ARD-Krimi

Hannes Jaenicke über Krimiflut: „Das Publikum will es so“

In einer neuen ARD-Reihe spielt Hannes Jaenicke einen Ex-Kommissar in Italien. Nun spricht er über seine Wurzeln – und die Krimiflut.

Foto: ARD Degeto/Gordon Mühle

Essen.  In der neuen ARD-Reihe „Der Urbino-Krimi“ spielt der gebürtige Frankfurter Hannes Jaenicke (56) einen deutschen Ex-Kommissar, der als Olivenbauer im italienischen Renaissancestädtchen Urbino lebt und sich dort regelmäßig in die Fälle der örtlichen Polizei einmischt. Neben ihm ist unter anderem Katharina Wackernagel (37) zu sehen. Die erste Folge, „Die Tote im Palazzo“, läuft am Donnerstag um 20.15 Uhr im Ersten.

Herr Jaenicke, Sie spielen in den neuen Italienkrimis der ARD einen Ermittler. Was ist in Ihren Augen das Faszinierende an Italien?

Hannes Jaenicke : Das Land hat alles, was uns oft fehlt. Die Leichtigkeit, die Lebensart, den Sinn für Ästhetik, dazu die Muße und Ruhe, mit der die Italiener essen und das Leben genießen. Man kann wirklich verstehen, dass Italien immer ein Sehnsuchtsland der Deutschen war.

Das klingt ganz so, als würde Sie das ein oder andere an Deutschland stören …

Hannes Jaenicke : Naja, wir haben natürlich auch Sachen, die den Italienern vorne und hinten fehlen. Und nach den 17 Jahren Regierungszeit, in denen Herr Berlusconi Italien ruiniert hat, möchte ich nicht unbedingt dort leben. Aber es zu besuchen ist ein Traum.

Kennen Sie das Land gut?

Hannes Jaenicke : Mütterlicherseits bin ich italienischer Abstammung, deshalb kenne ich das Land seit meiner frühestens Kindheit. Es gibt allerdings blinde Flecken. Dazu gehörten bislang die Marken, wo die Krimireihe spielt, eine Region östlich der Toskana. Gedreht haben wir in Urbino, das unglaublich schön ist und eine der berühmtesten Renaissancestädte der Welt. Ich kannte das vorher überhaupt nicht. Aber ich kenne den Süden mit Sizilien, Apulien und Kalabrien, und ich war viel am Comer See, meine Oma hat da eine Zeit lang gelebt.

Demzufolge sprechen Sie fließend Italienisch?

Hannes Jaenicke : Ehrlich gesagt miserabel. Aber mein Speisekartenitalienisch ist gut genug, um nicht zu verhungern und ein Hotel zu finden.

Haben Sie südländische Wesenszüge?

Hannes Jaenicke : Genetisch muss ich die Frage mit Ja beantworten. Aber ansonsten – keine Ahnung. Meine Arbeitsethik habe ich in Deutschland gelernt, und meinen Hang zu den deutschen Tugenden Pünktlichkeit und Arbeitswut finde ich manchmal selbst lästig an mir. Aber ich habe zumindest eine Riesensympathie für italienische Lebensart.

Die Urbino-Serie ist nur eine von vielen Krimiformaten, die das Erste dieser Tage startet. Können Sie die Kritik an der Inflation von Krimisendungen im Fernsehen verstehen?

Hannes Jaenicke : Die verstehe ich einerseits sehr gut. Andererseits ist es ja so, dass das deutsche Publikum letztendlich bestimmt, was wir drehen. Es ist eine Tatsache, dass die Krimiformate nahezu ausnahmslos erfolgreich sind. Egal ob „Tatort“, „Soko“ oder „Polizeiruf“ – die Sachen laufen. Es ist eine gewisse Monokultur, da gebe ich Ihnen recht, aber wir bedienen einen Publikumswunsch. Wenn die Deutschen am liebsten Krimi gucken, dann drehen wir eben Krimis.

• Donnerstag, 17. März, um 20.15 Uhr, ARD: „Der Urbino-Krimi – Die Tote im Palazzo“

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