Mal ehrlich: Hätte man diese Sendung als eine von vielen irgendwann in den Neunzigern gesehen oder auch in den frühen nuller Jahren – wäre sie jemandem aufgefallen? Hätte jemand laut nach der Einstellung gerufen, die Verschwendung von Gebührengeldern beklagt, dem Moderator die Leviten gelesen? Niemand hätte das getan. Das einzige, was der gestrigen Folge von „Wetten, dass..?“ vielleicht fehlte, war die nonchalante Schnoddrigkeit von Thomas Gottschalk – aber das kann man Markus Lanz schon deshalb nicht vorwerfen, weil er eben nicht Thomas Gottschalk ist.

Aber all das, was man Lanz so oft vorgeworfen hatte in den Sendungen zuvor – die hölzerne, leicht verkrampfte Art, die manchmal peinlich zotigen Witze – das kam diesmal nicht vor. Lanz wirkte bei der Sendung aus Erfurt gelöst und souverän wie nie, und das war sicher deshalb so, weil ihm mit dem angekündigten Ende der Sendung eine große Last von den Schultern genommen war. Und er wusste Wetten zu präsentieren, die unterhaltsam waren.

Da wurden Hunde auf Frisbeejagd geschickt und im Anschluss anhand ihrer Beißspuren identifiziert; da brieten Feuerspucker Popcorn, da ließ jemand Dosen platzen nur mit der Kraft seiner Hände und fegte damit Dosenpyramiden vom Regal; da bauten Studenten ein Surfbrett aus Plastikflaschen und benutzten es sogleich - und in der Kinderwette sahen wir akrobatische Fallrückzieher eines Elfjährigen, der Fußbälle von einem Trampolin aus in Mülltonnen beförderte.

Auch bei den Gästen funktionierte das seit Jahrzehnten wirksame Erfolgsrezept der Sendung. Es besteht ja gerade darin, dass hier so grundverschiedene Typen wie Atze Schröder und Megan Fox aufeinandertreffen. Das sorgte ebenso für manches Küsschen (Diane Keaton küsste so ungefähr jeden) wie für genau jene absurden Dialogfetzen, die Gottschalk einst zum Leitmotiv der Sendung ausbaute: „Do you know the german Dübel?“, fragte Lanz irgendwann Megan Fox, die das natürlich nicht verstand.

Lenny Kravitz sah sich genötigt, die wieder aus der Versenkung aufgetauchte Band Tokio Hotel zu loben, obwohl der Studiosound denen keine große Hilfe war. Dann tauchte noch Wolfgang Joop auf, und wären da nicht Diane Keaton und Megan Fox schon wieder weg gewesen, hätte tatsächlich ein beachtlicher Trupp Prominenz auf dem Sofa gesessen. So hatte die kleine Runde am Ende etwas von einem letzten Geleit. Zwei Sendungen sind es noch. Diese war gut.