"Stern TV"

Metzelder-Zeugin schildert brisante Details bei "Stern TV"

Brisanter TV-Auftritt: Die Frau, die den Fall Christoph Metzelder ins Rollen brachte, sprach am Mittwochabend bei "Stern TV" auf RTL.

Von Jörg Quoos
Metzelder: Gericht erklärt Urteil und strafmildernde Umstände

Metzelder: Gericht erklärt Urteil und strafmildernde Umstände

Schuldspruch, aber keine Haft: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder wurde wegen des Besitzes und der Weitergabe kinder- und/oder jugendpornografischer Dateien verurteilt, bleibt aber dennoch in Freiheit. Die Gerichtssprecherin begründet das Strafmaß. Metzelders Anwalt hingegen erwägt Revision oder Berufung.

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  • Der Fall Christoph Metzelder beschäftigte monatelang die Staatsanwaltschaft und die Medien
  • Im April wurde der frühere Nationalspieler wegen des "Besitzes und der Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien" verurteilt
  • Bei "Stern TV" äußerte sich vergangene Woche die ehemalige Freundin Metzelders, die den Prozess ins Rollen gebracht hatte

Am 29. April war das Urteil gefallen: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder wurde nach einem Teilgeständnis und nur einem Verhandlungstag vom Amtsgericht Düsseldorf wegen des "Besitzes und der Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien" zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Richter sprachen ihn schuldig, weil eine ehemalige Freundin und Chat-Partnerin ausgepackt hatte. Metzelder hatte ihr und zwei weiteren Frauen Bildmaterial geschickt, das unter anderem Erwachsene beim Missbrauch von minderjährigen Mädchen zeigt. Das Urteil war milde, ist mittlerweile rechtskräftig und wurde in der Öffentlichkeit wegen des geringen Strafmaßes heftig diskutiert. Christoph Metzelders Ruf hat es dennoch zerstört.

"Stern TV": Metzelder-Zeugin nicht live im Studio

Wer nach der Ankündigung von RTL erwartet hatte, dass die Zeugin live im Studio spricht, wurde enttäuscht. Lediglich ihr Anwalt Leon Kruse stand für Fragen von Moderator Steffen Hallaschka zur Verfügung. Die Zeugin hatte jedoch ein Team von Stern-TV getroffen, ihre Aussagen wurden in der Sendung eingespielt.

Zu sehen ist eine blonde junge Frau, die Haare zum Pferdeschwanz zurückgebunden. Sie trägt einen cremefarbenen Blazer, eine weiße Stehkragenbluse und eine helle Jeans. Ihr Gesicht ist durch Kamera-Unschärfe verfremdet, um ihre Persönlichkeit zu schützen. RTL stellt sie als "Marie B.", 42, aus Hamburg vor. Auch der Name ist nicht echt.

Sie lernt Metzelder im November 2018 über Instagram kennen, abonniert sein Profil. Metzelder meldet sich laut "Marie B." überraschend bei ihr. Bei RTL erzählt sie auf Deutsch mit auffällig ausländischem Akzent: "Dass er mir plötzlich schreibt, war ein unbeschreibliches Gefühl." Am 6. Dezember 2018 treffen sich beide laut Zeugin in einem Hamburger Restaurant, am 21. Mai 2019 folgt ein zweites Treffen in einem Hotel. Danach wurden die Chats intimer.

"Je perverser, desto besser" - Zeugin berichtet über Chatverkehr mit Metzelder

"Marie B." berichtet, wie es plötzlich um sexuelle Tabus ging. Metzelder soll ihr geschrieben haben "Je perverser, desto besser". Dann soll er immer konkreter geworden sein. RTL zeigt dazu nachgestellte Handy-Chatverläufe mit eindeutigen Inhalten. Ob sie wirklich authentisch sind, bleibt offen. Angeblich schreibt der Fußballer: "Ich stehe nicht auf Männer, deswegen junge Boys." Sowie: "Und junge Girls sind unschuldig und können noch geformt werden." Dieses von RTL veröffentlichte Posting endet mit einem Smiley. Es soll weitere explizite Chats geben, die RTL aus juristischen Gründen nicht zeigen darf.

Dann sendet Metzelder Fotos, insgesamt 27 Stück. Das ist gerichtsbekannt. Die Zeugin beschreibt im TV die Aufnahmen von Mädchen, denen von Erwachsenen sexuelle Gewalt zugefügt wird. Sie spricht von den "toten Augen der Kinder" und beginnt zu weinen, das Interview bricht kurz ab.

"Marie B." wird später von der Justiz beschuldigt, das Material zu spät an Ermittler weitergeleitet zu haben. Sie akzeptierte einen Strafbefehl über 500 Euro. RTL macht sich ihre Geschichte zu eigen und berichtet, die junge Frau habe Metzelder bewusst animiert, Bilder zu schicken, um ihn zu überführen. Dazu zeigt RTL einen weiteren Chatverlauf, den es zwischen Metzelder und Marie B. gegeben haben soll.

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Metzelder soll Bilder geschickt haben: "Das war für mich das Grauenhafteste"

"Lust auf Bilder?" - "Ja bitte" - "Vom Kleinen?" – "Was Du möchtest." Marie B. darf in Stern TV ihre Motivation für solche Postings erläutern, kritische Nachfragen gibt es nicht. Sie sagt: "Ich habe mir geschworen, dass er nur über meine Leiche damit durchkommen wird. Das war für mich das Grauenhafteste, was es gibt."

Im Studiogespräch stützt "Marie B.'s" Anwalt die These seiner Mandatin. Er sagt, es sei ein "total fatales Signal, dass überhaupt gegen meine Mandantin ermittelt worden ist". Auch Julia von Weiler, die Geschäftsführerin von "Innocence in danger e.V"., verteidigt die Kronzeugin als "wahnsinnig couragiert" und betont, wie wichtig ihr Verhalten gegenüber Metzelder im Sinne der Strafaufklärung gewesen sei.

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Fall Metzelder: Einseitige Berichterstattung bei "Stern TV"?

Ein juristischer Vertreter Christoph Metzelders ist im Stern-TV-Studio nicht dabei, daran krankt die Sendung. So hat niemand die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass Metzelder nicht nur seine Schuld eingestanden hat, sondern vor Gericht die Taten auch bereut und von "unsäglichem Leid für die Kinder" gesprochen hatte. Es ist sicher ein Randaspekt, gemessen an den Verbrechen gegen die Kinder. Dennoch hätte er in dem Beitrag seinen Platz haben sollen.