Günther Jauch

Frau Schwesig und die Frage, warum Frauen weniger verdienen

Männer verdienen im Schnitt 22 Prozent mehr als Frauen. Wie kann das ändern? Familienministerin Manuela Schwesigt meint: mit mehr Transparenz in den Betrieben. Das soll ein Gesetz regeln. Hilft das?

Foto: ARD

Es war fast, als wollte Günther Jauch ein paar Gänge herunterschalten nach all dem Aufruhr um Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis in der vergangenen Woche. Das Thema war zwar nicht minder kontrovers – es ging um die Lohngerechtigkeit zwischen Mänern und Frauen –, aber es herrschte doch ein sachlicher, beruhigter Ton, der am letzten Sonntag vollständig gefehlt hatte.

Worum ging es genau? Es ging um die kürzlich veröffentlichte Gehaltsstatistik, wonach der Unterschied zwischen Männer- und Frauengehältern immer noch erstaunliche 22 Prozent beträgt. Familienministerin Manuela Schwesig möchte die Arbeitgeber deshalb zu mehr Transparenz verpflichten – und es Betrieben von mehr als 500 Beschäftigten auferlegen, die Gehälter für bestimmte Positionen offen zu legen.

Am Beispiel Schwedens

Die Frage lautete jetzt: Hilft das eigentlich? Jauch selbst führte das Beispiel Schweden an, wo eine vergleichbare Regelung schon seit einigen Jahren in Kraft ist, aber zu keiner signikanten Angleichung von Männer- und Frauengehältern geführt hat. Die Journalistin Elisabeth Niejahr wies denn auch darauf hin, dass „Transparenz nicht alles“ sein könne – was es brauche, sei eine Veränderung der Kultur des Denkens. Sie erinnerte an den gebräuchlichen Begriff der „Doppelverdiener“ – der ja deutlich ausspricht, was wir heute für den gesellschaftlichen Normalfall halten: dass eine Person eines Haushaltes – meist die Frau – sich um Erziehung und Pflege der Angehörigen zu kümmern habe, während die andere – meist der Mann – das wirtschaftliche Wohlergehen derselben sicherstelle.

Um diese Kultur kreiste die Sendung. Der ehemalige Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger, der als Initiator der dortigen 30-prozentigen Frauenquote gilt, wehrte sich gegen eine gern verwendete Begründung für den Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern: dass Frauen eben nicht so hart für die eigenen Interessen eintreten würden wie Männer: „Die Frage ist doch: Muss ich wie ein Orang Utan verhandeln, damit ich was kriege?“ fragte Sattelberger. Es sei Aufgabe der Personalverantwortlichen, in dieser Frage Gerechtigkeit walten zu lassen.

Historische Ursachen

Wirtschaftsjournalist Roland Tichy erklärte die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern aus der Geschichte der Arbeiterbewegung heraus. Die gewerkschaftlich organisierte Interessenvertretung habe zum Beispiel nicht für Berufe aus der Pflegebranche, sondern aus der Industrie gekämpft, so Tichy. Seinem wirtschaftsliberalen Credo gemäß hält er eine allzu starke staatliche Intervention in diesem Fall nicht nur für schädlich, sondern auch für sinnlos. Er erinnerte daran, dass die Teilzeitregelung, die vor 25 Jahren noch politisch als großer Erfolg gefeiert wurde, nun für die Differenz mitverantwortlich sei.

Ein harter Dissens oder auch nur ein scharfer Wortwechsel wollte sich in der Sendung nicht recht einstellen. Einzig der Unternehmer Marcus Wöhrl warf Schwesig vor, einen „Grabenkampf“ zu betreiben – die Konzentration auf die Geschlechterfrage sei für ihn praxisfremd. Schwesig entgegnete, ihr als für Frauen zuständige Ministerin könne eine existierende Benachteiligung nun einmal nicht egal sein. Ob sie denn das Gesetz noch in diesem Jahr noch durchs Parlament bekomme, wollte Jauch abschließend wissen. Erst kürzlich, am Aktionstag „Equal Pay Day“, hatte sie das bei mehreren Auftritten in Aussicht gestellt. Nun klang sie etwas gedämpfter – zumindest ein Entwurf solle in diesem Jahr noch vorgestellt werden.

Eine beruhigte, sachliche Sendung also mit wenig Streit – und mit immerhin zwei weiblichen Gästen. Von fünf.