Karl-Josef Laumann braucht an diesem Abend gar nicht erst so zu tun, als sei in seiner Partei alles bestens. „Politisch für einen CDU-Mann hat es schon bessere Zeiten gegeben“, sagt der stellvertretende CDU-Vorsitzende bei „Markus Lanz“ am Dienstagabend. Das kann man wohl so sagen.

Die Union steckt im Umfragetief, Friedrich Merz kämpft mit miserablen Zustimmungswerten und der Rücktritt von Jens Spahn hat ein Personalkarussell ausgelöst. Darüber diskutiert Lanz zum Auftakt nach der Sommerpause mit CDU-Vize Karl-Josef Laumann, Journalist Robin Alexander, Osteuropa-Expertin Sabine Adler und Sicherheitsexperte Peter Neumann. An Gesprächsstoff mangelt es also wirklich nicht.

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„Markus Lanz“: Laumann fällt ein vernichtendes Urteil über Spahn

Besonders interessant wird es beim Fall Jens Spahn. Der frühere Unionsfraktionschef und sein Ehemann sind mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden. In der CDU sorgt das für eine Debatte über Glaubwürdigkeit, weil die Partei an ihrem Nein zur Leihmutterschaft festhält.

„Die ganze Sache empfinde ich persönlich als Tragödie“, sagt Laumann – zumindest menschlich betrachtet. Politisch fällt sein Urteil noch härter aus: „Wenn man als Politiker seine Glaubwürdigkeit verliert, dann war’s das halt.“

Lanz hakt weiter nach. Hätte Spahn seine Position öffentlich ändern können? Hätte er sich enthalten können? Aus einem persönlichen Fall wird die grundsätzliche Frage, wie viel Widerspruch zwischen politischer Haltung und privatem Handeln Glaubwürdigkeit verträgt. „Machtwechsel“-Host Robin Alexander glaubt nicht, dass dieser Widerspruch noch zu heilen gewesen wäre. 

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Warken, Weidel und Wagenknecht
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Markus Lanz: Dann wird aus Nachhaken unangenehmes Nachbohren

Laumann liefert dazu beinahe selbst die Zusammenfassung der Debatte. Menschen entschieden sich für eine Partei, weil sie bestimmte Grundüberzeugungen teilten. Das „C“ sei langfristig entscheidend für das Überleben der CDU. „Ich glaube, dass das C uns wirklich attraktiv macht“, sagt er. Dass ausgerechnet eine Debatte über Jens Spahn und Leihmutterschaft plötzlich zur Existenzfrage der Christdemokratie wird, muss man bei „Markus Lanz“ auch erst einmal schaffen.

Wie schmal die Grenze zwischen produktiver Hartnäckigkeit und schlicht unangenehmem Nachbohren bei Lanz sein kann, zeigt sich wenig später. Nach dem Regierungsumbau fragt er Laumann, warum eigentlich nicht er Gesundheitsminister geworden sei. Laumann antwortet, es gebe dafür private Gründe, die er nicht näher erläutern wolle. Er könne Nordrhein-Westfalen nicht verlassen, und das wisse auch der Kanzler.

Damit könnte die Sache erledigt sein. Ist sie bei Markus Lanz natürlich nicht. Er fragt weiter. Das ist der Moment, in dem eine Eigenschaft, die wenige Minuten zuvor noch Erkenntnis produziert hat, kippt. Laumann macht sehr deutlich, dass er seine private Situation nicht im Fernsehen erklären möchte. Warum genau er Nordrhein-Westfalen nicht verlassen kann, ist an diesem Abend weder für die Analyse der Bundesregierung noch für die Lage der CDU entscheidend.

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Hat Merz wirklich nur ein Kommunikationsproblem?

Inhaltlich landet die Runde anschließend bei einem vertrauten Problem der Bundesregierung: Kommunikation. Laumann glaubt nicht an großen Unmut über Friedrich Merz an der Parteibasis, wohl aber an den Wunsch nach besserer Kommunikation. Peter Neumann sieht ebenfalls Defizite darin, wie die Regierung ihre Botschaften vorbereitet.

Robin Alexander formuliert härter. Durch die vielen Pannen entstehe der Eindruck, „dass die CDU es handwerklich nicht mehr kann“. Und vielleicht ist genau das die interessantere Diagnose: Hat diese Regierung wirklich vor allem ein Kommunikationsproblem? Oder kommuniziert sie vor allen Dingen ihre Probleme ziemlich zuverlässig?

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Neumann fordert „Vergeltung“ gegen Russland

Im zweiten Teil wechselt die Sendung zum Anschlagsversuch mit einer Drohne am Flughafen Leipzig/Halle und zu der Frage, wie Deutschland auf hybride Angriffe reagieren sollte. Sicherheitsexperte Peter Neumann hält eine russische Urheberschaft für plausibel und fordert zunächst bessere Vorbereitung: Kritische Infrastruktur müsse geschützt, Zuständigkeiten geklärt und Finanzströme in entsprechenden Netzwerken verfolgt werden.

Dann sagt er: „Wir müssen uns überlegen: Wie vergelten wir?“ Hier hakt Lanz zu Recht sofort nach. Neumann spricht von Abschreckung: Deutschland könne etwa den russischen Botschafter ausweisen, verdeckt gegen Cybernetzwerke vorgehen, die Schattenflotte stärker angreifen oder Sanktionen verschärfen. Gar nicht zu reagieren signalisiere Schwäche, eine zu starke Reaktion könne dagegen eskalieren.

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