Es war ein bemerkenswerter Moment. Als Jürgen Todenhöfer in der zwölften Sendeminute bei „hart aber fair“ erstmals das Wort bekam, wurde es still. Er redete etwa zehn Minuten, konzentriert, und er wurde fast nicht unterbrochen. Sowas ist selten in Frank Plasbergs Talk-Runden. Aber es lag eben an dem Mann, der als einziger unmittelbar erlebt hat, worüber die meisten anderen nur mehr oder weniger mutmaßen können.

Todenhöfer war im Dezember in der nordirakischen Stadt Mossul zwei Wochen bei der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS). „Ich weiß, dass die IS die Strategie verfolgt, mit heftigen lauten Parolen Angst zu schüren im Westen“, sagte er.

„Da sollten wir nicht darauf hineinfallen. Und sollten mit großer Gelassenheit, wenn irgendwelche Drohungen kommen, auf diese Drohungen reagieren und dann unsere Polizei und unsere Spezialisten ihre Arbeit machen lassen.“

Drohungen. In Dresden war nach Morddrohungen die montägliche Demonstration der antiislamischen Pegida-Bewegung verboten worden. Plasberg hatte deshalb kurzfristig das Thema seiner Sendung umgeworfen und fragte: „Terrorangst in Deutschland – wie nah ist die Gefahr?“

Mit Angst komme man gegen Fakten ganz schwer an, sagte Plasberg, und dennoch präsentierte er in einem Einspieler ein paar interessante Zahlen: Seit 2001 sind in Deutschland zwei Menschen durch einen islamistischen Terroranschlag ums Leben gekommen. Im selben Zeitraum verunglückten mehr als 6700 Radfahrer tödlich. Außerdem starben seit 2001 90.000 Menschen bei Unfällen im Haushalt. Hat also Todenhöfer vielleicht Recht, mit seiner Forderung nach „großer Gelassenheit“?

Niederlage der Freiheit?

Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum sieht das Demonstrationsverbot von Dresden als Niederlage für die Freiheit an: „Denn ein Grundrecht, ohne dass die Demokratie nicht funktioniert, ist jedenfalls für heute in ganz Dresden außer Kraft gesetzt worden. Es geht ja nicht nur um eine Demonstration, in ganz Dresden darf nicht demonstriert werden.“

Was das für Pegida bedeutet, brachte der Journalist Georg Mascolo auf den Punkt: „Pegida ist zu einem Symbol der Meinungsfreiheit geworden, was ich ihnen nicht unbedingt gönne. Die Islamisten haben ohne Frage einen Sieg erzielt, weil sie nun wissen, dass auch die konkrete Androhung einer Gewalttat schon ausreichen kann.“

Und trotzdem. Was will die Terrororganisation IS? Todenhöfer sagte, er halte den Islamischen Staat für viel stärker als Al-Qaida: Ihre Vorstellung sei, „dass sie jetzt den Mittleren Osten erobern. Das nächste Land soll Jordanien sein, dann vielleicht Saudi-Arabien und irgendwann in einer späteren Phase kommt der Westen dazu. Den wollen sie auch erobern, sie wollen die Weltherrschaft.“

Muslime als Freunde

Und wie soll man sie bekämpfen? „Ich glaube, dass wir die Muslime wirklich in unser Land als Freunde integrieren müssen. Da finde ich die Anti-Pegida-Demonstrationen etwas Großartiges“, meinte der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete. Außerdem sollte man aufhören, die Probleme mit Bomben lösen zu wollen. „Bei Bombardierungen töten wir zu 90 Prozent Unschuldige. Und aus den Verwandten heraus entstehen neue Terroristen.“

Besiegen könne diesen Terrorismus nicht der Westen, sondern nur die sunnitische Minderheit im Irak. „Die ist nach dem Einmarsch von Bush von der Macht verdrängt worden. Das sind etwa acht bis zehn Millionen Menschen, die sind diskriminiert worden, die sind in Gefängnisse geworfen worden, die haben ihre Jobs verloren. Als die Terrororganisation IS vor Mossul auftauchte, da haben die gesagt, für uns ist IS das kleinere Übel.“ Der Westen müsse mithelfen, dass die Sunniten im Irak wieder ins politische Leben integriert werden. „Nicht Bomben – sondern Politik brauchen wir“, sagte Todenhöfer. Und so wurde in Plasbergs Talkrunde eben auch einmal Weltpolitik gemacht.