Kinostart

„Ant-Man“ lässt die großen Marvel-Helden alt aussehen

Die Comicfilm-Inflation wirkt schon ein wenig ermüdend. Ausgerechnet ein Mikrobenheld sorgt jetzt für eine Frischzellenkur.

Raus ins Grüne: Ist man erst mal auf Insektengröße geschrumpft wie Ant-Man, wird jeder Grashalm zur tödlichen Bedrohung

Raus ins Grüne: Ist man erst mal auf Insektengröße geschrumpft wie Ant-Man, wird jeder Grashalm zur tödlichen Bedrohung

Foto: Film Frame..© Marvel 2015

Von wegen auf die Größe kommt’s nicht an. Sowas sagt sich ja schnell daher. Aber natürlich kommt’s darauf an, und gerade im Blockbusterkino darf nicht gekleckert, da muss geklotzt werden. Das gilt erst recht für die galoppierende Inflation der Comicfilme, die das Vorangegangene immer noch mal überbieten müssen.

Da müssen es immer gleich Multimilliardäre sein, die gegen das Böse kämpfen, oder nordische Göttersöhne von fremden Planeten. Und wenn sich einer grün ärgert, dann muss er dabei auch so anschwellen, dass ihm die Kleidung vom Leibe platzt.

Gleich mehrere Nummern kleiner

Da muss man es wohl geradezu als Erholung, als kontemplativen Moment ansehen, wenn sich das Marvel-Imperium eines Helden entsinnt, der es auch mal eine, ja gar mehrere Nummern kleiner macht. Dabei ist wohl genau das der Grund, warum dieser Held bislang eher übersehen wurde, auch wenn er in den „Avengers“-Heften schon ab 1962 neben den anderen Superhelden mitkämpfte.

Während ein Iron Man es schon auf drei und Thor und Captain America auf je zwei Solo-Filme brachten und alle auch schon zwei Mal im Kollektiv auf die Leinwand gewuchtet wurden, absolviert jetzt der kleine Ant-Man einen ersten Einstand.

Und während die Kollegen immer gleich mit Superhammern, Superschildern und Su­per­rüstung ins Mega-Gigantomanische aufdrehen, hat Ant-Man zunächst ganz andere Probleme. Das erste Mal auf Ameisengröße geschrumpft, wird er in der Badewanne durch den Abguss gespült, landet dann in einem Tanzschuppen zwischen lauter Stilettos und droht schließlich von einem Staubsauger zerhäckselt zu werden.

Der Mann, der dazu auserwählt wird, zum Ant-Man minimiert zu werden, ist diesmal auch kein Megamultikapitalist und erst recht kein Göttersöhnchen. Sondern, nun ja, ein Krimineller, der gerade aus dem Knast entlassen wird und deshalb seine Tochter nicht mehr sehen darf. Klar kann so einer wieder auf der schiefen Bahn landen. Aber genau darauf hat man es abgesehen.

Superkraft im Fetisch-Anzug

Er bricht nämlich in das Haus eines alten Wissenschaftlers (Altstar Michael Douglas) ein, findet dort aber nichts Bares im Tresor, sondern einen, nun ja, Fetisch-Latex-Anzug, den er, ist ja sonst nichts da, mitnimmt. Einmal angezogen, kann dieser Anzug aber schlagartig die Größe reduzieren. Und im Gegenzug die eigenen Kräfte potenzieren. Der Anzug selbst schrumpft gleich mit, das Klamottenproblem, das ein Hulk hat, erledigt sich so.

Mit „Ant-Man“ vom eher komödien-orientierten Regisseur Peyton Reed scheint Marvel wirklich einmal kleinere Brötchen zu backen. Und, wer hätte das gedacht: Während man der allgegenwärtigen Superheldendichte allmählich schon überdrüssig ist im Kino, ist es nun genau dieses kleine Männlein, das dem ausgereizt geglaubten Genre einen neuen Kick bereitet.

Showdown im Kinderzimmer

Alles ist hier ein Stück zurückgenommen. Der Held, der anfangs ein Loser ist. Der Darsteller Paul Rudd, der bislang immer den Netten in netten Komödien gespielt hat, aber es nie zum Star geschafft hat. Und den Showdown zwischen dem guten Kleinen und dem bösen Kleinen gibt es nicht in spektakulären Megakulissen, sondern in einem Kinderzimmer zwischen Spielzeug und Modelleisenbahn.

Das ist hübsch augenzwinkernd und selbstironisch. Auch wenn der Ameisenmann am Ende ganze Heere echter Ameisen anführt und das Ganze kurz auszuufern droht, bewahrt der Film doch den Charme des leise Zurückgenommenen.

Kleinvieh macht auch Mist

Von einem Tony Stark ergo Iron Man ist hier nur mal am Rande die Rede, und von den anderen Marvel-Helden hat gerade mal Falcon einen Auftritt, der in „Captain America“ den Sidekick gibt. Den Aufstieg in die Avengers-Liga wird es für den Ant-Man aber im nächsten „Captain America“ geben. Kleinvieh macht halt auch Mist.

Comic USA 2015 117 min., von Peyton Reed, mit Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly