Wenn berühmte Frauen heiraten, verzichten sie großzügig darauf, den Nachnamen ihres Gatten anzunehmen. Sie haben hart genug daran gearbeitet, sich einen eigenen zu machen, da können sie ihre erfolgreiche Marke nicht plötzlich in Mariah Cannon, Nicole Urban oder Carla Sarkozy umbenennen. So erratisch agieren nur Konzernmanager mit zu viel Tagesfreizeit und den falschen Beratern.
Ein wenig anders lag der Fall bei Victoria Caroline Adams. Weil sie ihren Dienstnamen "Posh Spice" sehr ernst nahm, bemühte sie sich nach Auflösung der Spice Girls nur äußerst halbherzig um die Fortsetzung ihrer Karriere als Sängerin. Stattdessen heiratete sie den Fußballer David Beckham und definierte damit das Genre "Spielerfrau" neu.
Die Gattin eines Erfolgsathleten war gleichsam über Nacht nicht mehr die ehemalige Schönheitskönigin mit Torschlusspanik, auch nicht mehr die blondierte Furie am Verhandlungstisch. Sondern ein Superstar aus eigener Kraft auf der Suche nach Synergie. Seitdem wird die Welt staunend Zeuge eines wunderbaren Feuerwerks: stilsicher wie Elton John und David Furnish, publicityscheu wie Brad Pitt und Angelina Jolie.
Wer in dieser Verbindung die Hosen trägt, gestand der Fußballer in einem Interview: er die ihren (eine Vorstellung, die mich bis heute verfolgt). Und auch sonst ließ das Paar nichts unversucht, das Dreieck "Glamour, Selbstironie und Wahnsinn" neu zu vermessen. Jeder der berufsbedingten Umzüge (Madrid, Los Angeles) wurde mit einem Getöse erledigt, als handele es sich um die Migrationsbewegung eines ganzen Volkes.
Für die Kampagne von Marc Jacobs ragten nur ihre Beine aus einer riesigen Einkaufstüte. Und mit dem amerikanischen Fernsehen produzierte Victoria Beckham eine Art gefilmtes Tagebuch über ihre ersten Wochen an der Westküste. Der Sender strich das Endergebnis unbarmherzig zusammen. Dabei handelte es sich bei dieser mockumentary um feinsten, zersetzenden Humor. Sie agierte mit einer affirmativen Bosheit wie ein Bret Easton Ellis auf High Heels und nach einer Radikaldiät.
Denn auch wenn sie in der aktuellen Unterwäschekampagne von Emporio Armani aussieht wie eine relativ normale, schlanke Frau – in Wirklichkeit ist Victoria Beckham fast besorgniserregend dünn. Sie hat das Paradigma des sozialen Aufstiegs, man könne niemals zu reich oder zu dünn sein, verinnerlicht, und auf Boulevardspekulationen über den Durchmesser ihrer Arme scheint sie zu reagieren, indem sie noch weniger isst. Wenn junge Mädchen allerdings ihretwegen magersüchtig werden, sollten sie sich vielleicht noch Victoria Beckhams eiserne Disziplin abschauen. Sie beschränkt ihre Mimik auf einen einzigen Ausdruck, und wie die britische Königin fällt sie niemals aus der Rolle. Oder fast niemals.
In der vergangenen Woche saß sie mit ihrem Mann und ein paar Freunden in der Bar des Mailänder Hotels "Principe di Savoia". Sie saß auf der Stuhllehne beziehungsweise dem Schoß ihres Mannes und fühlte sich dort offenkundig wohl. Es waren keine Paparazzi in Sicht, und die umhersitzenden Moderedakteure waren vor allem damit beschäftigt, die Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten (die Nieten bei Prada! die Pagodenschultern bei Ferré! die Sanduhrsilhouetten bei Jil Sander!).
Wenn der Augenschein nicht trog, und das tut er ja eigentlich nie, dann hatten die beiden jene Nacht Spaß aneinander. Ich hätte nie geglaubt, so denken zu können, aber vielleicht möchte man ja doch in ihrer Haut stecken.





