Der Abspann dankt den Kölner Verkehrsbetrieben, und das wirklich zurecht: Denn Werbung wird hier für das Benutzen der U-Bahn wirklich nicht gemacht. Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hat gerade noch mit seinem Kollegen ein Kölsch getrunken und will mit der U-Bahn nach Hause fahren, da geht es auch schon rund am Gleis: Ein junger Mann schlägt in blinder Wut auf einen anderen ein, er liegt wehrlos am Boden und regt sich nicht mehr, aber sein Peiniger tritt immer wieder kräftig zu.
Mit wenigen Schnitten holt Regisseur Thomas Jauch gleich in den ersten Minuten die Realität in unsere Wohnzimmer. Denn natürlich sehen wir jetzt nicht mehr nur irgendeine fiktionale Krimihandlung. Es sind oft gesehene Bilder aus Berlin, die nun im Hintergrund mitlaufen. Entstanden sind sie Ostersamstag 2011 am U-Bahnhof Friedrichstraße, eine Überwachungskamera hat sie gegen drei Uhr nachts aufgezeichnet. Ein 18-Jähriger trat wie von Sinnen auf einem am Boden liegenden Mann ein. Das ganze Land diskutierte damals über diese Bilder: Selten zuvor hatte man den exzessiven Charakter, den Gewalt annehmen kann, so genau dokumentiert gesehen.
Die Kommissare laufen gegen Wände
Wie in Berlin geht nun auch mit dem Fernsehkommissar ein eigentlich Unbeteiligter dazwischen, aber im Unterschied zu damals geht alles noch viel dramatischer aus. Von den geringfügigen Verletzungen, die das Opfer 2011 erlitt, kann im Film keine Rede sein. Und dann wird Ballauf auch noch vor die U-Bahn gestoßen und überlebt nur knapp.
Die Ermittlungen beginnen. Und die Erzählung von diesen Ermittlungen handelt vor allem von den Grenzen, die ihnen gesetzt sind. Auf Probleme stoßen die Kommissare nicht nur deshalb, weil sich trotz vitalen Publikumsverkehrs am Gleis kein einziger Zeuge des Tatgeschehens finden will (was einigermaßen unwahrscheinlich ist).
Sie kommen auch nicht nur deshalb schlecht voran, weil jemand die Videokameras am U-Bahnhof mit schwarzer Sprühfarbe blind gemacht hat. Es ist vielmehr die für Ballauf und Schenk nervtötende Tatsache, dass alle Tatverdächtigen genauestens juristisch im Bilde sind, was sie tun müssen und was nicht. Und weil Ballauf emotional oft impulsiv reagiert, spielt er ihnen auch noch in die Hände.
Dramaturgie vom Schnittmusterbogen
Die Ohnmacht der Polizei, das ist das Leitmotiv. Die Ermittler begeben sich in gut situiertes Milieu: Wir sind zu Gast im Designerbungalow und auf einer besonnten Terrasse. Ein Pferd wiehert. Es soll hier auch von Wohlstandsverwahrlosung erzählt werden und von erfolgreichen Eltern, die sich von ihren Kindern entfremden. Zwei entgeisterte Väter, eine Mutter mit Putzzwang: Hier ist es nicht mehr die Wirklichkeit, die im Kopf des Zuschauers wiederkehrt.
Es sind die hundertfach gesehenen Krimis vom Schnittmusterbogen mit ihren immer gleichen Dialog- und Handlungsversatzstücken, die sich irgendwann zu dem verdichtet haben, was wir ein Klischee nennen. Was schnell und spannend begonnen hat, franst aus, zerfasert und wirkt unentschlossen. Da ist es fast folgerichtig, dass uns am Ende das Böse seine Zähne entgegenbleckt, als sei es ganz ohne Gründe in die Welt gekommen.








