Es ist der erste Auftritt nach der Wahl-Schlappe ihrer Partei. Sahra Wagenknecht behauptet bei der ARD-Sendung „Maischberger“ trotzig gegen Kritik. Sie fällt ins Wort, lässt kaum eine Nachfrage stehen. Die Stimmung: gereizt. Die Botschaft: Wagenknecht will sich nicht in die Ecke stellen lassen – von niemandem.
Die Wahlschlappe ihres Bündnisses (BSW) kommentiert sie mit Klagen über angebliche Unregelmäßigkeiten. „Zählfehler“ habe es gegeben, erklärt sie, deswegen habe man Wahlprüfungsbeschwerde eingelegt. Aus ihrer Feststellung, das BSW sei jetzt gerade ein Jahr alt, sagte Wagenknecht wörtlich, „es gibt uns jetzt ein gutes Jahr“, entstand dann gleich zu Beginn ihres Auftritts ein Missverständnis zwischen der BSW-Chefin und Moderatorin Maischberger. Die hatte offenbar verstanden, Wagenknecht mache Andeutungen über die restliche Lebensdauer der Partei und dass eine Wahlprüfungsbeschwerde dem BSW Zeit verschaffe. Mehrfach hakte Maischberger nach, was denn damit (vermeintlich) gemeint sei – sichtlich zur Irritation der Parteichefin.
Die analysierte das knappe Wahlergebnis des BSW bei der Bundestagswahl im weiteren Verlauf der Sendung mit einem „Profilverlust“, den das Bündnis ihrer Meinung nach erlitten habe, weil es sich zu sehr auf andere Meinungen eingelassen habe. Den sieht sie zum Beispiel in Thüringen, wo Katja Wolf erneut zur Landeschefin des BSW gewählt wurde – gegen den ausdrücklichen Wunsch von Sahra Wagenknecht.
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Maischberger: Sahra Wagenknecht reagiert gereizt
Moderatorin Sandra Maischberger hakt ein: „Ist das ein Hinweis darauf, dass in Ihrer Partei das, was Sahra Wagenknecht sagt, nicht mehr gilt?“ Wagenknecht reagiert sichtlich gereizt: „Wenn ich gewonnen hätte, hätte man gesagt: Stalinistische Kaderpartei. Jetzt hat ein anderes Votum stattgefunden, dann ist es auch gleich wieder dramatisch.“ Sie habe sich einen Landesvorstand gewünscht, der nicht der verlängerte Arm der Regierung sei, sondern sie „kritisch begleitet“.
Steffen Schütz, bislang Co-Parteivorsitzender in Thüringen, kündigte kurz vor der Wahl an, nicht erneut für den Landesvorsitz zu kandidieren – zugunsten von Wolf. Seine Rede, inklusive Seitenhieb an Wagenknecht, wird in der ARD-Sendung eingespielt: „Es ist schön, wenn wir in Talkshows die Einschränkung des Meinungskorridors bekämpfen. Wenn dieser jedoch in der eigenen Partei eingeengt wird, dass nur der Bundesvorstand bestimmt, was gut und wichtig ist, und die Landesverbände gefälligst zu folgen haben, dann konterkariert das unseren Anspruch.“
Sahra Wagenknecht wirkt angegriffen. „Naja, in einer Partei ist der Meinungskorridor eingeschränkt, weil sie Profil braucht“, erwidert sie. Sie komme aus einer Partei, Die Linken, wo der Meinungskorridor so breit gewesen sei, „dass niemand wusste, was er wählt. Das hat sich jetzt geändert.“ Im Wahlkampf sei Steffen Schütz noch froh gewesen, dass sie dagewesen sei.
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Kritik an Wagenknechts Führungsstil
Maischberger bleibt hartnäckig: „Es gibt Kritik an Ihrem Führungsstil, dass Sie zu viel bestimmen wollen. Nehmen Sie das überhaupt ernst?“ Eine zielführende Antwort gibt es nicht. „Wir hatten eine Programmatik. Und ich kämpfe darum, dass das BSW bei dieser Programmatik bleibt, weil ich möchte, dass es wieder erfolgreich wird“, antwortet Wagenknecht. Ob deswegen alle Unrecht hätten, die zu dieser Programmatik eine andere Meinung hätten, will Maischberger wissen. „Nein, es braucht ja auch eine Bandbreite.“
„Denken Sie an Rücktritt?“, will Maischberger wissen. Über diese Frage muss Wagenknecht offenbar nicht lange nachdenken. „Die Verantwortung im BSW solle auf mehrere Köpfe verteilt, die Partei breiter aufgestellt, der Name geändert werden. Ich werde auch nicht mehr ewig weitermachen, aber ich werde so lange weitermachen, bis sich dieses Projekt etabliert hat“, stellt sie klar. Denn dass Wagenknecht noch Parteichefin ist, wundert manchen Beobachter – so auch den stellvertretenden „Bild“-Chefredakteur Paul Ronzheimer, der zu Beginn der Talk-Runde seine Einschätzung teilte: „Die politische Logik wäre eigentlich: Die politische Karriere ist zu Ende.“
| Name | Sahra Wagenknecht |
| Geburtsdatum | 16. Juli 1969 |
| Partei | ehemals Die Linke (vormals SED und PDS), Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) |
| Parteimitglied seit | 1989 (SED) bis 2023 (Die Linke), seit 2024 BSW |
| Familienstand | verheiratet, keine Kinder |
| Ehemann | Oskar Lafontaine |
| Wohnort | Merzig (Saarland) |
Luisa Neubauer: „Die Union hat sich verdächtigt gemacht“
Überrascht zeigt sich die sonst sehr souverän auftretende Sandra Maischberger über das „Du“ zwischen Philipp Amthor, designierter Staatssekretär im Digitalministerium, und Klimaaktivistin Luisa Neubauer. „Wir kennen uns schon aus einigen Talkshows“, erklärt Neubauer. Das erleichtere aber nicht die Verständigung: „Die Luisa zu überzeugen, ist ein steiniger Weg,“ äußert Amthor. „Die Union hat sich verdächtigt gemacht“, sagt Neubauer – mit Blick auf das gemeinsame Abstimmen mit der AfD und auch durch die kleine Anfrage mit über 500 Fragen. Die CDU müsse ihren Laden „in den Griff kriegen“, verlangt die Fridays-for-Future-Aktivistin.
Dass jemand wie Spahn gefordert hat, die AfD bei organisatorischen Fragen im Bundestag wie jede andere Oppositionspartei zu behandeln, sorge weiter für grundlegende Zweifel an der Haltung der Union: „Sind der einzelne Ausrutscher oder ist das eine neue Linie?“ fragt die 29-Jährige. Amthor reagiert empört: „Wer Mitte-Rechts und Rechtsextremismus gleichsetzt, der erweist einen Bärendienst an der Demokratie.“
Von einem Kabinett der „Kulturkämpfer“ spricht zu Beginn der Sendung die Journalistin Laura Kipfelsberger. Ihre Befürchtung: Mit führenden Unions-Vertretern wie Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt oder dem ehemaligen „Focus“-Chefredakteur Wolfram Weimer gebe es mit der SPD wenig Potenzial für Einigung.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Texts haben wir Sahra Wagenknecht falsch zitiert. Frau Wagenknecht sagte in Bezug auf die Gründung des BSW: „Es gibt uns jetzt ein gutes Jahr“, nicht in Bezug auf die Wahlprüfungsbeschwerde. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert und bitten um Verzeihung.







