Eins muss man der Redaktion von „Markus Lanz“ lassen: An diesem Mittwochabend spricht sie wirklich einmal mit diesen jungen Leuten – statt immer nur über sie. Mit dem Schüler Marius Lange ist der jüngste Gast in der Runde gerade einmal 17 Jahre alt, Podcaster Ole Nymoen ist mit seinen 28 Jahren der älteste in der Runde. Das Thema des Abends: die Zukunft der deutschen Sicherheitspolitik und damit auch die gesellschaftliche Debatte rund um den neuen Wehrdienst.

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„Markus Lanz“: Das waren die Gäste:

  • Marius Lange, Schüler
  • Ole Nymoen, Podcaster
  • Kerry Hoppe, Reservistin
  • Léocadie Reimers, Reservistin

Die Sendung startet jedoch mit einem Moment, der beim Zusehen Fremdscham auslöst. Mit der 24-jährigen Kerry Hoppe und der gleichaltrigen Léocadie Reimers sind auch zwei Reservistinnen eingeladen. Als ein Einspieler Bilder aus der Grundausbildung zeigt, kann Lanz – der einst selbst Wehrdienst beim italienischen Heer geleistet hat – es nicht so recht glauben, dass Frauen dasselbe Gewicht im Rucksack tragen müssen wie Männer. Seine mehrfachen Nachfragen dazu sind den beiden Reservistinnen sichtlich unangenehm.

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„Markus Lanz“ im ZDF: Nymoen vergleicht Deutschland mit Russland

Und so geht es auch weiter, als Podcaster Ole Nymoen, der über sich selbst sagt, dass er im Ernstfall lieber fliehen würde, als im Krieg zu leben oder gar zu sterben, Russland und Deutschland miteinander vergleicht. Seine Argumentation: „Ich habe in Deutschland die Freiheit zu sagen, dass ich nicht in den Krieg möchte, die Konsequenz ist aber, dass ich trotzdem in den Krieg gehen muss, wenn der Staat seine Souveränität schützen möchte und das bestimmt. Aus dieser Freiheit folgt nichts“, so Nymoen. „In Russland darf ich meine Meinung nicht sagen und muss auch in den Krieg.“

Für diese Aussagen erntet der Podcaster, wie so oft an diesem Abend, ordentlich Gegenwind aus der Runde. Reservistin Léocadie Reimers wirft etwa ein: „Der Staat ist nichts Abstraktes, er ist gewählt und wir alle sind der Staat.“ Und sagt schließlich: „Du weißt gar nicht, worüber du redest, du kennst die Bundeswehr ja gar nicht.“ Als Nymoen dann entgegnet: „Doch aus Kriegsfilmen, Kriegsliteratur, …“, kann Reimers kaum an sich halten. „Aus Filmen?!“, entgegnet sie ungläubig.

Noch mehr Ungläubigkeit herrscht in der Runde, als Ole Nymoen erläutert, dass er es besser finden würde, zu kapitulieren, als in einem Kriegsgebiet zu leben. „Was du sagst, macht keinen Sinn“, entgegnet Reimers. „Du sprichst immer davon, dass der Staat dir alles aufzwingt, aber genau das würde in einem autokratischen Staat dann ja passieren – und das wäre dir lieber?“

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Als Podcaster über die Ukraine spricht, kann Lanz es nicht fassen

Gegen Ende der Sendung ist es dann zur Abwechslung noch der Moderator selbst, der sich einen Schlagabtausch mit dem Podcaster liefert. Denn letzterer findet, dass die drei anderen Gäste auf eine abstrakte Weise über die Bundeswehr sprechen und es nicht ernst nehmen würden, dass sie im Fall der Fälle sterben könnten. Und es ist ein Satz, an dem Lanz sich dann festbeißt. „Die Menschen in der Ukraine haben keine Wahl“, so Nymoen. „Kriegsführung funktioniert nur über staatlichen Zwang.”

Woher er das wisse? Ob er schon mal in der Ukraine gewesen sei? All das will Lanz von dem Podcaster wissen. Der spricht davon, dass es in den Medien stehe, dass die Front ohne Zwangsrekrutierungen nicht möglich sei. Lanz berichtet von eigenen Besuchen im Land, von Gesprächen mit Menschen in der Ukraine und mit Kriegsreportern, die seit Jahren von vor Ort berichten. „Das ist ein schräges Bild, was Sie da zeichnen. Zwang ist mir nie begegnet“, so Lanz. „Es ist die Art zu leben, die verteidigt wird.“

Und so sieht es auch der Schüler Marius Lange: „Die Ukraine ist die letzte Front für unsere Demokratie.“ Für ihn gehe es darum, in Deutschland Stärke zeigen zu können, um nicht in den Krieg zu müssen. Einen Satz, den er und die beiden Reservistinnen so oft sagen, dass er wohl der am meisten gesagte Satz an diesem Abend ist. Und dafür ist die Sendung dann am Ende doch zu kritisieren. Die Diskussion soll eine gesellschaftliche Debatte darstellen, schwankt aber zwischen Schwarz und Weiß und bildet keine Grautöne ab. Denn sie zeigt zu wenig von den jungen Menschen, die die Wehrpflicht ablehnen – und das, obwohl sie jüngsten Umfragen zufolge in der Mehrzahl sind.