Nach der Verleihung der Berlinale-Bären sorgt die Rede eines syrisch-palästinensischen Filmemachers für Kritik: Abdallah Alkhatib „Chronicles From the Siege“ wurde als bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet. Der Filmemacher warf der deutschen Regierung auf der Bühne vor, sie sei Partner „des Völkermords im Gazastreifen“.

„Bundesminister Schneider hält diese Aussagen für nicht akzeptabel“, teilte etwa ein Sprecher des Umweltministers mit. Er sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala gewesen, hieß es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Carsten Schneider habe dann während der Rede des Filmemachers den Saal verlassen.

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Berlinale: Alkhatib zeigt Palästina-Fahne

Auf Bildern der Veranstaltung ist zu sehen, wie Alkhatib eine Palästina-Flagge hochhält. Eine Kufíya hängt über seinem Arm. Eines Tages werde es ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben, so Alkhatib weiter: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war“, sagte er. „Ein freies Palästina von jetzt bis ans Ende der Welt.“ Im Saal waren Applaus und auch Zwischenrufe zu hören.

Ähnlich wie Schneider äußerte sich auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: „Die Pali-Aktivistenszene hat auf der Berlinale mit Israel-Hass, Aggressivität und Bekenntnisnötigungen ihre hässliche Fratze gezeigt“, so der Parteilose gegenüber dem „Tagesspiegel“. „Es wurden Jury-Arbeiten und Preisverleihungen für politische Destruktion missbraucht und vielen Künstlerinnen und Künstlern ihr einmaliger Moment der Würdigung ihrer Arbeit genommen.“

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Kai Wegner: „Geht ihnen nicht um Menschenrechte“

Berlins Regierender Bürgermeister sagte gegenüber der „Bild“: „Denen, die sich hier als Pro-Palästina-Aktivisten inszenieren, geht es nicht um Menschenrechte. Es geht ihnen nicht um Dialog, nicht um Frieden, nicht um differenzierte Kritik. Es geht ihnen allein um Israel-Hass.“ Nach Ansichten von Berlins Regierungschef werde die Preisverleihung der Berlinale missbraucht, um „moralische Tribunale zu inszenieren“.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sprach bei X sogar von „abstoßenden Szenen“, von „Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland auf der Berlinale“, die „absolut inakzeptabel“ seien. „Die abstoßenden Szenen bei der Preisverleihung unterstreichen die Notwendigkeit, klar Stellung zu beziehen und Antisemitismus als besonders schweren Fall der Volksverhetzung einzustufen.“ Es dürfe weder „in der Öffentlichkeit, bei Veranstaltungen oder im Netz“ eine „Bühne für Israel-Hasser“ geben, fuhr Hoffmann fort.

Auch von der Rede abgesehen war der Gaza-Krieg Thema bei der Preisverleihung: So beklagte die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm „Yawman ma walad“ („Someday a Child“) auszeichnet wurde, dass der Waffenstillstand nicht eingehalten werde und zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben bedroht würden. 

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Zu Beginn des Abends war Festivalleiterin Tricia Tuttle auf die Kritik mehrerer Filmschaffender an der Berlinale in Bezug auf den Gaza-Konflikt eingegangen. Kritik zu üben sei Teil der Demokratie, betonte Tuttle. Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen. „Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen.“ Mehr als 80 Filmschaffende, darunter Stars wie Javier Bardem und Tilda Swinton, hatten in einem offenen Brief das „Schweigen“ der Berlinale zum Gaza-Krieg kritisiert. 

daw mit dpa/afp