Vielleicht liegt es am Ort, dieser Architektur-Ikone der Moderne: Wenn sich in Berlin Menschen versammeln, um gemeinsam auf etwas zu warten, dann auffällig oft vor der Neuen Nationalgalerie am ansonsten recht öden Kulturforum. Unvergessen die langen Menschenschlangen, die sich vor dem Museum anlässlich des Gastspiels des New Yorker MoMA vor zehn Jahren bildeten. Großer Auflauf auch kürzlich bei der Otto-Piene-Installation, das Publikum musste wegen des Windes lange auf die aufsteigenden Himmelsskulpturen warten, die gewissermaßen einen Vorgeschmack auf die Ballonaktion zum Mauerfalljubiläum gaben. Und jetzt, in der Nacht von Freitag auf Sonnabend, gab es wieder eine lange Warteschlange.

Nicht, weil die Baumstamm-Installation von David Chipperfield, die letzte Ausstellung vor der Sanierung, so begehrt und neuerdings nachts geöffnet ist, sondern weil um Mitternacht der Vorverkauf für die 3-D-Konzertreihe der Band Kraftwerk startete. Die legendäre Elektroband stellt vom 6. bis zum 13. Januar jeweils an einem Abend eines ihrer acht Alben vor.

Wer so gegen 22.30 Uhr zur Neuen Nationalgalerie kam und sich dort in die Schlange einreihte, brauchte viel Geduld, gutes Schuhwerk und eine warme Jacke. Denn erst gegen drei Uhr morgens war das dann mit den Tickets erledigt. Es gab lediglich vier Karten pro Person, vorher musste ein Antrag ausgefüllt und die Namen der anderen angegeben werden. Personalisierte Tickets nennt man das.

4000 Karten wurden beim nächtlichen Vorverkauf ausgegeben

Die Kraftwerk-Fans schreckte das wenig, die Schlange reichte zwischenzeitlich einmal ums Gebäude. An manchen Stellen erklangt aus Handys „Trans Europa Express“ oder „Autobahn“, was ganz lustig war, denn diese Kraftwerk-Songs suggerierten ja so etwas wie Bewegung und setzten einen schönen Kontrapunkt zum Stillstand vor dem Museum. Auf 4000 Karten war der nächtliche Auftakt-Vorverkauf limitiert, etwa 1700 Zuschauer sind pro Konzert in der Neuen Nationalgalerie zugelassen. Als erste ausverkauft waren in der Nacht die Vorstellungen, an denen die Band ihre Alben „Die Mensch-Maschine“ und „Computerwelt“ präsentiert.