Interview

David Hasselhoff: Diese neue Rolle bereitete ihm Sorgen

| Lesedauer: 7 Minuten
David Hasselhoff: Mit 70 immer noch voll im Showgeschäft

David Hasselhoff: Mit 70 immer noch voll im Showgeschäft

Mit TV-Serien wie "Knight Rider" und "Baywatch" wurde er zur Kultfigur, mit einem Song lieferte er die Hymne zum Mauerfall - morgen wird David Hasselhoff 70 Jahre alt und ist aktiv wie eh und je. In keinem anderen Land ist "The Hoff" so beliebt wie in Deutschland.

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Hasselhoff spielt in der RTL-Produktion "Ze Network" eine alternde Version seiner selbst. Was das mit seinem eigenen Alter zu tun hat.

Berlin. David Hasselhoff ist in Deutschland ein fast so wichtiges Kulturgut wie die Currywurst in Berlin. Der 70 Jahre alte Sänger besang 1989 kurz nach dem Mauerfall in Berlin die Freiheit, ließ sich bei "Promi Big Brother" rund um die Uhr von Kameras begleiten und fuhr in "Knight Rider" eines der berühmtesten Autos der Fernsehgeschichte. Nun spielt er an der Seite von Henry Hübchen in der Agenten-Comedy "Ze Network" auf dem RTL-Streamingportal RTL+ eine alternde – und etwas schräge – Version seiner selbst.

Dabei hatte ihm die Rolle am Anfang nichts zugesagt, sagt Hasselhoff im Interview. Mit unserer Redaktion sprach er über die Herausforderungen des Drehbuchs, den Karrieredruck im Alter und die Frage, warum ausgerechnet Deutschland so begeistert von seiner Person scheint.

Sie spielen in "Ze Network" einen David Hasselhoff, der keine Lust mehr auf lustige Cameo-Auftritte hat und seiner Karriere endlich einen Sinn geben will. Können Sie sich damit identifizieren?

David Hasselhoff: Sehr sogar. Ich bin Schauspieler, spielte Michael Knight und Mitch Buchannon. Aber ich spiele auch "The Hoff" und in der Rolle bin ich eher ein Sänger und Unterhalter. In "Ze Network" sollte ich dagegen die Person David Hasselhoff spielen und nicht "The Hoff". Dass ich mich im wahrsten Sinne des Wortes mit der Rolle identifiziere, hat es mir erst schwer gemacht. Die Serie richtet sich auch an eine viel jüngere Zielgruppe als damals bei "Baywatch".

Was erwarten Sie sich von der jüngeren Zielgruppe?

Hasselhoff: Die Welt verändert sich, soziale Medien sind wichtiger denn je. Daran passt sich die Serie thematisch an. "Ze Network" ist eine Dark Comedy, eine Agenten-Serie. Ich glaube, damit können besonders junge Menschen viel anfangen. Das ältere Publikum wird den Inhalt der Serie vielleicht weniger mögen, hat aber Spaß daran, mich zu sehen.

Wie haben Sie reagiert, als RTL Ihnen nach all den Jahren wieder eine Hauptrolle anbot?

Hasselhoff: Vor 30 Jahren war ich mit "Knight Rider" in einer der ersten großen Serien, die RTL eingekauft hat. Dass ich jetzt zurück beim Sender bin, fühlt sich wie ein natürlicher Verlauf an. Dabei war meine erste Reaktion weniger positiv. Ich musste das Drehbuch achtmal lesen, bis ich entschied: Ich mag es.

Warum?

Hasselhoff: Ich sollte einen verwirrten David Hasselhoff spielen und wusste nicht, wie das geht. Ich habe mir Sorgen darüber gemacht, wie ich beim Publikum rüberkomme. Christian (Alvart, Anm. d. Red.), der die Serie geschrieben und produziert hat, sagte dann, ich solle einfach machen. Und dann habe ich die Rolle einfach durchgezogen. Als vom Publikum positive Rückmeldungen kamen, war ich sehr glücklich. Ich bin stolz darauf, sagen zu können: David Hasselhoff ist ein richtiger Schauspieler.

Davor waren Sie bei "Dancing with the Stars" – der US-amerikanischen Version von "Let's Dance" –, "Promi Big Brother" und im "Spongebob Schwammkopf"-Film. Bereuen Sie manche Auftritte?

Hasselhoff: Ich würde nicht sagen, dass ich etwas bereue, aber man lernt natürlich aus seinen Fehlern. Es hat mir immer Spaß gemacht, diesen Charakter zu spielen und das zu tun, was man von mir erwartet. Ich liebte das Verrückte und die Ortswechsel. Aber am Ende des Tages muss es sich natürlich auch lohnen.

Bei "Dancing with the Stars" bin ich in der ersten Folge rausgeflogen, ich habe also kaum getanzt. Ich kann es auch nicht. In der Show zählen aber auch mehr das Drumherum und die Vorbereitungszeit, und am Ende war ich froh, aus dieser Art Reality Show raus zu sein. Im "Spongebob Schwammkopf"-Film spielte ich eine gigantische Version von mir selbst, das fand ich toll.

Sie hielten einst einen Weltrekord als meistgesehener Mann im Fernsehen, arbeiteten an großen Hollywood-Sets – für "Ze Network" drehten Sie nun im sächsische Görlitz. Was macht das mit Ihnen?

Hasselhoff: In der Serie mache ich mich darüber lustig: "Görlitz? Görlitz? Was soll das sein?". In Wahrheit habe ich mich sehr darüber gefreut, Görlitz zu sehen. Es ist eine schöne Stadt, direkt an der polnischen Grenze. Wir haben aber auch in Berlin und Marokko gedreht. Die Produktion war aber allgemein schwierig, weil ich kurz zuvor eine Verletzung hatte und damit noch etwas zu kämpfen hatte.

Deutsche lieben David Hasselhoff. Können Sie sich erklären, warum?

Hasselhoff: Ich weiß es wirklich nicht. Es lag sicher auch daran, dass ich damals anders aufgetreten bin als deutsche Künstler. Ich schwebte bei meinem Auftritt 1989 direkt über dem Publikum, obwohl die Organisatoren es nicht wollten. Einer von ihnen sagte damals: "Bitte, bitte, bitte, bitte, geh' nicht ins Publikum." Ich habe es trotzdem gemacht. Das hat Aufmerksamkeit auf die Person David Hasselhoff gelenkt.

Aber "Knight Rider" hatte auch viel mit meiner Popularität zu tun. Die Leute haben das als Kind gesehen und sind damit erwachsen geworden – und ich bin immer noch da! Haben Sie "Knight Rider" und "Baywatch" gesehen?

Höchstens eine Folge, aber ich habe den "Spongebob"-Film gesehen.

Hasselhoff: Fanden Sie sie gut?

"Knight Rider" nicht, aber der Film war nett.

Hasselhoff: Sie sollten sich "Baywatch" anschauen, es würde Ihnen gefallen. Sehen Sie, das ist das Spannende an der Schauspielerei. In meinen alten Serien habe ich eine komplett andere Rolle gespielt als jetzt in "Ze Network". Das war für mich etwas Neues. Ich habe mir die Serie anschließend angeschaut und dachte über mich selbst: "Nicht schlecht, David."

David Hasselhoff in der neuen RTL-Serie "Ze Network"

Geben Sie sich noch immer die Mühe, in der Branche zu gefallen, oder kennt ein David Hasselhoff diesen Druck nicht?

Hasselhoff: Ich meine, ich bin David Hasselhoff! Aber im Ernst, ich schaue natürlich auch in den Spiegel und denke: Oh Gott. Vor einem Interview rasiere ich mich und werde geschminkt, um gut auszusehen. Das ist immer noch wichtig.

Wann gehen Sie in Rente?

Hasselhoff: Ich langweile mich schnell, ich glaube, das ist nichts für mich. Außerdem wünsche ich mir ein Comeback von "Knight Rider", die Welt braucht diese Serie unbedingt zurück. Und zwar mit mir.

Die erste Staffel "Ze Network" mit David Hasselhoff und Henry Hübchen startet am 1. November exklusiv auf dem RTL-Streamingportal RTL+.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.