Dieter Hallervorden wehrt sich nach einer umstrittenen Fernsehneuauflage seines berühmtesten Sketches gegen Rassismus-Vorwürfe: „In Ermangelung von Mut, sich über die wirklichen Missstände zu erregen, weil diese anzuprangern grade nicht in Mode ist, ereifert man sich über einen Komiker, der auf einem Knastbett sitzt und einen berühmten Sketch mit neuem Text beginnt“, teilte der Schauspieler und Komiker mit.

Auf Instagram schrieb Hallervorden zu seinen Äußerungen: „Es werden Fragen wie diese gestellt: ,Warum hat der Sender die Entgleisungen Hallervordens gesendet?‘ Es herrscht Verwunderung darüber, wieso die ARD diesen Moment unzensiert zuließ. 
Gut so. 1. Ich will auf kein Gleis gestellt werden. 2. Ich möchte nicht zensiert werden. DANKE, ARD.“

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Am Samstagabend hatte Hallervorden in der ARD-Jubiläums-Show seinen legendären „Palim, Palim!“-Sketch vorgeführt, über zwei gelangweilte Häftlinge, die sich mit einem Kaufmannsspiel die Zeit vertreiben. Zu Beginn wandelte er den Sketch allerdings leicht ab, und verwendete das N-Wort und das Z-Wort.

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In der von Kai Pflaume moderierten Sendung „75 Jahre ARD – Die große Jubiläumsshow“ führte Hallervorden den Sketch mit seinem Schauspielpartner Harald Effenberg in einer Bühnenversion einer Gefängniszelle auf. Im Etagenbett sitzend, erzählt Hallervordens Figur dem anderen Insassen, warum er einsitzt: weil er die heute nicht mehr verwendeten Bezeichnungen für Schokokuss und Schnitzel ungarischer Art benutzt hat. „Wenn ich das gewusst hätte, dass man das nicht mehr sagt...“, lässt Hallervorden seine Figur die diskriminierenden Wörter sagen.

Die offenbar gezielt eingesetzte Verwendung der beiden Wörter sorgte für eine erregte Debatte in den sozialen Medien. Einige Nutzer warfen Hallervorden Rassismus und Antiziganismus vor: „Das N-Wort und das Z-Wort sind deutsches Kulturgut. Minderheiten wurden bei uns schon immer gern diskriminiert. Auf diese gewohnte Tradition möchten viele nicht verzichten“, schrieb etwa ein Nutzer. Andere hingegen lobten Hallervorden für seinen Auftritt: „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.“

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Hallervorden selbst verteidigt hingegen seinen Auftritt als Satire: „Woke Menschen von heute versuchen ängstlich, nicht aus der Reihe zu tanzen, befolgen akribisch alle Social-Media-Gebote, um keine Likes aufs Spiel zu setzen und verstehen keine Satire mehr, weil Satire aus Angst vor Missverständnissen nicht mehr vorkommt“, teilte er weiter mit.

Schon im Gespräch mit Moderator Pflaume, hatte sich Hallervorden als „politischer Mensch“ bezeichnet: Die Satire sei ihm immer wichtig gewesen, um den Zuschauern „politischen Nachhilfeunterricht“ zu geben – auch „zu einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit nicht jedem in die Waagschale gelegt worden ist“. Hallervorden sah seine Äußerungen offenbar als Beitrag zur Debatte um Cancel Culture an.

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ARD wollte Äußerungen nicht rausschneiden – so äußert sich der Sender

Die ARD nahm ebenfalls Stellung zu Hallervordens Auftritt und teilte mit: „In seiner Rolle als Häftling thematisierte er überspitzt den Wandel der Sprache und verwendete dabei Begriffe, die heute aus guten Gründen nicht mehr zeitgemäß sind – in diesem satirischen Kontext jedoch bewusst als Provokation gesetzt wurden.“

Der öffentlich-rechtliche Sender betonte, die ARD spreche sich gegen jeden Rassismus aus und stehe für Vielfalt und Kunstfreiheit. Pikant: Die Sendung war voraufgezeichnet und nicht live – der Sender hat sich also bewusst entschieden, Hallervordens Äußerungen nicht rauszuschneiden oder einzuordnen.

jst/dpa