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ZDF-Krimi „Jenseits der Angst“ zeigt Feind im eigenen Bett

Anja Kling spielt in „Jenseits der Angst“ eine Frau, die an Wahnvorstellungen leidet. Doch vielleicht ist der Wahn doch die Realität?

Modedesignerin Lisa (Anja Kling, r.) glaubt, dass sie Karin Korschak (Svenja Jung, M.) totgefahren hat. Ihr Mann Ronald (Benjamin Sadler, l.) beruhigt sie.

Modedesignerin Lisa (Anja Kling, r.) glaubt, dass sie Karin Korschak (Svenja Jung, M.) totgefahren hat. Ihr Mann Ronald (Benjamin Sadler, l.) beruhigt sie.

Foto: Hans-Joachim Pfeiffer / ZDF und Hans-Joachim Pfeiffer

Essen. Ihr Atem geht schnell, ihre Augen sind weit aufgerissen, die Stimme wackelt, und die Musik sägt sofort ganz bedrohlich herum – hier will ein Krimi nicht viel Zeit verlieren: Die arme, schöne Frau, an der sich die Kamera festsaugt, hat Angst.

Sie hört flüsternde Stimmen, taumelt durch die Wohnung, und im letzten Alptraum ist sie gleich mal im roten Kleid vom Hochhausdach in die Tiefe gesprungen. Anja Kling muss mit allerlei Panikattacken direkt Vollgas geben in Thorsten Näters Thriller „Jenseits der Angst“, damit erstmal keine Fragen offen bleiben. Das ist nicht nur für sie anstrengend.

Kling spielt die Modesignerin Lisa, der gerade das ganze Leben so auffällig zu entgleiten scheint, dass für ruhige Zwischentöne keine Zeit bleibt — es muss erstmal alles schiefgehen. Vor allem in ihrer Firma geht es drunter und drüber, dabei will sie das Unternehmen doch demnächst an ein paar japanische Investoren verkaufen. Und hat der treusorgend herumscharwenzelnde Gatte Ronald (Benjamin Sadler) womöglich eine Affäre mit einem Laufsteg-Model – oder vermischen sich da Wahn und Wirklichkeit zu einem ungesunden Cocktail?

„Jenseits der Angst“ hat Potenzial für unterhaltsamen Abend

Egal, kurz darauf überfährt Lisa eben diese Blondine auch noch spätabends und vertuscht die Tat mit Ronalds Hilfe. Plötzlich sieht sie Tote vor ihrem Luxushäuschen herumstromern und schüttet die Drinks nur so herunter, um die Verwirrung zu betäuben. Das hat man mit Verlaub alles schon überzeugender und weniger berechenbar gesehen – oder muss man immer Gläser fallen lassen, wenn man sich erschreckt?

Thorsten Näter, der auch das Buch geschrieben hat, ist wenigstens klug genug, die detektivischen Stärken eines krimigewohnten Publikums nicht zu unterschätzen. Er macht relativ früh klar, was man ohnehin schon viel zu schnell spürt. Und darum ist man auch kein Spielverderber, wenn man hier schon mal verrät, dass der böse Ronald seine Ehefrau mit allen Tricks in den Wahnsinn treiben will, um ihre Firma zu übernehmen. Das ist so originell nicht, hat aber bei genügend Raffinesse immer Potenzial für einen unterhaltsamen Abend. Klappt hier nicht so ganz.

Mehr als die Hälfte des Films bleibt der armen Lisa nun, um den Spieß umzudrehen. Zu Hilfe kommt ihr ein überwiegend betreten dreinblickender IT-Experte (Moritz Grove), der sich erst wie ein Stalker aufführt, aber in Wirklichkeit natürlich ein gutes Herz hat.

Etwas weniger Vorhersehbarkeit hätte es schon sein dürfen

Man muss sich nicht mit dem US-Klassiker „Gaslight“ von 1944 messen, in dem die manipulative Kraft eines Mannes, um seine Frau zu vernichten, meisterhaft in Szene gesetzt wurde. Aber etwas mehr Spannung, etwas weniger Vorhersehbarkeit und etwas mehr Subtilität dürften es schon sein. Wenn Sadler die kleinen Lautsprecher unter dem Sofa abbaut, mit denen er gruselige Geräuschkulissen produzierte, wird es gar unfreiwillig komisch.

Joachim Hasse taucht das in unterkühlt blaustichige Bilder, wie man das aus skandinavischen Krimis kennt. Das sieht schick aus, es rettet den Film aber nicht wirklich.

Der Film „Jenseits der Angst“ läuft am Montag, 16. September um 20.15 Uhr im ZDF. Schon vorab war er in der Mediathek zu sehen. Die hat bekommt jetzt übrigens ein neues Konzept: Das erwartet die Nutzer der ZDF-Mediathek.