist dagegen "Eau Radieuse“. „Der Duft ist eine Hommage an meine Heimatstadt Köln", sagt Fischenich. "Er ist sehr frisch und soll die Lebensgeister wecken. Eine moderne, zeitgemäße Interpretation des 'Kölnisch Wasser', dem grüne Bananen, Zitrone und Rhabarber Licht und Leichtigkeit verleihen."
Aber Humiecki&Graef erzählen mit ihren Düften nicht nur Geschichten, auch der Name ihres Labels trägt eine persönliche Note. Es ist der jeweilige Mädchenname der beiden Großmütter des Designerduos, zu denen Fischenich und Müksch ein sehr enges Verhältnis hatten.
"Beide Frauen waren für ihre Zeit sehr selbstständig, sie haben im Ausland gelebt, ihr eigenes Geld verdient und schafften es schon damals, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen“, erzählt Fischenich.
Mit dieser Beziehung sind auch Dufterlebnisse verbunden, die Fischenich in deutlicher Erinnerung geblieben sind und seine Geruchsbiografie geprägt haben: "Nasse Erde im Garten meiner Großmutter und – bitte lachen Sie jetzt nicht – ein ganz spezielles Putzmittel, das sie in ihrem Haus verwendet hat."
Die Düfte von Humiecki&Graef kosten jeweils um 150 Euro und sind in großen deutschen Städten erhältlich. In Berlin gibt es sie zum Beispiel im KaDeWe und im Quartier 206. www.humieckiandgraef.com





