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Warum Markus Lanz die Antworten seiner Gäste nicht gefallen

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Karina Krawczyk
Die Talkshow "Markus Lanz"

Die Talkshow "Markus Lanz"

Es gibt im deutschen Fernsehen einige Politik-Talkshows. “Markus Lanz” gehört schon seit Jahren zu den bekanntesten Sendungen, in der aktuelle Themen diskutiert werden.

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Lanz wollte wissen, warum Deutschland Flüssiggas importiert, statt hierzulande Schiefergas zu fördern – aber nicht richtig verstehen.

Berlin. Auch Niedersachsen will – wie Bayern – bis 2040 klimaneutral werden. Nur bestimmt nicht durch Fracking. „Es gibt kein Thema, das die Leute so auf die Palme bringt“, bestätigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei „Markus Lanz“ aus eigener Erfahrung. Und schloss dann indirekt aus, dass das reiche Vorkommen an Schiefergas, das unter dem Boden seines Bundeslandes lagert, doch noch gefördert wird.

„Kurzfristig würde es uns nicht helfen. Und langfristig wollen wir raus aus CO2“, erklärte Weil, der in Niedersachsen gerade frisch wiedergewählt worden ist. Die Flüssiggaslieferungen, „die unsere Klima-Bilanz verschlechtern“, waren nur in der aktuellen Lage noch notwendig. In der langfristigen Perspektive sollen die für klimaneutralen Wasserstoff genutzt werden.

Auch gab er sich in Plauderlaune und zuversichtlich, dass das „AKW Emsland Mitte April auslaufen“ wird, wie beschlossen. Ob dann allerdings auch die beiden anderen AKWs endgültig abgeschaltet würden? Da mochte er sich nicht festlegen: „Die Energieversorgung im Süden ist prekärer.“

"Markus Lanz": Das waren die Gäste

  • Stephan Weil, SPD-Politiker
  • Hans-Joachim Kümpel, Geophysiker
  • Petra Pinzler, Journalistin
  • Ronny Blaschke, Sportjournalist

Man musste Markus Lanz an diesem Donnerstag auch mal für seine tendenziöse Themensetzung kritisieren. Offensichtlich stand er weiter unter dem Eindruck von Markus Söder, der eine Woche zuvor sein Gast gewesen war. Der wünschte sich nämlich eine „ideologiefreie Erdgas-Förderung“ in Deutschland – vorgeblich, um die aktuelle Energiekrise zu lösen, möglicherweise aber auch nur, um von der eigenen, mageren Energiewende-Bilanz abzulenken.

Jedenfalls griff Markus Lanz das Söder-Narrativ gerne auf: Deutschland brauchte jährlich etwa 90 Milliarden Kubikmeter Gas. Etwa 20 Milliarden Kubikmeter könnten aus dem eigenen Land kommen, vor allem aus der niedersächsischen Region Emsland, die so etwas wie das „Texas von Deutschland“ sei. Nur wollte – angeblich – keiner darüber reden.

Wäre es aber nicht besser, das „überall mittelböse“ Fracking-Gas selbst zu fördern, statt es unter großen Energie- und Kostenaufwand als Flüssiggas zu importieren? Irgendwie wollten Markus Lanz die Antworten auf die wiederholt gestellte Frage bis zum Schluss nicht gefallen.

Markus Lanz zu Gas: „Keine fachliche Grundlage für ein Fracking-Verbot“?

Mit Hans-Joachim Kümpel hatte Markus Lanz zudem einen Geophysiker eingeladen, der zehn Jahre lang als Chef der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die „Potentiale von Erdgasvorkommen“ untersucht hat – und Fracking befürwortete.

Detailreich erklärte der Professor, wie einfach, sicher und schnell Erdgas aus horizontalen Schichten gefördert werden konnte, ohne dass es zu befürchteten Erdbeben kam. Oder zu einer Trinkwasserverunreinigung durch „Methanschlupf“.

Sein Schluss: „Für ein Fracking-Verbot gibt es keine fachliche Grundlage, nur eine politische.“ Dann stellte er noch einen Zusammenhang her zwischen der Anti-Fracking-Entscheidung des Bundesumweltministeriums 2016 und der zeitgleichen Genehmigung von Nord Stream 2, „die unsere Abhängigkeit vom russischen Gas auf über 50 Prozent erhöhte.“

Journalistin: Fracking verbraucht sehr viel Wasser und Land

Was Markus Lanz nicht sagte (oder bis dahin nicht gewusst hatte): Bis zu ihrer Auflösung 2016 wurde die BGR über die Hans-Joachim-Martini-Stiftung mit großzügigen Stipendien und Preisen aus der Wirtschaft finanziert. Für Petra Pinzler von der „Zeit“ ein klarer Fall von Lobbyismus. Sowohl die Behörde wie auch die Stiftung „wurden 2016 abgewickelt“, erinnerte sie.

„So einfach ist das nicht“, widersprach die Journalistin deshalb auch vehement Kümpels Behauptung, dass es keine fachlichen Einwände gab: Fracking verbrauche sehr viel Wasser und auch Land, beides werde immer knapper. Außerdem erforderte es große Investitionen, die sie nicht in eine „Technologie von gestern“ investiert sehen wollte.

Sein „permanentes Kleinreden der Risiken“ überzeugte sie jedenfalls nicht, und auch sonst machte die Wirtschafts- und Umweltredakteurin „keine Gefangenen“ (Lanz). Man sollte sich mal anschauen, wer die Fracking-Debatte immer wieder aufmachte, riet sie dem Moderator: „Es ist die FDP, die dafür verantwortlich ist, dass die Regierung die Klimaziele gerade nicht schafft. Und die CSU, die sowieso alle Naselang eine andere Energiepolitik will.“

„Die WM war immer schon politisch“

Als vierter Gast in der „Lanz“-Runde hatte sich Sportjournalist Ronny Blaschke während der Fracking-Debatte zurückgehalten. 20 Minuten vor Schluss zog er dann eine direkte Linie von den Flüssiggaslieferungen aus Katar zu der „1 Love“-Binde: „Die WM war immer schon politisch“, erklärte er.

Dann erinnerte er – gemeinsam mit Markus Lanz – an die Spiele von 1978 in Argentinien: Zwei Jahre zuvor hatte eine Militärjunta die Macht übernommen und mehr als 30.000 Kritiker verhaftet, gefoltert und verschwinden lassen. Die damaligen Nationalspieler kümmerte das nicht, was sie vor laufender Kamera ungeniert zugaben.

Dass die Kataris nun immer allergischer auf die Menschenrechtsforderungen reagierten, sah er als Warnung: „Das kann uns nach der WM wirtschaftlich schaden“, befürchtete er für die 150 deutsche Firmen, die in Katar aktuell aktiv sind.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.