Die Frau haut ihn um. Buchstäblich. Sie kann ja nicht ahnen, dass es sich bei dem Mann um einen Kommissar handelt. In der neuen „Tatort“-Folge „Zorn Gottes“ ermittelt Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) undercover, er soll deutsche Flughäfen auf Sicherheitslücken überprüfen und versucht in Hannover, eine obskure Tasche am Zoll vorbeizuschleusen und danach abzuhauen. Klappt aber nicht. Denn Julia Grosz (Franziska Weisz) von der Flughafeninspektion knockt ihn aus. Von allen neuen Ermittlerkonstellationen im „Tatort“ geht diese schlechtestmöglich los. Und verspricht erst mal Spannung.

Wotan Wilke Möhring sind ja zuletzt die Felle weggeschwommen. Erst warf Sebastian Schipper als Nr. 3 seiner „Tatorte“ hin – wegen der schlechten Bücher. Dann gab auch Petra Schmidt-Schaller als Ko-Kommissarin auf. Ohne Gründe zu nennen. Die Chemie soll nicht gestimmt haben. Heißt es jedenfalls hinter vorgehaltener Hand.
Möhrings siebter Einsatz ist also eine Art Neustart. Und die Österreich geborene, aber in Kreuzberg lebende Franziska Weisz legt damit einen auch im übertragenen Sinn umwerfenden Einstieg hin. Er von der Küste, sie von den Bergen, er ständig quasselnd, sie völlig einsilbig – stärker könnten die Gegensätze kaum sein. Und doch werden die beiden aneinandergeschweißt.

Denn wie es der Zufall so will: Ausgerechnet Falkes Realtest für Terrorabwehr lenkt von einem echten Sicherheitsleck ab: Ein Schleuser verschwindet mit einem arabischen Ankömmling. Der Witz nur: Für Schleuser scheinen alle Araber gleich auszusehen.
Das Ganze ist jedenfalls ein Missverständnis, der Mann ist der Falsche. Aber bevor er Alarm schlagen kann, ist er tot. Um den Mord sollen sich nun, na klar, Frau Grosz und Herr Falke kümmern. Falke muss sich bis Ende der Folge sowieso für einen neuen Partner entscheiden. Und man ahnt schon, worauf das hinausläuft.
Regisseur Özgür Yildirim („Chiko“), der schon vor drei Jahren den allerersten Möhring-„Tatort“ inszeniert und dessen Kommissars mitkreiert hat, und Drehbuchautor Florian Oeller verhandeln das wie nebenbei.

Denn eigentlich handelt ihr sehr ruppiger und kinotauglich realisierter Fall von gleich zwei aktuellen Reizthemen: von Schleusern und IS-Terroristen. Der echte Mann (Cem Ali-Gültekim), der da ins Land geschmuggelt werden soll, wurde zum Hass erzogen, hat in Syrien gekämpft und kehrt nun nach Deutschland zurück, weil er hier einen Anschlag plant.
Damit spielt dieser „Tatort“ einen bedrückenden Ernstfall durch, was durch die Anschläge auf Paris eine unerwartete Aktualität erhielt: IS-Kämpfer stürmen mit MGs und Machete ein Krankenhaus. Schleuser und Dschihadist erkennen dabei mehr Ähnlichkeiten, als ihnen lieb sind. Wie das alles inszeniert ist, mit Digga-Chiko-Slang, ohne zur bloßen Krimikulisse zu verkommen, ist beeindruckend. Und ganz klar wird: Das neue Team hat viel Potenzial.
„Tatort: Zorn Gottes“ ARD, 20.3., 20.15 Uhr




