„Vaterfreuden“

Für Schweighöfer sind Kinder wichtiger als Partys

Matthias Schweighöfer über seinen neuen Film „Vaterfreuden“, in dem er nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch für Regie und Produktion verantwortlich ist – und seine privaten Vaterfreuden.

Foto: ©2013 Pantaleon Films GmbH,Wiedemann & Berg Film GmbH & Co.KG,Warner Bros. Entertainment GmbH,Seven / ©2013 Pantaleon Films GmbH,Wiedemann & Berg Film GmbH & Co.KG,Warner Bros. Entertainment GmbH,Seven Pictures Film GmbH

Matthias Schweighöfer wird wieder Vater. Zum zweiten Mal. Das hat er bei „Wetten, dass...?“ öffentlich zugegeben. Wollte sich aber weiter nicht dazu äußern. Nun heißt sein neuer Film, bei dem er nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch für Regie und Produktion verantwortlich zeichnet, ausgerechnet „Vaterfreuden“. Selber schuld. Weil sich da natürlich nicht nur die Fragen nach den Vaterfreuden im Film stellen, sondern auch nach den ganz privaten. Peter Zander hat den deutschen Filmstar im Hotel Regent’s getroffen.

Berliner Morgenpost: Herr Schweighöfer, in Ihrem neuen Film werden Sie zum Samenspender. Hand aufs Herz: Wissen Sie, wie viel eine Samenspende einbringt.

Matthias Schweighöfer: 150 Euro. Hab ich für den Film recherchiert.

Aber selber geleistet haben Sie vermutlich noch keine...

In der Tat, nein. Ich bin zum Glück noch nicht in die Situation gekommen.

Wieso? Geht ja nicht nur ums Geld. Sie könnten ja auch einfach andere glücklich machen, die keine Kinder kriegen können.

... und dann kommt so was raus wie das Kind von Boris Becker. Ich sehe schon die Schlagzeilen in der Zeitung.

Ihr neuer Film heißt „Vaterfreuden“. Es ist Ihnen klar, dass jetzt ganz viele Fragen zum Vaterdasein kommen.

Damit war zu rechnen...

Sie sollen ja wieder Vater werden.

Habe ich auch gehört. Wann es soweit ist, weiß ich auch nicht. Ich beantworte die Frage aber auf eine clevere Weise: Für mich stand nie zur Frage, ob ich noch mal Vater werde. Ich bin ja selbst Einzelkind, ich weiß nicht, wie das unter Geschwistern ist. Aber ich dachte, wenn ich noch mal ein Kind kriege, würde ich mich schon irre freuen, wenn meine Tochter ein Geschwisterchen bekäme. Ob Brüderlein oder Schwesterlein, spielt ja keine Rolle. Aber ich würde mich auch für meine Tochter sehr freuen.

Und die Mutter soll auch dieselbe sein wie die Ihres ersten Kindes.

Wir haben so eine On-Off-Beziehung. Ich mach das so wie Lewis Hamilton und Nicole Scherzinger: Die sind ja auch mal zusammen und mal getrennt. Das belebt so eine Beziehung. Und es ist nun mal auch schwer abzurücken von einer Frau, mit der man ein Kind hat. Da kannst du ja nicht einfach Tschüs sagen und dich für vier Jahre nach Brasilien verabschieden. Das Kind ist da der Mittelsmann, das Mittelskind. Und je mehr Kontakt man hat... Irgendwann sagt so ein Kind dann auch, wie schön es wäre, wenn die Eltern doch wieder zusammen wären.

Wie hat sich Ihr Leben damals verändert, als Sie Vater wurden?

Mein Leben wurde erstens schöner, aber zweitens auch verantwortungsvoller und damit sorgenreicher. Weil du einfach nicht mehr nur für dich zuständig bist. Da gibt es jemanden, um den du dich einfach kümmern musst, das darf man auch nicht unterschätzen. Du hast weniger Schlaf. Du wirst vor allem mit deinen groben Fehlern konfrontiert. Ich habe auch gesehen, was meine Eltern falsch gemacht haben. Meine engsten Freunde Jan Nowak und Milan Peschel habe ich als Paten eingespannt, die sehe ich jetzt fast noch öfter als vorher. Die Partyzeit wie früher, das ist nicht mehr so wichtig. Aber die Zeit miteinander zu erleben, das ist einfach nur cool.Insofern hat sich mein Leben gar nicht so verändert. Es hat sich nur bereichert. Weil alle so zusammenrücken und mithelfen. Ständig kommt jemand zu Besuch, da wird dann groß gekocht. Und dann muss der Gast auch immer mitspielen.

Bei unserem letzten Gespräch schlief Greta noch im Nachbarzimmer. Bei wem wächst sie denn größtenteils auf?

Mal so, mal so. Wenn ich einen Film drehe, ist natürlich meist die Mutti dran. Jetzt bin ich zwei Wochen wieder zuhause, da hab ich sie dann wieder. Das wird jetzt wieder ein sehr spielereiches Wochenende. Aber bei uns gibt es da keinen Rhtyhmus. Die Mutter ist meist Zentrum, auch von der Wohnung her, aber ich bewege mich darum herum.

Jetzt kommt die Natalie-Portman-Frage.

Ach? Dann mal los.

Ich habe ihr die Frage neulich gestellt, und sie meinte, das sei typisch. Das werden nur Mütter gefragt. Ich frag jetzt also auch mal den Vater: Wie ist das denn unter einen Hut zu bringen, Kind und Beruf?

Das Gute ist, als Regisseur und Produzent, der ich ja seit kurzem bin, bin ich auch der Chef. Wenn ich am Set sage, meine Tochter kommt jetzt, wir machen eine Dreiviertelstunde Pause, dann sagt da keiner was. Die freuen sich höchstens, wenn die Überstunden danach extra honoriert werden. Deshalb komme ich mit dem Beruf ganz gut klar. Ich habe auch super Assistenten, dir mir viel abnehmen. Und ich lass ja auch immer viele Freunde mitspielen, das ist da alles familiärer. Vor allem erlebe ich dann aber auch die Zeit, die ich wirklich frei habe, viel bewusster. Wenn du einen normalen Job hast, wo du morgens zur Arbeit gehst und abends zurückkommst, siehst du dein Kind zwar regelmäßiger, aber vielleicht auch nur zwei, drei Stunden am Tag. Wenn ich nicht drehe, habe ich auch mal zehn Tage am Stück Zeit.

Ist Greta denn beim Dreh auch dabei?

Nein. Die fahren in der Zeit in Urlaub. Aber wenn ich dann in der „Gala“ bin und sie findet das, dann schickt mir Greta auch mal ein Foto davon. Wenn sie an einem Filmplakat mit einem Mann mit Locken vorbeifährt, sagt sie meist, der sieht ja aus wie der Nowi. Und wenn ich irgendwo drauf bin, sagt sie: Guck mal, der Milan.

Darf Sie denn schon Filme sehen?

Sie mag das nicht. Wenn ich mir so einzelne Szenen zuhause ansehen muss, das findet die ganz uncool. Wenn da ein Unfall oder ein Stunt gezeigt wird, dann kriegt sie richtig Schiss. Da muss ich dann ausmachen. Oder sie haut einfach den Computer zu. Klare Ansage.

In „Vaterfreuden“ gibt es diese wunderschöne Szene, wie Sie mit zwei Freunden auf dem Spielplatz sitzen. So was gibt es sonst ja nur bei Frauen. Können Sie überhaupt auf einen Spielplatz – oder werden Sie da gleich von weiblichen Fans umringt?

Na klar geh ich mit Greta auch auf den Spielplatz. Das wird knallhart durchgezogen. Das ist aber auch ganz entspannend. Die Mütter sind alle so beschäftigt mit ihren Kindern. Das ist herrlich normal. Ich glaube, so ein Spielplatz ist auch ein prima Un-Ort. Da sind alle gleich. Ich achte in dem Fall auch gar nicht darauf – ich bin ja selbst mit der Kleinen beschäftigt.

Wir müssen bei diesem Film auch noch über etwas anderes sprechen – die Frettchenszene.

(lacht) Das war unvermeidbar.

Sie werden da bei einem Liebesspiel ans Bett gefesselt, Ihr Gemächt wird mit Honig eingeschmiert. Aber dann muss ihre Partnerin ans Telefon. Und das Frettchen Ihres Filmbruders wittert den Honig.

Als ich das Buch gelesen habe, habe ich mich weggeschmissen vor Lachen. Da dachte ich mir, das will ich im Kino sehen. Erst am Tag, wenn das dann gedreht wird, mache ich mir klar, was das jetzt für mich heißt. Aber im fertigen Film schmeiß ich mich dann wieder weg.

Es gibt ja kaum einen Film, wo Sie nicht buchstäblich oder doch im übertragenen Sinn die Hosen runterlassen. Von „Soloalbum“ mit den eingeklemmten Weichteilen über den DDR-Strip in „Friendship“ bis jetzt zum Frettchen. Ein fester Bestandteil, ein roter Faden in Ihrem Oeuvre?

Nett, dass Sie es so ausdrücken. Ich werde ja schon gefragt, ob das ein Fetisch ist. Es ist zumindest kein narzisstisches Moment: Hey, watch my body. Und es geht auch nie um Nacktheit allein. Ich bringe das ja immer in eine peinliche Situation. Das man buchstäblich nackt dasteht. Nackt an sich ist ja schon ein komischer Zustand, ich mag aber den Humor, damit zu spielen.

Til Schweiger würde das nicht tun. Ist das etwas, was Fans an Ihnen lieben, dass Sie so etwas mit sich machen lassen?

Darüber mache ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken. Ich finde das einfach immer sehr komisch.

„Vaterfreuden“ kommt am 6. Februar ins Kino. Ist das nicht der unglücklichste Termin für einen deutschen Film, am selben Tag wie die Berlinale?

Ich glaube, meine Zielgruppe ist nicht unbedingt der Berlinale-Filmgänger. Vielleicht sind da ein paar Kinos in Berlin mit anderen Filmen voll, aber in anderen Städten wollen die Leute auch ins Kino gehen.