Die Causa Julia Ruhs beschäftigt weiterhin den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Am Wochenende haben gleich zwei Gesichter des ZDF ihre jeweils eigene Meinung zum NDR und dessen Entscheidung, sich für das Format „Klar“ eine neue Moderatorin zu suchen, zum Besten gegeben. Einmal erhielt Ruhs etwas überraschende Rückendeckung von Oliver Welke in der „Heute Show“. Tenor: Der NDR schieße sich mit der Rangelei um „Klar“-Moderatorin Ruhs vor allem selbst ins Bein. Handwerkliche Kritikpunkte lasse er nicht gelten, sonst müsse ja der ganze ÖRR nach 11 Uhr das Senden einstellen.
Aus einer anderen Richtung kommentierte die Autorin Sarah Bosetti die Vorgänge rund um die Journalistin Ruhs. Bosetti, die mit „Bosetti will Reden“ ihr eigenes Satire-Format im ZDF moderiert, veröffentlichte bei Instagram ein rund fünf Minuten langes Video. Darin nennt sie vermeintliche Gründe, die beim NDR dazu geführt hätten, mit Tanit Koch eine andere Moderatorin zu installieren: Ruhs und ihr Team hätten, so Bosetti, journalistisch unsauber gearbeitet und dafür hätte sie die Quittung erhalten.
Sarah Bosetti über Julia Ruhs: „Das wird jetzt nicht allen gefallen“
„Ich hätte da eine These, die nicht allen gefallen wird“, beginnt Bosetti ihren Beitrag. „Dass Julia Ruhs nicht mehr länger im NDR moderieren kann, hat nichts damit zu tun, wie konservativ sie ist.“ Das sei „Quatsch“, so Bosetti und führt ins Feld, dass mit der Ex-„Bild“-Chefin Koch ja eine konservative Stimme das Format beim NDR weiter moderieren werde.
Mit durchaus spitzer Zunge analysiert Bosetti, es sei nicht konservativ, „sondern populistisch“, eine Sendung zum Thema Migration mit einem zehn-minütigen Beitrag über Gewalt zu beginnen. „Dann macht man eine Sendung zum Thema Gewalt“, befindet die Autorin, nicht zum Thema Migration. Ihr Argument: Es sei „schlechte journalistische Arbeit“, die große Mehrheit von Geflüchteten in die Nähe von Kriminalität und Gewalt zu rücken. „Das muss man kritisieren können, das muss man sogar kritisieren.“ Legitime Kritikpunkte, die die Sendung anführe, würden bei „Klar“ vermischt mit „populistischem Geraune“.
Insgesamt habe sie sich nach dem Ansehen der Sendung „emotional ähnlich erschöpft“ gefühlt, als hätte sie sich „einmal durch die Startseite von Nius gescrollt“ – also jenem rechtspopulistischen Medienangebot, das Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt mit finanzieller Unterstützung des Multimillionärs Frank Gotthardt erstellt. Der NDR, so Bosetti, „ist aber nicht wie Nius“ und führt aus, der NDR sei „absolut“ dazu verpflichtet, „im Sinne der Ausgewogenheit auch konservative Positionen abzubilden“. Aber eben nicht zur Ausgewogenheit „zwischen Wahrheit und Populismus“.
Bosetti kann Julia Ruhs Enttäuschung „wirklich verstehen“
Ihrer Moderatorinnen-Kollegin Ruhs gibt Bosetti dann noch einen Rat mit. Sie könne deren Enttäuschung darüber, nach drei Pilotfolgen beim NDR nicht mehr weitermachen zu dürfen, „wirklich verstehen“. Es sei sehr viel Arbeit, ein Format zu entwickeln. Sie habe bei der Entwicklung ihres eigenen Formates auch gehofft, „dass es weitergeht“. Aber: „Ich habe auch gedacht, ich darf drei Fernsehsendungen machen. Wenn das alles ist, dann bin ich trotzdem immer noch dankbar.“ Ruhs scheine da „eine andere Anspruchshaltung zu haben“.
Das sei völlig in Ordnung. Was aber aus ihrer Sicht nicht in Ordnung sei: Jetzt „cancel culture“ zu beklagen und so zu tun, als habe Ruhs ihren Job wegen ihrer konservativen Einstellung verloren. „Julia Ruhs habe“, im Gegenteil, „ihren Job erst wegen ihrer konservativen Einstellung überhaupt erst bekommen.“



