Diese Woche hat der Kinozuschauer mal wieder die Qual der Wahl: den neuen Schlöndorff schauen, eine Neuverfilmung eines Jane-Austen-Klassikers - oder Benedict Cumberbatch in Trauer verzweifeln sehen? Wir geben ein bisschen Orientierungshilfe:

  • „Heimsuchung - Eine Jahrhundertgeschichte“

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Ein ganzes Jahrhundert über ein Haus zu erzählen und all die Bewohner, die in dieser Zeit hier leben – das gab es schon in Mascha Schilinskis „In die Sonne schauen“. Nun hat sich auch Volker Schlöndorff daran gemacht, nach Jenny Erpenbecks Roman. Und erzählt von Juden, die im Dritten Reich verschwinden, einem NS-Opportunisten, der sich nach der Kapitulation den Kommunisten anbiedern will, und einer Emigrantin, die in die DDR zurückkommt. Ein hochpolitischer Stoff, stark besetzt mit Lars Eidinger, Martina Gedeck und Ulrich Matthes – und auch durch die Leerstellen lebt, die die Vertriebenen hinterlassen.

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Volker Schlöndorff durfte seinen Film in Cannes uraufführen, genau 60 Jahre, nachdem er dort seinen Erstling „Der junge Törless“ vorgestellt hat. Mit seinem Film schaut er also auch auf seine eigene Karriere zurück. Darüber haben wir mit dem 87-Jährigen gesprochen.

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  • „Sinn und Sinnlichkeit“

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Über 30 Jahre ist es her, dass Ang Lee uns mit seiner Jane-Austen-Verfilmung verzauberte. Dafür gab es damals den Goldenen Bären der Berlinale und den Drehbuch-Oscar für Emma Thompson. Kann man den Stoff nach diesem Erfolg noch einmal neu verfilmen? Die Britin Georgia Oakley hat es gewagt: und ja, jede Generation hat ihre eigene Version verdient. Oakleys „Sinnlichkeit“ ist ganz up-to-date und zeitlos zugleich.

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  • „Das Ding mit Federn“

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Ein Mann verliert seine Frau, muss sich nun allein um seine Söhne kümmern und seine Trauer verbergen. Und stürzt sich stattdessen in die Arbeit Und entwirft als Comiczeichner düstere Bilder eines Krähenmannes. Bis dieser lebendig wird und die Familie heimsucht. Trauer wird hier zum Horror-Trip. Stark gespielt von Benedict Cumberbatch, schockiert der Film mit allzu drastischen Anleihen am Horrorgenre und enttäuscht dann mit einem allzu versöhnlichen Ende.

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  • „Call me Queen“

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Emily Atef macht immer sehr extreme Filme über Ausnahmesituationen: „3 Tage in Quiberon“ über Romy Schneider im Drogenentzug, „Mehr denn je“ über die letzten Tage einer Todgeweihten. oder jetzt dieses Drama über eine arme Afrikanerin, die an AIDS erkrankt und einen einsamen Kampf beginnt gegen die übermächtige Pharma-Industrie, deren teure Medikamente sich kaum jemand leisten kann. Hierzulande spricht kaum noch jemand über Aids, in Afrika ist das indes noch immer ein großes Problem. Es ist Atefs Verdienst, das hervorzuheben. Und der Film ist eine große Hommage an diese Kämpferin. Nebenfiguren bleiben aber auf der Strecke. Sie hätten mehr Charakter verdient.

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  • „Sacrifice“

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Romain Gavras hatte eine fiese Satire auf die Superreichen im Sinn, die alle den Planeten ausbeuten, sich aber als Gönner auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung feiern – bis diese von Ökoterroristen überfallen wird. Das klingt stark und ist höchst prominent besetzt, von Salma Hayek bis Chris Evans. Doch dann wabert die Gesellschaftskritik unentschieden herum. Und der Film gerät genauso oberflächlich wie die Reichen, die er aufs Korn nehmen will.

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  • „London“

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Ein Roadmovie mit dem Ziel des Miteinanders: Ein Rentner ist oft auf der Autobahn unterwegs und nimmt dabei die unterschiedlichsten Mitfahrer auf. Sie sind nur wenige Stunden zusammen, doch daraus ergeben sich interessante Treffen, bei denen die Fremden viel von ihren Schicksalen erzählen. Das ist fein, unaufgeregt und genau beobachtet. Ein Drama mit quasidokumentarischem Gehalt. Da steigt man als Zuschauer gerne mit ein.

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Und das sagen die Filmkritiker:

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BMO_Filmspiegel_1510_ba.jpg© bm infografik | Babette Ackermann Reiche

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