Maybrit Illner

AfD-Chefin Frauke Petry gibt im ZDF den Anti-Höcke

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry lockt mit einfachen Parolen. Bei Maybrit Illner ging ihr sogar ein Ex-SPD-Politiker auf den Leim.

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative für Deutschland), hat bei Maybrit Illner versucht, die Äußerungen von Björn Höcke vergessen zu lassen.

Frauke Petry, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative für Deutschland), hat bei Maybrit Illner versucht, die Äußerungen von Björn Höcke vergessen zu lassen.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  Wer gedacht hatte, nach dem Krawall-Auftritt von AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke bei Günther Jauch würde die Parteichefin Frauke Petry in Maybrit Illners ZDF-Runde über „Mörderische Hetze“ in Sack und Asche gehen, der sah sich am Donnerstagabend zunächst bestätigt. Na gut, räumte Petry ein, ihr Parteifreund Höcke habe bei Jauch und bei anderen öffentlichen Auftritten nicht den richtigen Ton getroffen und er „ist bereit, diesen Stil zu ändern“. Und die AfD sei eine junge Partei, die „an ihrem Auftritt arbeiten“ müsse. Doch das war es dann auch schon mit der Selbstkritik.

Wie Petry sich den passenden Auftritt der AfD offenbar vorstellt, demonstrierte sie gleich selbst: Keine Brachial-Rhetorik wie Höcke, sondern redegewandter Populismus. Kein Schwadronieren von „1000 Jahren Deutschland“, wie der AfD-Mann bei Jauch, sondern beifallheischende Attacken gegen „die da oben“. Die AfD als Stimme der schweigenden Mehrheit im Lande.

Ist die Bundeskanzlerin schuld an der Krise?

Denn die Politiker, so Petry, trügen letztlich die Schuld an der Flüchtlingskrise: „Die Probleme waren seit Jahren absehbar. Die Regierung hat viel zu lange nicht gehandelt. Sie hält sich nicht mehr an die eigenen Gesetze.“ Und die Bundeskanzlerin habe sogar dafür gesorgt, „dass alle reinkommen können“. Dabei sei bei den Flüchtlingen „die Obergrenze für dieses Jahr definitiv erreicht“. Dass man jetzt die Asylverfahren beschleunigen und Abschiebungen rigoroser durchsetzen wolle - alles viel zu spät. Kritische Einwände, etwa von Vize-CDU-Chef Armin Laschet, erstickte Petry mit ihren Stakkato-Sprech meist im Ansatz.

Die AfD sieht sich ebenso wie die Pegida-Bewegung in Dresden wieder im Aufwind. Der Flüchtlingsstrom weckt Ängste bei Bürgern, denen Angela Merkels Mantra „Wir schaffen das“ nicht reicht. Zu den Zweiflern gehört auch Lutz Trümper, Oberbürgermeister von Magdeburg und bis vor einer Woche Mitglied der SPD. Als er sich mit Teilen der Partei wegen der Flüchtlingspolitik überwarf, gab Trümper nach mehr als 20-jähriger Mitgliedschaft sein Parteibuch zurück.

Wer etwas sagt, steht in der rechten Ecke

„Wie geht es wirklich weiter?“, wollten die Menschen wissen, so Trümper. Doch die Parteien ließen Kritik am politischen Umgang mit dem Flüchtlingsproblem nicht zu. „Jeder der irgendwas sagt, wird sofort in die rechte Ecke gestellt“, schimpfte der Rathauschef, „das geht so nicht.“ Und die Bundeskanzlerin habe mit ihrer Entscheidung für die Öffnung der Grenze und dem Verzicht auf eine Registrierung der Flüchtlinge kurzerhand „das Dublin-Verfahren außer Kraft gesetzt“. Hätte man die Menschen aber registriert, argumentierte Trümper, „dann hätte man sie auch zurückschicken können“.

Petry spielt mit Ressentiments

Ob dem Ex-Sozialdemokraten bewusst war, wie sehr er mit seinen Worten der AfD-Chefin eine Freude bereitete? Frauke Petry jedenfalls nahm Trümpers Äußerungen dankbar als Beleg für ihre Kritik an den Parteien, die der Wahrheit nicht ins Auge blicken wollten: Trümpers Worte seien ein Beleg dafür, „wie man Leute zu Rassisten stempelt“, meinte Petry. Nur um gleich darauf umso tiefer in die fremdenfeindliche Kiste zu greifen: Gerade gebe es „wieder einen Vergewaltigungsfall in Dresden, bei dem klar ist, wer es gewesen ist“.

Verfassungsschutz liefert Freifahrtschein für Pediga

Auch die knappen Äußerungen des sächsischen Verfassungsschutz-Präsidenten Gordian Meyer-Plath dürften Frauke gefallen haben. Auf Illners Frage, ob seine Behörde Gruppierungen wie Pegida ins Visier nehmen müsste, meinte Meyer-Plath: Was er da bei Pegida höre und sehe, „das reicht mir noch nicht“ für eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz; man müsse „auch entlastende Aspekte sehen“. Welche diese Aspekte sein könnten, sagte Meyer-Plath nicht.