Der Winter rückt näher, und draußen wird es kälter und dunkler. Düfte, die Wärme, Sinnlichkeit und ein wenig Exotik versprühen, liegen in dieser Jahreszeit traditionell im Trend. So ist es auch in diesem Jahr: Während im Sommer eher leichte, frische Noten angesagt waren, erobern jetzt schwerere, orientalisch-florale und verführerisch-sinnliche Essenzen die Parfümerien. „In diesem Winter liegen ganz klar opulente Düfte vorn“, sagt Britta John von der Parfümeriekooperation Beauty Alliance in Bielefeld. Ein Trend seien dabei vor allem die fruchtig-orientalischen Noten – sie dürften in der Basis auch bei den Damen betont holzig abgerundet werden.

In der Herznote der Düfte werde daher viel mit Früchten wie Orange, Apfel, Mandarine oder Mango gearbeitet, sagt Martin Ruppmann vom Verband Kosmetischer Erzeugnisse. "Außerdem finden sich auffällig viele weiße Blumen in den neuen Herbst-Düften: Jasmin, Freesien, Lotus und Orchideen sorgen für den sinnlich-blumigen Touch.“ Besonders häufig haben die Parfümeure in dieser Saison mit dem Aroma der Orangenblüte gespielt: Boucheron verbindet in seinem Duft "B“ Essenzen von Orangenblüte und "Rose Absolue“ mit der fruchtigen Note der Osmanthus-Blume und exotischen Gewürzen. Calvin Klein kombiniert in "Secret Obsession“ die Orangenblüte mit exotischer Pflaume, Muskatblüte, Damast-Rose und ägyptischem Jasmin. Und Giorgio Armani lässt sie in "Code“ zusammen mit Sambac-Jasmin und einer Essenz aus rosa Pfeffer zur Geltung kommen.

Für eine etwas anders gelagerte fruchtige Note sorgt bei „Fuel for Life Unlimited“ von Diesel eine Mischung aus kalabrischer Zitrone, Mandarine, Birne und Guave, während Benetton bei seinem Duft „Essence“ Pfirsich mit Orange und Bergamotte vereint. Floraler geht es zum Beispiel bei „Miss“ von Miss Sixty zu: Magnolie, Wasserveilchen und Pfingstrose bilden hier das Herz des Duftes. Donna Karan setzt mit "DKNY Delicious Night“ auf ein üppiges Bouquet aus Jasmin, Orchideen und Freesien.

Esprit hat in seinem Jubiläumsduft "Celebration“ Veilchen, wilde Rose und Passionsblume kombiniert. Exotik pur bietet Estée Lauder mit seinem Duft „Private Collection Amber Ylang Ylang“, der dem Namen gemäß vor allem auf dem süßlichen Duft der Blüte des asiatischen Ylang-Ylang-Baumes basiert. Auch Jean Paul Gaultier hat nach einer neunjährigen Pause wieder einen Damenduft kreiert: Bitterorangen-Spritzer verbinden sich mit Rose und Grenadine zu seinem neuen Parfum „Ma Dame“.

Gerade die Konzentration auf Duftstoffe wie Orange und Rose zeige, dass auch in der Duftbranche eine Art Retro-Trend angesagt ist, sagt Elmar Keldenich vom Bundesverband der Parfümerien: "Lange Zeit waren vor allem leichte, synthetische Noten gefragt. Inzwischen greifen viele wieder häufiger auf ganz klassische Düfte zurück.“ Diese Parfums riechen heute aber trotzdem anders als zu Großmutters Zeiten: "Duftklassiker werden heute neu zusammengesetzt, sozusagen modernisiert", sagt Keldenich.

Eine neue Methode, klassische Damendüfte neu zu interpretieren, ist zum Beispiel, sie in der Basis mit typisch männlichen Noten abzurunden. "Patschuli, Amber und Tonkabohne dürfen neben Moschus, Zedernholz und Vanille jetzt durchaus auch in Damendüften vorkommen“, weiß Kosmetikexperte Ruppmann. "Replay for her“ beispielsweise basiert vor allem auf dem üppigen Duft der Tonkabohne, "Velvet Hour“ von Kate Moss setzt auf Kaschmir und Amber als Basis. Und Céline Dion verbindet in ihrem Duft "Sensational“ Amber mit Moschus. Die Dessousmarke Agent Provocateur verspricht sich von ihrer Mischung aus Ambra-Öl, Haitianischem Vetiver, exotischen Hölzern und Moschus im neuen Duft "Strip“ sogar mehr als nur eine duftende Abrundung der täglichen Erscheinung: Angeblich setzt "Strip“ durch Körperwärme einen sexuellen Duftstoff frei, der in jeder Frau schlummern soll – und lässt sie dadurch nicht nur angenehm riechen, sondern zugleich unwiderstehlich erscheinen.

Nicht alle scheinbar neuen Düfte sind es in aber in dieser Saison tatsächlich. Viele Hersteller knüpfen an bereits erfolgreich eingeführte Parfums an, sagt Britta John: "Im Trend liegen ganz klar limitierte Editionen oder Variationen von bekannten Düften.“ Auch Sammlereditionen, bei denen sich lediglich der Flakon ändert, nicht aber der Duft, seien sehr beliebt. So bringt Chanel in dieser Saison mit "Eau Première“ eine Variation seines Klassikers "Chanel N° 5“ auf den Markt, Chopard interpretiert mit "Magical Nights“ seinen Duft "Happy Spirit“ neu, und Shiseido gibt dem etablierten Duft "Zen“ in einer limitierten Auflage unter dem Namen "Zen Gold" ein edles goldenes Outfit.

dpa