„Tatort“

Im „Tatort“ aus Köln suchen Kommissare nach der großen Liebe

Die Chefin einer Partnervermittlungs-Agentur wird erschlagen aufgefunden. War es ein gehörnter Ehemann? Ein frustrierter Liebhaber? Oder einer ihrer Kunden? Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln.

Ach, die Liebe. Zeitlupenhaft steigen herzförmige Ballons in den Kölner Himmel. Eine Frauenstimme sülzt im Schlafzimmerton, dass man sie planen könne, die Liebe: „Viele denken, Liebe sei ein Zufall. Ich glaube nicht an Zufälle. Zufällig wählt man immer wieder den falschen Partner und ist unglücklich und hofft irgendwo und irgendwann dem richtigen Menschen zu begegnen. Das ist doch kein Zustand, haben wir uns gedacht bei Lovecast und haben ein Computerprogramm entwickelt, mit dem man berechnen kann, ob zwei Menschen zueinander passen.“

Lovecast ist eine Partnervermittlungsagentur im Netz, und die Schlafzimmerstimme gehört ihrer Chefin Natascha Klein. Sie freut sich über 20 Millionen Kunden und den Titel Liebespäpstin, denn sie kennt ihn: den Algorithmus der Zuneigung. Die Formel, die berechnen kann, ob Menschen zueinander passen. Die Sektgläser klirren in der Agentur, ihr Kompagnon überreicht Natascha Klein eine hässliche Trophäe, alles applaudiert. Doch wenig später hat die Liebespäpstin ein Problem: Sie liegt tot in ihrem Büro. Erschlagen mit der hässlichen Trophäe.

Probleme mittelalter Menschen

Das Suchen und Finden der Liebe ist das Thema dieses „Tatorts“. Wir sehen Max Ballauf allein in seinem Bett erwachen, die Stimme in seinem Radiowecker erklärt, es sei ein toller Tag zum Verlieben. Er seufzt. Ja, es gibt die Polizeipsychologin Lydia Rosenberg in seinem Leben, aber nur so halb. „Die kommt ja nur zu mir, wenn es ihr nicht gut geht“, sagt er später stirnrunzelnd zu seinem Kollegen Freddy Schenk. Lydia sagt lustigerweise dasselbe über ihn. Es ist alles verkorkst.

Jedenfalls stellt sich heraus, dass die Agentur in Schwierigkeiten ist. Ein Heiratsschwindler hat drei partnersuchende Frauen um viel Geld betrogen. Er nennt sich Zauberer, es gibt keine Bilder von ihm. Die drei Betrogenen ziehen an uns vorbei, traurige, mittelalte Frauen, verpuppt in ihr Unglück. Der Zauberer bleibt schemenhaft. Die Aushilfsassistentin Gabi hat eine Idee: Sie meldet sich auf dem Portal an und versucht, den Zauberer auf sich aufmerksam zu machen.

Der Lichtblick dieser Folge

Kathi Angerer in der Rolle der Gabi ist der Glanzpunkt in diesem sonst ziemlich unbeholfenen „Tatort“. Nicht nur, aber sicher auch wegen ihrer bezaubernden Mädchenstimme, die Besuchern der Volksbühne sofort im Ohr klingt, wenn sie ihren Namen hören. Gabi ist natürlich genauso ungeschickt und dann doch wieder überraschend clever, wie es sich für die Rolle der Aushilfsassistentin gehört. Und weil sie dann auch noch forsch ist, macht ihr der Zauberer bald arge Schwierigkeiten. Aber ist er auch der Täter? Das Mordopfer hatte kurz zuvor eine Schwangerschaft abgebrochen. Ihren Ehemann betrogen. 50.000 Euro lagen unberührt neben der Leiche.

Irgendwann ertönt George Gershwin: „They’re writing songs of love, but not for me.“ Wenn man nicht mehr jung ist und allein, dann wird es schwer: Diese Botschaft stellt der Film etwas zu aufdringlich aus. Und rote Ballons steigen in einen blauen Himmel.

ARD, 28. September 2014, 20.15 Uhr