„Wer hat die Kontrolle?“, fragt Digitalminister Karsten Wildberger bei „Maybrit Illner“. Die Frage steht über der ganzen Sendung: „Globaler Machtkampf um KI – hat Deutschland eine Chance?“ Es geht an diesem Abend nicht nur um Chatbots oder neue Software, sondern um Macht: Wer baut die Technologie, wer kontrolliert die Daten, wer verdient daran – und wer bleibt am Ende abhängig?

KI steckt längst in Übersetzungsdiensten, Suchmaschinen, Analyseprogrammen, Bürosoftware und Sicherheitsanwendungen. Gleichzeitig dominieren die USA und China viele zentrale Bereiche dieser Entwicklung, während Europa noch zwischen Regulierung, Datenschutz, Forschungsstärke und fehlenden Tech-Giganten pendelt.

Darüber diskutiert Maybrit Illner am Donnerstagabend mit dem ersten Digitalminister Karsten Wildberger (CDU), Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, Unternehmerin Jeannette zu Fürstenberg, Digitalisierungsexperte Sascha Lobo und ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke.

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„Palantir“ bei deutschen Polizeibehörden: Wildberger warnt vor Überwachung

Schnell geht es um die viel diskutierte US-amerikanische Software „Palantir“, die in mehreren Bundesländern von Polizei- und Sicherheitsbehörden eingesetzt wird oder eingesetzt werden soll. Wildberger sagt dazu: „Natürlich schauen wir uns auch Palantir mit der notwendigen Sorge an.“ Wenn solche Technologie in autoritären Systemen eingesetzt werde, könne sie dazu dienen, „Menschen zu überwachen“. Das wäre „der Horror“ und dürfe „auf keinen Fall passieren“.

Aber er stellt auch klar: „Wenn ich etwas ablehne, muss ich auch eine Lösung anbieten“, sagt der Minister. Wer digitale Souveränität wolle, brauche nicht nur Regeln, sondern auch Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur, Software, Geld und Unternehmen, die groß genug werden dürfen.

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Ranga Yogeshwar nennt KI einen „epochalen Phasenübergang“

Physiker Ranga Yogeshwar geht noch weiter. Er spricht von einem „epochalen Phasenübergang der Menschheit“. Neue KI-Modelle könnten enorme Fähigkeiten entwickeln, etwa beim Hacken, warnt er. „Damit geht eine enorme Macht einher“, sagt Yogeshwar. Seine Sorge ist nicht, dass KI den Alltag ein bisschen verändert. Seine Sorge ist, dass Gesellschaften die Folgen erst begreifen, wenn die Technologie längst nicht mehr zurückzuholen ist.

Yogeshwar erinnert an soziale Netzwerke. Auch dort habe am Anfang die Hoffnung überwogen: mehr Verbindung, mehr Austausch, mehr Öffentlichkeit. Später seien andere Folgen sichtbar geworden – etwa Polarisierung, psychische Belastung, Suchtmechanismen. Bei KI könne dieser Effekt größer sein. „Was macht das mit dem Einzelnen emotional, wenn ich eine KI-Agentin habe, mit der ich alles bespreche?“, fragt er. 

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Rechtsexpertin Sarah Tacke fordert Digitalabgabe für Training mit fremden Inhalten 

ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke setzt bei den Daten und Inhalten an, mit denen KI-Systeme trainiert werden. Große US-Konzerne verdienten viel Geld damit, sagt sie. Ihre Forderung: „Wir wollen, dass dafür bezahlt wird.“ Eine Digitalabgabe wäre für sie auch eine Frage der Gerechtigkeit. Damit rückt Tacke einen Konflikt in den Blick, der in der KI-Debatte oft technischer klingt, als er ist: Wer liefert den Rohstoff – und wer bekommt das Geld?

An diesem Punkt widerspricht Digitalexperte Sascha Lobo. Er will „etwas Wasser in den Angstwein kippen“. Zwar bestreitet er nicht, dass KI „extrem machtvoll“ ist. Aber er stört sich an einer deutschen Debatte, die bei neuer Technologie oft zuerst den Schaden sucht. Man solle nicht „auf Weltuntergangs-PR reinfallen“, sagt er.

Warum deutsche KI-Forschung allein nicht reicht

Die KI-Forschung hierzulande sei „hervorragend“, sagt er, sogar „absolute Weltspitze“. Das Problem beginne danach. Aus Forschung werden zu selten Geschäftsmodelle, aus Start-ups zu selten große Unternehmen, aus technischer Stärke zu selten Marktmacht. 

Europa müsse nicht unbedingt die großen Sprachmodelle der USA kopieren oder Chinas Stärke in der Robotik nachbauen, sagt Unternehmerin Jeannette zu Fürstenberg. Deutschlands Chance liege eher in angewandter KI: Gesundheit, Logistik, Industrie, Verwaltung. Also dort, wo deutsche und europäische Unternehmen ohnehin stark sein könnten.

Maybrit Illner bringt diese Standortfrage irgendwann auf eine einfache Formel: „Geld schießt Tore.“ Gemeint ist staatliche Förderung. Wildberger stimmt zu. Dass Elon Musk in den vergangenen Jahren Milliarden durch staatliche Aufträge und Subventionen erhalten haben soll, findet er nicht grundsätzlich falsch. „Dass der Staat in einer strategischen Sichtweise als Ankerkunde tätig wird und Unternehmen unterstützt, das muss auch in Deutschland passieren“, sagt er. Heißt: Der Staat solle nicht nur regulieren, sondern Märkte gezielt mit anschieben.