Vox-Show

„Sing meinen Song“: So berührt Wincent Weiss die Zuschauer

Michael Patrick Kelly stellt in Folge 1 von „Sing meinen Song 2019“ Wincent Weiss in den Mittelpunkt: mit überraschendem Ergebnis.

Da steckt mehr dahinter: Wincent Weiss kam in Folge 1 von „Sing meinen Song 2019“ sehr vielschichtig rüber.

Da steckt mehr dahinter: Wincent Weiss kam in Folge 1 von „Sing meinen Song 2019“ sehr vielschichtig rüber.

Foto: Markus Hertrich / TVNOW

Berlin. Es ist wieder Zeit, Musik zu hören und gerührt zu sein: Die sechste Staffel „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ ist gestartet. Michael Patrick Kelly ist der Gastgeber der Vox-Show, die 2019 vielleicht so international ist wie nie zuvor. Der irisch-amerikanische Kelly begrüßt im südafrikanischen Musiker-Lager neben Johannes Oerding, Wincent Weiss, Jennifer Haben (Beyond the Black) und Jeanette Biedermann auch den Spanier Alvaro Soler und den Belgier Milow.

In Folge 1 stand am Dienstagabend auf Vox Wincent Weiss im Mittelpunkt: „Der deutsche Justin Bieber“, wie Jennifer Haben ihn nennt, schwimmt gleich zu Beginn erstmal durch den Pool. Es gibt ja auch kaum ein besseres Motiv, um einen ehemaligen DSDS-Teilnehmer und derzeitigen Deutsch-Pop Sänger darzustellen.

„Sing meinen Song“: Michael Patrick Kelly sucht die „Story behind the Story“

Michael Patrick Kelly möchte gerne die „Story behind the Story“ von Wincent Weiss herausfinden. Da kann man lange suchen, werden wohl einige gedacht haben. Und wurden im Laufe der Sendung eines Besseren belehrt.

Und dann geht es auch schon los. Das, so muss man es einfach mal Vox zugutehalten, ist wirklich angenehm: Die Sendung wird – bis auf eine Ausnahme – nicht von Werbung unterbrochen. Da ist man von „Let’s Dance“ und Co. ganz anderes gewohnt.

Milow singt auf Deutsch und Englisch

Opener der Show ist Milow. Während man sich noch fragt, was der 37-Jährige bei einer deutschen Musikshow macht, erklärt er schon, dass er in Belgien auf dem Gymnasium Deutsch gelernt habe. „Was für eine Nacht / Bin mit ‘nem Schädel aufgewacht / Gieß den Kaffee wie in Zeitlupe ins Glas“, singt der Sänger mit ungewohnt sanfter Stimme, leichtem Akzent und nur von der Gitarre begleitet ins Mikrofon.

Ähnlich wie bei Lena Meyer-Landrut vor zwei Jahren überrascht auch Milows Stimme, die im Deutschen ganz anders klingt. Etwas weicher, weniger kantig, aber sehr gefühlvoll. Ab der zweiten Strophe wechselt er dann die Sprache. Mit den ersten englischen Worten ist „Musik sein“ auf einmal ein Milow-Song und sollte besser umgetauft werden auf „Gotta Be Music“.

„Wenn ich mal Vater werde, werd ich nie so sein wie du!“

Den Höhepunkt der Sendung zu bestimmen, fällt gar nicht so leicht. Vielmehr sind es mehrere, und einer davon der Auftritt von Wincent Weiss selbst. Ungewohnt schlicht und mit angenehm minimalistischer Produktion singt der 26-Jährige zum ersten Mal einen Song seines neuen Albums „Irgendwie anders“ in der Öffentlichkeit: „1993“.

„Kenn’ dich nur aus Geschichten und nicht mal deinen Namen. So’n Typ auf den Fotos, der nie nach Hause kam. Und alles was bleibt, ist nur irgendein Gesicht – und ein Danke, danke für nichts!“, singt Wincent Weiss da über seinen Vater.

Wincent Weiss tritt fast schmerzhaft ehrlich auf

Nach „Feuerwerk“ und „Musik sein“ hat man ja alles erwartet, aber nicht eine Nummer, die so wenig gefällig ist, sondern einen viel mehr zusammenzucken lässt vor geballter Ehrlichkeit. Wen die letzten Worte nicht berühren, der muss schon aus Beton gegossen sein. „Ich hab‘ eins von dir gelernt, das geb’ ich gerne zu: Wenn ich mal Vater werde, werd ich nie so sein wie du!“

Wincent wurde von seiner Mutter und den Großeltern aufgezogen. Gefehlt habe ihm nichts, sagt er. Doch die fehlende Beziehung zu seinem Vater habe ihm immer wehgetan. Deswegen wolle er alles anders machen: „Ich habe einen ganz krassen Familienwunsch und kann es gar nicht erwarten, selbst Papa zu werden“, erzählt der 26-Jährige. Eine erstaunliche Aussage von so einem jungen Mann – und ein weiterer Beweis, dass man ihm Unrecht tut, wenn man ihn einfach in diese Schnulzi-Bulzi-Deutsch-Pop-Sänger-Schublade steckt.

Wincent Weiss erzählt von Selbstmord seines Freundes

Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von Gastgeber Michael Patrick Kelly. Mit einem Trompeten-Solo eröffnet er seine ausgewählte Nummer, „Ich tanze leise“. Ein Song über den Selbstmord eines guten Freundes von Weiss.

Wincent Weiss lässt an diesem Abend so einige Bomben platzen. Sei es die fehlende Beziehung zu seinem Vater, der Selbstmord eines Freundes oder das Beziehungsende mit einer Frau, die er eigentlich heiraten wollte. Irgendwie weiß man gar nicht so genau, wie man damit umgehen soll – so überrascht, fast schon peinlich berührt, ist man von dieser geballten Ehrlich- und Direktheit.

Auch in Folge 1 von „Sing meinen Song 2019“ werden Augen feucht

Erstaunliches Resümee: Wincent Weiss ist gar nicht so eindimensional, wie er durch seinen Radio-Hits leicht wirkt – und die neue Staffel „Sing meinen Song“ ist absolut vielversprechend.

Denn ob Alvaro Solers Deutsch-Premiere mit „Ein Wunder“ gepaart mit seinem ordentlichen Hüftschwung, Jeanette Biedermanns „Feuerwerk“ in überraschend rockigen „Ideal“-Manier, Version von „Hier mit dir“, die klingt, als stamme sie aus seiner eigenen Feder oder Jennifer Habens Light-Metal-Version von „Pläne“ – es sind rundum gute und zumeist auch überraschende Auftritte, die, das ist wohl der Erfolgsgarant dieser Sendung, manch einem die Tränen in die Augen treiben.

Das weckt die Spannung auf die nächste Folge „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ am 14. Mai: Dann wird Johannes Oerding mit seiner Musik im Mittelpunkt stehen. (Johanna Ewald)