Berliner Musikfest

Anmutiger Auftakt mit Stargeigerin Anne-Sophie Mutter

Das Pittsburgh Symphony Orchestra unter Leitung von Manfred Honeck hat das Musikfest der Berliner Festspiele in der Philharmonie eröffnet. Geigerin Anne-Sophie Mutter spielte ein Werk von Lutoslawski.

Foto: Kai Bienert / Berliner Festspiele/ Kai Bienert

Es ist natürlich eine Schnapsidee, ein Musikfest, wie das der Berliner Festspiele, ausgerechnet an einem Abend zu eröffnen, an dem alle Zufahrtswege und Parkflächen rund um die Philharmonie abgeriegelt sind. Die „Lange Nacht der Museen“ mit Dutzenden von leeren Bussen hatte Vorfahrt, das Musikpublikum das Nachsehen.

Und das selbst wenn Anne-Sophie Mutter Geige spielt. Statt mit Richard Straussens „Heldenleben“ hätte man zum Konzertschluss ein „Heldinnenleben“ aufs Programm setzen müssen. Das aber hat noch kein Komponist geschrieben.

Frau Mutter (inzwischen fünfzig geworden) sieht noch immer so bezaubernd aus wie damals, als Herbert von Karajan sie 1978 erstmals Berlin präsentierte. Damals spielte sie Geige, dass alle Musikliebhaber auf Anhieb die Ohren spitzten. Dabei war Anne-Sophie noch ein Teenie, nett und etwas pummelig, knackend vor Gesundheit und Spielfreudigkeit, sicherlich kein Wunderkind mehr, wohl aber ein schieres Wunder.

Pittsburgh Symphony Orchestra bettet Solistin in die Klänge ein

Was aber in der Philharmonie jetzt noch wichtiger ist: Sie spielt mit derselben Anmut, Natürlichkeit, Selbstverständlichkeit wie damals, obwohl ihr Repertoire sich seither erheblich geweitet hat. Lutoslawski „ Chain 2“, als „Dialog für Violine und Orchester“ bezeichnet, klingt unter ihren abenteuernd griffsicheren Händen, als sei selbst Lutoslawskis immer wieder herausfordernd eingesetzte Aleatorik ein violinistisches Kinderspiel.

Das Pittsburgh Symphony Orchestra unter dem unaufdringlich aufmerksamem Manfred Honeck bettet seine Solistin in die zutreffenden, wenn auch durchaus unüblichen Klänge ein. Es macht Musik aus der Konstruktion und lässt sie aufs Überzeugendste klingen. Es gibt sich durchaus nicht einzig als Beistand der grandiosen Solistin, es strickt musikalisch mit an den herausfordernden musikalischen Mustern, die Frau Mutter mit gestalterischer Energie und kontrollierendem Schönheitssinn auf ihrer Geige heraussingt, ohne Lutoslawski je zu verraten.

Eine Virtuosin im Dienste der Komposition und des Komponisten

Sie weiß, worauf es ankommt, und trifft diesen Punkt haargenau: eine Virtuosin voll und ganz im Dienste der Komposition und des Komponisten, der es im damals noch sowjetisch dominierten Polen schwer hatte, Respekt und Anerkennung zu finden. Für beides sorgt nun Frau Mutter mit ihren einzigartigen, lauthals gefeierten interpretatorischen Kräften.

Begonnen hatte das Programm mit einem Frühwerk des damals erst 23-jährigen Janácek, seiner sechsteiligen „Suite für Streichorchester“, die noch nicht genau weiß, worauf sie hinauslaufen will. Merke: Auch in der Musik ist es so, wer das Ziel kennt, kann den Weg auch nicht haben.