ARD-Serie

„Lindenstraße“-Star Andrea Spatzek erfuhr aus Medien vom Aus

Andrea Spatzek war 25, als sie in der „Lindenstraße“ Gabi Zenker wurde. Das Ende der Kultserie hat die Schauspielerin kalt erwischt.

Lindenstraßen-Aus

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Köln/Berlin.  Die Nachricht erreicht Andrea Spatzek auf dem Golfplatz in Griechenland. Sie spielt ein Charity-Turnier, Marie-Luise Marjan ist auch dabei. Ein Blick aufs Handy, nur um zu sehen, ob es auch lautlos gestellt ist, da sieht sie, was ihr eine Freundin geschickt hat:

Die „Lindenstraße“ wird eingestellt. Im März 2020 soll die letzte Folge laufen, nach gut 34 Jahren. Nicht nur für das deutsche Fernsehen wird damit eine Ära zu Ende gehen. Andrea Spatzek war 25, als sie Gabi Zenker wurde; sie wird 60 sein, wenn sie sich von der Rolle ihres Lebens verabschieden muss.

Das Ende hat die österreichische Schauspielerin, wie sie am Telefon erzählt, kalt erwischt. „Das war doch sehr, sehr abrupt“, sagt sie. Die Nachricht kam an die Öffentlichkeit, noch bevor die Produzenten sie und „Mutter Beimer“-Darstellerin Marjan erreichen konnten. Und Anzeichen habe es keine gegeben. „Daher kommt es umso schmerzlicher.“

Sie sagt aber auch: „Das Leben geht weiter, egal wie.“ Bodenständig und realistisch klingt das, wie etwas, dass auch Gabi Zenker sagen würde, ihr Alter Ego der vergangenen Jahrzehnte. Gabi hat sich immer zu helfen gewusst, bei allen Schicksalsschlägen, von denen es in der „Lindenstraße“ bekanntermaßen reichlich gibt.

Andrea Spatzek macht sich Gedanken über Zukunft

Realistisch sein heißt aber auch, an die Zukunft zu denken. Golf spielen in Griechenland: Das mag glamourös klingen, aber was An­drea Spatzek jetzt beschäftigt, ist die Frage, wie sie künftig ihren Lebensunterhalt verdienen wird.

Als Ensemble-Mitglied der „Lindenstraße“ wird man nicht wie ein amerikanischer Serienstar bezahlt. Also nicht so, dass man ausgesorgt hat, wenn man es nur lange genug macht. „Natürlich konnten und können wir uns glücklich schätzen, eine gewisse finanzielle Stabilität zu haben, ein monatliches Einkommen“, sagt Spatzek. Aber in Frührente gehen könne sie deshalb nicht. „Ich muss schon noch ein paar Jahre arbeiten.“

Außerdem sei sie nun einmal leidenschaftliche Schauspielerin. Noch ist sie eine Schauspielerin ohne eine Agentur, die sich für sie um neue Rollen kümmern würde. Brauchte sie ja bisher nicht. Dass es eines Tages nötig werden könnte: Bis vor einer Woche kein Gedanke. „Man fragt sich natürlich – mit 60 Jahren, was mache ich dann?“, sagt sie. Zum Glück stehe ihr Sohn inzwischen auf eigenen Beinen, 24 wird er im Dezember, sie hat ihn allein großgezogen.

Hans W. Geißendöfer wählte sie aus

Wie alles anfing bei der „Lindenstraße“: Auch das hat sie noch genau vor Augen. „Als wär’s gestern gewesen.“ 25 Jahre alt war sie. Die Schauspielausbildung am Mozarteum in ihrer Heimatstadt Salzburg lag hinter ihr, zwei Jahre Theater in Oldenburg, gerade hatte sie ein Engagement am Wiener Volkstheater.

Nun saß sie in einer Hotelsuite, mit 40 anderen jungen Frauen, und „Lindenstraßen“-Erfinder Hans W. Geißendörfer kam rein. Die Vorauswahl habe er aus Zeitmangel per Fingerzeig gemacht: Sie können bleiben, Sie, Sie und Sie. Er zeigte auch auf Andrea Spatzek.

Gesucht wurde eine Schauspielerin, die eine einfache Frau spielen sollte, Näherin, Proletarierin. „Und Sie hätten Zeit und Lust, für ein Jahr, zwei Jahre evt. mehr ...?“ Natürlich nickte Andrea Spatzek. Aber sie dachte: Um Gottes Willen, so lange. Wie viel mehr Jahre es werden würden – das konnte niemand ahnen.

Nur noch 45 Folgen im nächsten Jahr

Die Figur der Gabi Zenker hätte theoretisch, wie viele andere in der Serie, kommen und gehen können. Benno Zimmermann, Gabi Zenkers erster Ehemann und die erste Figur, die in einer deutschen Fernsehserie an Aids starb, wurde von Bernd Tauber gespielt. Der wollte nach drei Jahren weiterziehen. Wie sich daraus auch für Andrea Spatzeks Rolle neue Schritte ergaben, wie sich durch solche Abschiede die Serie immer weiterentwickelt hat: Das schätzt sie besonders. Gabi traf Andy Zenker und seine vier Kinder. Darunter Jo, gespielt vom jungen Til Schweiger – auch das war die „Lindenstraße“. Mutter Beimer bis Jo Zenker – Die Stars der „Lindenstraße“.

Nicht immer zogen die Schauspieler einfach weiter zu neuen Projekten, manche starben sozusagen im Dienst. Wie Ute Mora, die von 1985 bis zu ihrem Krebstod 2003 Berta Griese spielte. Die Todesnachricht sei ein Schock gewesen, sagt Spatzek. „Da spritzen dir die Tränen waagerecht aus den Augen.“ Im Leben wie im Drehbuch war es ganz anders geplant.

Spatzek ist eng verbunden mit den Geschichten, die der WDR seit 1985 von Köln aus über die fiktive Münchner „Lindenstraße“ erzählt. „Ich lebe das mit“, sagt sie. Wenn sie die Drehbücher liest, kann sie die fertige Folge fast schon vor ihrem inneren Auge sehen, so gut kennt sie die Kollegen.

Am Sonntag ist Folge 1697 dran. Wie es weitergeht, jetzt, wo ein Ende in Sicht ist? „Im nächsten Jahr drehen wir noch 45 Folgen. Und wir werden wie bisher ganz normal das Leben zeigen, mit allen Höhen und Tiefen.“ „Lindenstraße“ eben.