Ein kleiner Kater wird achtlos am Straßenrand ausgesetzt. Bei dem nun einsetzenden Chaos, in dem sich das Kätzchen gegen den Verkehr, die Fußgänger oder einen Furcht erregenden Hund behaupten muss, wird bereits deutlich, dass dieses belgische Animationsabenteuer das 3D-Format auf spektakuläre Weise auszureizen versteht.

Der Film spielt mit forcierten Perspektiven, nimmt gern extreme Blickwinkel ein und scheut sich auch nicht davor, dem Zuschauer beständig irgendetwas gen Gesicht springen zu lassen: Die effektvolle Plastizität ist aber nicht der einzige Grund, „Das magische Haus“ aufzusuchen.

Rettet das Spukschloss

In jenem knarzenden Gemäuer landet natürlich das Kätzchen. Ein Haus, in dem es offenbar zu spuken scheint, das in Wahrheit aber von einem liebenswerten alten Magier bewohnt wird, der weit mehr als nur die Kunst der Illusionen beherrscht. Denn bei ihm sind nicht nur die Hasen, Mäuse oder Tauben unterm Zylinder lebendig. Nein, auch Puppen und Spielzeuge, aber auch Staubsauger, Gießkannen oder Kaugummiautomaten verfügen hier über ein höchst magisches Eigenleben. Besonders herzig ist eine pantomimisch ausdrucksstarke kleine Glühbirne, auch wenn der Knirps direkt aus Daniel Düsentriebs Versuchslabor zu stammen scheint. Doch da eben all diese Kreaturen fantasievoll und mit spürbarer Liebe gestaltet wurden, ist es ein wahres Vergnügen, dem Gewimmel im magischen Haus zuzuschauen.

Munterer Slapstick

Die eigentliche Geschichte mag dann vielleicht etwas simpel sein. Doch dürften gerade Kinder ihre Freude daran haben, wenn es gilt, das alte Gemäuer vor möglichen neuen Mietern zu schützen. Denn nachdem der alte Zauberer, der übrigens beseelt von Dieter Hallervorden synchronisiert wurde, nach einem Unfall im Krankenhaus landet, versucht sein schmieriger Neffe, das magische Haus zu verkaufen. Doch unser mutiges Kätzchen ist ja, wie gesagt, wahrlich nicht allein zu Haus.

„Das magische Haus“ zelebriert nun recht munteren Slapstick. Und findet nebenher noch Zeit, vom nötigen Zusammenhalt in einer eigenwilligen PatchworkFamilie zu erzählen. Der Film ist einfallsreich in Szene gesetzt, sorgfältig animiert und mit Liebe zum Detail ausgeschmückt. Vor der amerikanischen Animationskonkurrenz braucht sich dieses überraschend spaßige Trickabenteuer jedenfalls nicht zu verstecken.

Ronald Bluhm